Das Coronarchiv

Collected Item: “Meine Erfahrung mit Corona”

Titel

Meine Erfahrung mit Corona

Beschreibung/Text

Ich bin Ende Zwanzig und arbeite als Unternehmensberaterin. Durch meine Arbeit bin ich viel unterwegs, also meistens drei Tage die Woche. Ich mag die Zeit unterwegs. Im Zug bin ich lieber als im Flugzeug. Zum einen, weil der Flughafen weiter weg ist und zum anderen, weil ich einigermaßen nachhaltig leben möchte. Die Zeit unterwegs kann ich zum arbeiten und zum Podcast hören nutzen und die zwei Abende im Hotel mache ich gerne Yoga, schaue Serien und entspanne mich vom Tag.

Zuhause in meiner 2-Zimmerwohnung mit meinem Freund zusammen kann ich das natürlich eigentlich auch, aber das ist etwas anderes. Ich liebe die Zeit gemeinsam, aber ich liebe auch die Zeit für mich alleine.

Dann kam die Corona-Krise. Ich bin glücklich, dass ich schnell ins Home Office wechseln konnte, aber manchmal ist es auch schwer. Wir teilen uns aktuell einen Schreibtisch, sind non-stop zusammen und kommen nicht so viel raus. Uns ist es wichtig unseren Beitrag zu leisten und gehen nur zum Einkaufen, oder mal ab und zu früh morgens raus für einen Spaziergang. An Tagen an denen es regnet ist das nicht so schlimm, oder wenn ich viel zu tun habe, dann geht es auch einigermaßen. Aber nun bin ich schon in der 4 Woche Home Office und merke langsam, wie sehr mir meine Zeit alleine, Sport zu machen (Zumba oder Fußball) und einfach sich an der frischen Luft zu bewegen fehlt.

Hier so dicht im Zentrum lebe ich normalerweise sehr gerne. Nun bin ich ein wenig neidisch, wenn ich beispielsweise an meinen Bruder denke, der mit Frau und Kind zu unseren Eltern aufs Dorf gegangen ist. Dort kann man sich noch ziemlich frei bewegen, ohne jemanden zu treffen. Ich merke auch wie die Zeit an manchen Tagen an meinen Nerven zehrt und ich schneller aufbrause als sonst. Yoga und Meditation helfen, aber auch nicht immer. Meist für ein paar Stunden.

Im Internet gibt es viele Initiativen zur Unterstützung lokaler Geschäfte. Ich versuche mich daran zu beteiligen und kaufe noch regionaler ein. Nächste Woche werde ich einen Termin machen um Ware kontaktlos beim Laden abzuholen. Ich bin gespannt wie das wird.
Besonders krass fällt mir die Veränderung auch auf, wenn wir mal mit dem Auto unterwegs sind. Auf den größeren Straßen außerhalb der Stadt ist fast nichts mehr los und auch morgens auf dem Bahnhof oder Bushaltestellen, ist kaum noch jemand unterwegs, auch nicht rund um 08:00 Uhr.

Natürlich versuche ich nicht so viel Nachrichten zu schauen und permanent am Handy zu sein. Das ist manchmal schwer, es hilft aber tatsächlich. Was mir am meisten Angst macht, dass jemand aus meiner Familie oder meinem Freundeskreis ernsthaft krank werden könnte. Jobtechnisch stellen wir gerade so viel wie möglich auf Online-Themen um, deshalb habe ich zum Glück bisher keine finanziellen Sorgen. Ich hoffe auch sehr, dass die Leute sich langfristig auch mehr für ihre Mitmenschen, den Umgang miteinander und ein nachhaltiges Leben interessieren. Mich beschäftigt unter anderem das Zero Waste Thema auch sehr.

Interessant finde ich wie unterschiedlich die einzelnen Länder mit der Krise umgehen. Tatsächlich bin ich auch sehr gespannt wie lange das Ganze noch dauert. Bis zum Sommer sicherlich, vielleicht auch noch das ganze Jahr?!

Um dem "Lager-Koller" zu entgehen versuche ich von Tag zu Tag und von Woche zu Woche zu schauen. Im Moment brauche ich mehr Zeit draußen und Bewegung. Mein Freund ist da komischerweise total das Gegenteil von mir. Er ist mehr ängstlich, was das Virus selbst angeht und brauch fast keine Bewegung. Mich macht das irgendwann wirklich wahnsinnig hier in der kleinen Wohnung. Aber zum Glück gibt es auch gute Tage, an denen es total ok ist. Wir sind gesund und haben noch Arbeit. Und das ist aktuell etwas, über das man wirklich glücklich sein kann.

Wann ist das Material entstanden?

03.04.2020

Ort

Owschlag

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KimFH

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