Meine Erlebnissse am 16.6. und 17.6. in Hannover und Köln in der Zeit der Coronakrise: Die mysteriöse Gestalt im Dunkeln

Objekt

Titel

Meine Erlebnissse am 16.6. und 17.6. in Hannover und Köln in der Zeit der Coronakrise: Die mysteriöse Gestalt im Dunkeln

Beschreibung

Meine Erlebnisse am 16.6. und 17.6.2020 in Hannover und Köln in der Zeit der Coronakrise

Die Filmpremiere



Ich fuhr mit dem Zug am 16.6.2020 von Hamburg nach Hannover. Im Zug zeichnete ich einen älteren Herren mit grauen Haaren und Maske. Links neben mir sass ein junger Mann mit Maske. Ich zeichnete - ohne dass es bemerkt wurde - den älteren Mann. Dann las ich. Wenig später suchte ich per Handy nach der Karte. Als ich die Karte fand, suchte ich die Stadt Hannover und suchte dort die Kröpke - Uhr. Ich schob die bewegliche Karte auf dem Display hin und her, suchte und suchte bis ich die Kröpke-Uhr fand. Dort in der Kröpke-Uhr sollte die Premiere des Films von "When we Stayed at Home" von Filmproduzent Andreas Barthel und Filmregisseur in Susi Duhme stattfinden und ich wirkte in dieser Filmdokumentation als Darsteller mit. Ich war froh, dass ich überhaupt Arbeit bekommen hatte, an dieser Filmproduktion mitwirken zu können und ich hatte natürlich auch Spass. Den in Hamburg hatte ich wegen der Coronakrise alle Mal- und Illustrations-Aufträge verloren und ich nahm deshalb alles an, was ich in dieser Zeit notgedrungen kriegen konnte. An dieser Produktion "When we Stayed at Home" wirkten 43 Darsteller mit, die nach einem öffentlichen Aufruf Video-Material aus der Corona-Krise eingereicht hatten. Auch Produzent und Sänger Ossy Pfeifer, Sängerin Anca Graterol, dem TV- Zauberer Cody Stone, dem Musiker, Autor und Wissenschaftler René Schierling wirkten mit. Das sollte ich - hoffentlich gut laufen. (Doch es kam später in diesem Tag anders.)
Ich hing in der Bahn eine Weile den Gedanken nach. Zum Beispiel dachte ich an die mühselige Arbeit an den Film "When we stayed at home" von Andreas Bartel, zu dem ich viel eigenes Film-Material zugesteuert hatte. Ich dachte auch an mein eigenes Projekt, einem Corona-Film-Drama, das mit Andreas Barthels Film nichts zu tun hatte: Corona-Tod in der Stille. "Corona-Tod in der Stille" war ein Film-Drama über das Leben in Zeiten des Coronavirus in Hamburg und zum Teil auch in Berlin, das wegen Probleme in der Corona - Krise nicht fertig wurde (zum Beispiel als ich und die Darstellerin Ingrid Hammill unter Corona-Verdacht gerieten und den Film zeitweise nicht weiterdrehen konnten). Ich wollte eigentlich auch mein früheres Musik-Malerei-Projekt "The Ultra Creative Project" schon 2019 aufleben lassen und es sollte auch einige Auftritte geben. Doch auch das fiel wegen der Corona-Krise und des Auftrittsverbots 2020 flach. Wie so vieles. Und darüber war ich sehr deprimiert.

Ich hing noch eine Weile den Gedanken nach. Dann erreichte der Zug den Bahnhof Hannover Hauptbahnhof. Es war kurz vor 14 h. Ich verliess den Zug und dann den Bahnsteig. Ich ging die Treppe runter. Ich fragte bei der Hauptbahnhof-Information nach dem Weg zur Kröpke-Uhr. Die wussten nicht viel. Dann ging ich zum Reisebüro. Die zeigten mir dann die Richtung und den Weg. Ich hatte noch etwas Zeit. Ich bestellte etwas bei Mc Donalds zum Beispiel Chicken Mc Nuggets und ein Getränk. Ich musste ein Formular ausfüllen. Zur Sicherheit in der Coronakrise, um das Infektionsgeschehen zu verfolgen. Das sollte mit einem Handys gemacht werden und man musste auch seine Telefonnummer angeben. Aber das ging nicht mit meinem ersten und dem zweiten Handy. Wenig später verlor ich die Geduld und füllte das Formular mit der Hand aus, was dann von einem McDonalds-Mitarbeiter akzeptiert wurde. Mit Handy war mir zu kompliziert. Auch dauerte es bis ich mein Essen bekam. Ich bekam dann eine Nummer für einen Tisch. Doch dieser Tisch war durch einen Mann besetzt. Dann musste ich einen anderen Tisch nehmen. "Maske bitte aufsetzen", sagte eine McDonalds-Mitarbeiterin zu mir! Sorry. Das hatte ich vergessen. "Das mach ich doch", sagte ich und setzte die Maske auf. Dann ging ich zu dem Tisch und ass mein Essen. Danach verliess ich das Mc Donalds-Restaurant. Mir war die Stimmung dort zu unentspannt. Das war nicht in allen Mc Donalds-Restaurants so, aber dort wo ich war gingen mir einige Leute ziemlich auf den Wecker. Wenig später ging ich zu einem Reisebedarfsladen im Kölner Hauptbahnhof. Auch da galten die aus meiner Sicht notwendigen, aber nervigen Pandemie - Regeln. Es durften nur zwei Leute rein und ich musste daher draussen warten bis die zwei Leute aus dem Reisebedarfsladen verschwunden waren. Da wurde mir wieder bewusst: Mit Corona war das noch lange nicht vorbei. Ich wartete einige Zeit. Dann kam ich dran. Ich ging in dem Laden und kaufte mir zwei Zeitungen in der Hoffnung, dass sie über das Filmprojekt "When we Stayed at Home" von Andreas Barthel berichtet hatten. Doch da war aktuell nichts zu finden (die taz hatte aber einige Tage zuvor über den Film berichtet). Ich verliess dann den Reisebedarfsladen und schrieb meinem Onkel Albrecht eine Nachricht auf dem Handy in der Hoffnung, dass er zu der Premiere kommen würde. Doch ich war realistisch und machte mir da keine grossen Hoffnungen wie mein Vater schon vermutete. Er würde bestimmt keine Zeit haben. Und ich behielt Recht: Er hatte später wirklich keine Zeit. Ich ging dann zur Kröpke-Uhr. Dort traf ich Andreas Barthel und Susi Duhme, die gerade die Installation des Monitor (auf dem der Film laufen sollte) vorbereiteten. Dieser dann wenig später in der Kröpke-Uhr installiert werden. Auch Markus Keese - ein Co-Produzent war dort und wirkte sympathisch. Er erzählte, dass er im Lockdown am Osterfeuer alleine war. Er erzählte das mit viel Humor, er hatte dieses Ereignis filmisch dokumentiert und das war auch in der Doku "When we Stayed at Home" zu sehen. Und dann sprach ich mit Andreas Barthel nachdem er den Monitor mit einigen Mitarbeitern installiert hatte. "Wir haben alles vorbereitet, Film läuft. Schön, dass Du da bist. Dass Du mitgemacht hast....", sagte er. Wir redeten eine Weile. Eigentlich hatten wir per Mail abgemacht, dass wir uns hier in Hannover Donnerstag treffen würden. Da er viel zu tun hatte, würden wir es jetzt bei diesem Treffen an der Köpke-Uhr belassen und hier alles andere besprechen. "Donnerstag muss leider ausfallen - ich habe viel zu tun", sagte er. Ich verstand das. Schliesslich hatte er wirklich viel zu tun. Und ich wollte später weiter nach Köln fahren und zwar noch an diesem Tag. Während die Mitarbeiter noch aufbauten und alles für die Premiere vorbereiteten, unterhielt ich mich mit Andreas Barthel kurz weiter und ich erzählte ihm von meinen Filmprojekten. Dann beendeten wir das Gespräch, da die Premiere des Films und die Eröffnungsrede damals gleich beginnen würde- wegen der Coronakrise leider nicht vor einer grossen Menschenmenge. Andreas Barthel wollte ein Interview vor laufender Kamera machen. Vermutlich für einem Sender aus Hannover? Das wusste ich nicht genau. Auch mit Susi Duhme unterhielt ich mich bevor der Film losging. Ich blickte mich um. Da waren verschiedene Leute, die ich nicht kannte. Aber ich ahnte, dass einige auch einige Prominente oder bekanntere Leute hier damals anwesend waren. Dann fand die Eröffnungsrede von Andreas Barthel und Susi Duhme statt, das auch gefilmt wurde. Kurz und knapp. Dann wurde der Film in der Kröpke - Uhr gezeigt. Ich sah mir den Film genau an und war positiv überrascht. Dieser Film war eine gelungene Dokumentation über die Coronakrise und kam gut an. In diesem Film wirkten viele interessante Leute mit, ich sah auch einige bekannte Gesichter zum Beispiel Anca Graterol, Cody Stone und René Schriering und ich war auch viel in dem Film zu sehen. Nach der Film- Premiere unterhielt ich mich mit Susi Duhme. "Vom wegen Solidarität in der Corona-Krise. Ha. Davon merke ich wenig. Vielleicht kommt zweite Welle - dann kannst Du eine Film-Fortsetzung drehen. Besser jetzt Film drehen - in einem Jahr wirkt das nicht mehr authentisch. Da sind dann die Emotionen weg", sagte sie. Ich sah das so ähnlich.
Dann - nachdem wir geredet hatten, verabschiedeten sich Andreas Barthel und Susi Duhme von allen Leuten. Auch von mir. "Ich werde den Film bei IDMb anmelden", sagte Andreas und er fragte mich (da ich mit IMDb einige Erfahrung hatte), wie das genau funktionierte. Ich gab ihm einige Tipps. Dann ging er.
Danach ging ich spazieren, redete mit meinem Vater per Handy und erzählte von der erfolgreichen Premiere. Mein Vater gratulierte. Auch Maria und meine Kinder rief ich an. Und versendet einige kurze Mails an meine wenige Freunde. Dann begann es zu regnen. Ich stellte mich in einen überdachten Geschäftseingang mit Blick auf die Kröpke-Uhr, die vom Regen eingeduscht wurde. Mit mir warteten mehrere Leute. Und sie blickten oft auf die Kröpke-Uhr. Dort lief mein Film (bis zum 1. August) in Dauerschleife. Und wie es regnete! Es schüttete aus allen Wogen. Ein heftiger Platzregen, der mehr als eine Stunde anhielt. Solch einen Regen sah ich selten. Oder es kam mir nur so vor. Dann war das Regen auf einmal vorbei und auch das lange Warten. Ich machte einige Fotos - auch Selfies - an der Kröpke - Uhr. Und auch einige Videos. Dann ging ich in der Nähe der Kröpke-Uhr spazieren. Dann waren irgendwann die Handyakkus leer und ich konnte nirgendwo aufladen. Da ich Zeit hatte, ging ich zu Saturn. Ich wollte nach Köln durchfahren und ich hatte zum Glück im Hamburg Hauptbahnhof extra für 90 Euro eine Karte genommen mit der ich nicht nur nach Hannover fahren könnte, sondern nach einer grossen Pause auch nach Köln weiterfahren konnte. Denn Hannover war die Premiere und ich hatte einige Kontakte wie Andreas Barthel und sein Team. In Köln hatte ich jedoch mehr. Ich kannte einen Filmemacher, der dort für den Sender RTL arbeitete. Ich hatte auch von früher einige Kontakte in der Kölner Kunstszene. Denn ich hatte früher zweimal eine Ausstellung in der "Veranstaltungs- und Kunsthalle" Alte Feuerwache vor der Coronakrise (2005 und 2006) in Köln gehabt und ich konnte zum Beispiel versuchen dort etwas zu erreichen zum Beispiel eine kleine Ausstellung. Ich hatte eine Familie zu ernähren und war unter Druck! Obwohl ich wusste, dass das in der Coronakrise kaum möglich war, weil auf dem Kultur - und Filmsektor wegen Corona fast alles dicht gemacht hatte, sämtliche Ausstellungsräume geschlossen waren, Filme kaum noch produziert wurden und die Situation war so schlimm, dass auch Hollywood Film - Pause bis 16.6.2020 machten musste (bis auf Ausnahmen, denn es gab aber wenige Leute wie ich, die im Homeoffice mit Einhaltung der Abstandregelungen Filme produzierten oder es zumindest auf bescheidene Art versuchten). Aber vielleicht konnte ich ein Bild verkaufen oder eine Onlineausstellung machen, dort Kontakte knüpfen, neue Inspirationen sammeln, das auch mit etwas Urlaub verbinden....Ich hatte deshalb die Hinreise nach Köln geplant und ich hatte auch ein Ticket. Bis zu diesem Zeitpunkt fehlte nur noch ein Hotelzimmer, das ich noch in Köln finden wollte. Aber ich hatte ja Zeit. Eine Lösung würde sich schon finden. Ich wollte anfangs nach der Premiere eine Rundreise mit einem Reisebus in Hannover machen - das ging wegen Corona vermutlich gar nicht oder nur mittags. Jedenfalls sah ich keinen Rundreisebus. Und so verging mir die Lust. Und dann war ich froh, dass ich bei Saturn war und mir ein neues Ladekabel kaufen konnte. Aber auch dort : Überall wurde abgesperrt, Masken musste getragen werden, äusserste Vorsicht war angesagt. Was notwendig und richtig war, um die Ausbreitung der Corona-Pandemie zu verhindern! Vieles wurde deshalb runtergefahren, die Verkäufer passten auf und auch die Toilette war geschlossen. Das musste sein! Ich fuhr mit dem Fahrstuhl auf die erste Etage hoch. Es gab auch oben keine Toilette. Ich fragte nach USB- Stick. Es waren zu wenig Verkäufer da. Ich musste lange nach einem Verkäufer suchen, der mir zeigen konnte, wo es die USB-Sticks gab. Dann fand ich endlich einen Verkäufer. Er mache Witze - im Gegensatz zu den anderen Verkäufern, die ernsthafter blickten und nicht so locker waren. Das erzeugte in mir in diesem Moment viel Positives. "Wenn Sie mich fragen, wo ein USB-Stick ist, werde ich sie erstklassig auch bedienen. Hier sind die", sagte er. Ich nahm den 128er. 2 Stück Stück davon. Sicher ist sicher - denn ich wollte auch viel für mein eigenes Filmprojekt "Corona - Tod in der Stille" filmen. Ich bekam noch ein Kabel, das aber das falsche Kabel war, wie sich das später herausstellte. Es war meine Schuld. Ich hätte besser aufpassen müssen! Dann ging ich - nach langem Anstellen an der Kasse (mit einer durchsichtigen Trennwand) aus dem Geschäft. Dann ging ich in die Nähe des Hauptbahnhofeingangs in dessen Nähe die Polizeiwache war. Da ich meine Reise dokumentieren und deshalb filmen wollte, ärgerte mich, dass mein Handy voller Daten war und ich nicht filmen konnte. Deshalb machte ich mein Handy wieder für das Fotografieren funktionstüchtig, indem ich diverse Handy-Daten auf mein USB-Stick überspielte, um Speicher-Platz für das Fotografieren zu schaffen. Danach machte ich am Hauptbahnhof mehrere Fotos und Videos. Dann erfuhr ich wenig später, dass nur noch ein Zug um diese Uhrzeit nach Köln fuhr. Es war der letzte Zug und den wollte ich nehmen! Vor der Weiterfahrt nach Köln kaufte ich noch in einem kleinen Supermarkt im Bahnhof ein. Getränke und etwas zu Essen zum Beispiel ein Salat. Leider fiel mir eine Flasche an der Kasse runter. Das tat mir leid, ich entschuldigte mich und zahlte dann. Die Verkäuferin verzieh mir und wischte dann alles auf. Dann lief ich zum Zug, dem letzten Zug in dieser Uhrzeit, stieg ein und ass wenig später drinnen im Zug den Rest meines Essens auf - mit einer Plastikgabel, die ich von meinem vorletzten Mc-Donalds-Kauf noch im Rucksack hatte.

Die mysteriöse Gestalt im Dunkeln

In dem Zug setzte ich mich aus Versehen in die erste Klasse. "Hoffentlich klappt es mit einem neuen Auftrag oder Job", dachte ich. Auch wollte ich endlich in Köln einige Filmaufnahmen für meinen Film "Corona-Tod in der Stille" machen. Dann kam eine Fahrkartenkontrolleurin und ich sie verjagt mich in die zweite Klasse, wo ich etwas unbequemer sass. Ich sass dort links auf dem Fensterplatz an einem schmalen Tisch. Vor mir sass eine Oma mit ihrem frechen Enkelkind. Und wie er die nette, zu gutmütige Oma beleidigte! Da ging es um das Bedienen des Handys. "Du weisst doch gar nicht wie das mit den Geräten, mit dem Handy funktioniert. Du weisst gar nichts", sagte er. Immer wusste er alles besser. Intelligent war er - das merkte man, aber inakzeptabel frech. Er guckte mich auch oft ablehnend und böse an. Mit der Oma redete ich nur kurz. Ich erzählte von meinen Erlebnissen und wir redeten über die Coronakrise. "Ist doch alles locker inzwischen", sagte sie. Ich war innerlich etwas empört, weil ich das als einen bisschen von der Krise betroffenen Künstler nicht so einfach akzeptieren konnte. Sicher wurden einige Hygiene-Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie etwas gelockert, die Restaurants hatten inzwischen wieder auf, wobei sie sich an die Hygienemassnahmen halten sollten. Aber die Künstler - und Veranstaltungsbranche lag immer noch am Boden, die Künstler erhielten immer noch keine Unterstützung. Konzerte fanden mich nicht statt. Und auch die Prostituierten, die wegen der Hygienegesetze nicht arbeiten konnten, erhielten immer noch keine finanzielle Unterstützung. Locker war vieles auf keinen Fall! Ich erlebte zum Beispiel in Hamburg viele Leute nicht so locker, besonders diejenigen, die von der Coronakrise betroffen waren. Jedenfalls kamen wir beim Gespräch nicht auf einen Nenner, weil wir das unterschiedlich sahen. Besonders der Enkel der Oma ging mir auf den Wecker. Und als sie ausstiegen, hatte ich meine Ruhe. Während der restlichen Fahrt schlief ich, zeichnete, schrieb Geschichten und verarbeitete meine Erlebnisse. Denn sie meiste Zeit war ich Zwangsarbeitslos und musste mir Arbeit schaffen. Ich kam nachts in Köln an. Ich stieg aus dem Zug. Meine Lebensgefährtin Maria und mein Sohn Julian riefen wenig später an. Maria war krank. Es war eine Allergie vermutlich. Ich guckte im Bahnhof mit dem Handy im Internet nach Medikamenten nach. Als ich fündig geworden war, rief ich meine Lebensgefährtin Maria nach einer kurzen Pause zurück. Ich empfahl einige pflanzliche, ungefährliche Medikamente, riet ihr sicherheitshalber zur Apotheke zu gehen und sich dort beraten zu lassen. Oder besser zum Arzt, wenn es wenn schlimmer werden würde. Ich wünschte ihr gute Besserung. Auch sprach ich kurz mit meinen Kindern. Mehr konnte ich nicht tun. Ich wollte mir ein Hotelzimmer suchen. Aber vorher wollte ich etwas einkaufen zum Beispiel etwas zu trinken und etwas zu essen - denn ich vermutete, dass es noch einige wenige Kioske gab, die am Kölner Hauptbahnhof in der Nacht noch offen hatten. Und solch ein Kiosk suchte ich. Ich lief im Bahnhof umher. Der Bahnhof war leer und dunkel, einige Sitzplätze dort waren mir rot-weissen Absperrbändern abgesperrt. Ich machte unauffällig einige spontane Fotos, um dies zu dokumentieren. Dann steckte ich die Kamera weg, ging weiter und suchte immer noch nach einem Kiosk. Einige Personen von der Hochbahn standen wenig später in meiner Nähe. Auch einige Bahnhofs-Polizisten. Ab und zu lief mal ein Passant vorbei. Ich ging die dunklen Gänge entlang, die aus einem Horrorfilm stammen könnten. Dann sah ich plötzlich ein geöffneten kleinen Supermarkt. Und ich freute mich, da ich nun etwas einkaufen konnte. "Aber es war schon spät und der Supermarkt würde sicher gleich zumachen - zumindest sieht es so aus", dachte ich, nahm mein Handy in die Hand und guckte auf die Uhr. Ich wollte gerade auf das Geschäft zulaufen, als ich am Arm und an der Schulter einen kräftigen Schlag spürte. Mein Handy wurde weggeschleudert und fiel mit einem Knall zu Boden. Ich ging in Deckung, bevor mich noch ein Schlag erwischte und dann ging ich auch zu Boden. Irgendwie musste ich ungünstig gefallen sein, denn ich spürte am Mund und an den Knien einen Schmerz. "Gib her", schrie jemand. Ich sah einen hochgewachsenen Mann mit einem kleinen Bart um den Mund. Ich kroch zu meinem Handy, das auf den Boden geschleudert worden war und griff es. Der Mann ging auf mich zu und holte erneut zum Schlag aus. Ich griff blitzschnell mein Rucksack, wehrte damit einen weiteren Schlag ab und schrie etwas zu dem Mann. Aber noch immer wollte er mich angreifen. Dann schrie ich um Hilfe. Bevor die Situation völlig aus der Kontrolle geriet, kamen zum Glück Passanten vorbei. "Seht. Dieser Mann wollte mich überfallen", schrie ich. Dann hielt der unbekannte Mann inne und trat erschrocken einige Schritte zurück. Dann floh er. Wie ein Schatten war er - die Gestalt - einfach weg. Verschwunden im Dunkeln. Ich war immer noch geschockt und kniete immer noch am Boden. Mit meinem Handy in der Hand. "Oh Gott", dachte ich.
Ich weiss heute nicht mehr, was ich alles dachte. Ich zitterte, kniete eine Weile, war zu geschockt, um aufzustehen. Auf Knien guckte ich mein Handy an, ob es beschädigt war. Und es war leicht beschädigt, denn das Display hatte mehr Risse m bekommen als vorher (vorher waren nur einige kleine Risse) und es war etwas schwerfälliger zu bedienen. Als ich aufstand, taten mir die Knie weh. Vermutlich war ich wirklich sehr ungünstig gefallen. Ich stand - als ich den Passanten meine Geschichte erzählte - immer noch unter Schock. Dann rieten mir die Leute zur Bundesspolizei am Bahnhof zu gehen. Das wollte ich tun! Ich musste aber zuerst etwas zu trinken, sonst hielte ich nicht mehr durch. Ich war müde und ausgelaugt. Und ich war ärgerlich, dass mein Handy beschädigt wurde und die Täter ungeschoren davonkamen. Ich war so wütend, dass ich - obwohl ich mich nicht im besten Zustand befand - trotzdem mit dem Täter bis zum letzten körperlich gekämpft hätte und ihn zusammen- oder niedergeschlagen hätte, so dass er ausser Gefecht gesetzt wäre. Wenig später war ich im Supermarkt und kontrollierte noch einmal mein Handy, denn schliesslich waren meine gesamten Telefonnummern und WhatsApp-Nachrichten etc. im Handy und ich war deshalb in Sorge. Ohne Handy konnte ich auch als Künstler schwer was machen, denn ohne Handy ging heute nichts. Aber ein neues Handy konnte ich mir nicht leisten. Es war schwer genug die Fahrkarte zu bezahlen und nur mit Hilfe meines Vaters konnte ich sie bezahlen. Das hier war kein Urlaub oder nicht nur. Ich hatte kaum Geld, keine Aufträge und Schulden und suchte Arbeit, Aufträge (obwohl es kaum Ausstellungen gab, fast alles dicht war und auch die Filmbranche am Boden lag) und wollte einfach so viel Geld verdienen, so dass ich meine Familie ernähren könnte. Das ist doch normal! Aber das war im damalige Zeitpunkt in der Coronakrise für mich als Künstler sehr schwierig. Ich musste trotzdem mein Bestes versuchen. Und wenn ich keine Ausstellung bekommen würde, könnte ich wenigstens meine wenigen Kontakte mobilisieren und vielleicht ein Bild verkaufen. Und es gab auch in Köln einige wenige Regisseure, die - wie Andreas Barthel - im Lockdown Film produzierten und Darsteller suchten... Ich musste mir was einfallen lassen. Es wenigstens versuchen. Der Glaube half mir mit meinen Problemen und Depressionen fertigzuwerden. Und ich mache mir bewusst: Anderen Leuten ging es schlimmer als mir. Daher war ich froh über das Positive im meinem Leben, sammelte meine Kräfte und ging positiv durchs Leben ohne zu jammern. Ich kaufte mir wenig später im Supermarkt einen Salat und etwas zu Trinken. Ich bezahlte, trank einen Schluck und ging dann aus dem Supermarkt. Ich verliess dann den Hauptbahnhof und kam dann zur Bundespolizei, die sich in einem containerartigen Gebäude direkt vor den Bahnhof befand. Ich trat ein und ein junger ca. 30 jähriger Bundespolizeivollzugsbeamte namens Schröder * kam auf mich zu. "Was kann ich für Sie tun?", fragte er mich. "Ich wurde überfallen, niedergeschlagen, jemand versuchte mir mein Handy zu klauen", sagte ich. "Dann erzählen Sie mir die ganze Geschichte," sagte der Polizeivollzugsbeamte S. (den ich einfach S. nenne), der neben Streifen- und Wachdienst und anderen Tätigkeiten auch für die Anzeigenaufnahme zuständig war. Dann erzählte ich ihm die Geschichte. S. war gleich pessimistisch. " Meistens sind die Täter am Hauptbahnhof schnell über alle Berge. Aber wir versuchen das Beste. Dann werde wir sehen, was wir für Sie tun können. Wir nehmen das Ganze auf- dann sehen wir weiter. Dass wir den Täter finden, halte ich für unwahrscheinlich, denn im Hauptbahnhof gibt es viele Diebe. Es gibt viele Delikte. Wo war das genau passiert? ", fragte der Polizeivollzugsbeamte S. Ich erzählte ihm alles ganz genau was passiert war. Er schrieb alles auf einem Notizblock mit. " Gut. Warten Sie. Ich werde mit einem Kollegen das besprechen. Wir nehmen das alles erst mal auf. Dann können Sie Strafantrag stellen. Ist ihr Handy kaputt?", fragte S. Ich erzählte, dass mein Handy-Display beschädigt war und das Handy nur schwerfällig zu bedienen war. Der Beamte ging zu der Tür, die zu einem Flur führte. Ich wollte mitgehen. Aber er bremste mich. "Halt. Warten Sie hier. Wir werden sehen, was wir tun können," sagte er. Der Mann verschwand. Dann traf er auf den Flur einen Kollegen, den Polizeivollzugsbeamten Lindner. Ich konnte das durch das Glasfenster an der Tür sehen. Er kam mit dem Kollegen L. wieder. "Wir werden mal den Monitor angucken. Dann wissen wir mehr. Hat er Sie bedroht. Angegriffen? Oder verletzt?", fragte der Polizeivollzugsbeamte S. Ich sagte "Ja". Ich erzählte ihm wieder alles ganz genau - mit genauen Details. " Wir werden unser Bestes versuchen," sagte S. schon wieder. "Aber die Chancen ihn zu kriegen am Hauptbahnhof ist gering. Meistens kriegen wir ihn nicht", sagte er. "Aber ich finde, man sollte es wenigstens versuchen," sagte ich. "Das tun wir". Dann verschwanden sie. Ich wartete und warte. Dann kam ein neuer, unscheinbarer Mann ca. 40 Jahre alt mit Brille und kurzen, blonden Haaren von draussen in den Warteraum rein. Er trug keine Maske im Gesicht (die trug er weit runtergezogen am Kinn) und setzte sich einige Meter von mir entfernt auf die Sitzbank. "Guten Abend. Ich bin Wiktor aus Polen", stellte er sich kurz vor. "Mir wurde der Rucksack gestohlen und dort sind meine Papiere drin. Wer will meinen Rucksack? Da ist nichts drin. kein Geld, nichts. Nur meine Papiere. Wie beschissen ist das denn? Ich muss jetzt extra zur Polizei und darauf hab ich keinen Bock", sagte er verbittert lächelnd. Er setzte sich schnell die Maske auf, bevor die Bundespolizeivollzugbeamten kamen und ihn befragten. Er schien sehr unregelmäßig die Maske zu tragen. "Das ist schlimm. Ich wurde überfallen. Man wollte mir mein Handy klauen", sagte ich. Der Bundespolizeivollzugsbeamte S. kam wieder, befragte den Polen, der trotz des Dialekts gut Deutsch konnte und nahm seine Erlebnisse auf. "Dann musst Du besser aufpassen. Wie tun unser Bestes, " sagte S. "Wieso sagte er "Du" statt "Sie? "", fragte ich mich. Aber es kümmerte mich nicht. Dann verschwanden die zwei Polizeivollzugsbeamten. Sie waren einfach weg und nichts passierte. Wir warteten und warteten. Und das um diese Zeit nach Mitternacht. Und wir wurden langsam ungeduldig. Der Pole wollte mit mir reden. Ich wollte nicht reden. Und so schwiegen wir fast nur - während wir mit Abstand nebeneinandersassen. Ich trug meine Maske. Der Pole meistens nicht - nur wenn die Bundespolizeivollzugsbeamten reinkamen. Ich war einfach müde und würde fast die ganze Nacht durch die Ermittlungen hier auf der Wache verbringen. So hatte ich mir meine Kurzreise nicht vorgestellt und der Wunsch keimte so schnell wie möglich wieder nach Hamburg abzureisen. "Nein. Auch das noch. Das ist wieder echt geil, ey. Die ganze Zeit warten. Der Dieb nimmt meine Tasche. Ich fühle mich verarscht" , sagte er. Dann erzählte er mir, was passiert war. "Ich traf dann den Bekannten im Hauptbahnhof und der sollte mal kurz auf meine Tasche aufpassen während ich pinkeln ging und dann... Er verschwand mit der Tasche. Verarschte mich. War einfach weg. Und gab mir nicht mal meine Papiere wieder. Ich hatte alle Mülleimer im Hauptbahnhof durchsucht in der Hoffnung, dass er den Rucksack mit den Papieren dort reingeschmissen hatte. Doch da war nichts. Was will er mit den Papieren?, " fragte er. Dann fing er an, mir seine Lebensgeschichte hektisch zu erzählen. Er schien auch nicht ganz normal zu sein. Ich sass da, wartete und wusste mich, was mich noch alles erwartete. Dann kam endlich der Polizeivollzugsbeamte S. an die Tür." Sie müssen besser aufpassen nächstes Mal, "sagte der Beamte zu Wiktor. Jetzt fiel mir auf, das der Beamte wieder "Sie" sagte statt "Du"."Ich hatte aufgepasst. Ich wurde einfach bestohlen. Ich dachte es würde nicht passieren", jammerte Wiktor. "Kommen Sie mit. Füllen Sie mal das Dokument aus", sagte Beamte S. Dann führte er den Polen Wiktor auf den Gang und dann zu einem anderen Raum. Ich konnte das durch die Glastür sehen. Dort füllte Wiktor sehr wahrscheinlich das Dokument aus. Strafantrag wurde wahrscheinlich auch gestellt. Wenig später führte der Polizeivollzugsbeamte S. Wiktor wieder in das Wartezimmer. Wiktor verabschiedete sich. "Ich wünsche Dir viel Glück. Ich habe weniger Glück. Meine Papiere sind weg und die muss ich neu besorgen. Mist", sagte er. Dann ging er in die dunkle Nacht hinaus. Dann kündigte S. an, mir auch einen Fragebogen zu geben. "Den müssen Sie gleich nur ausfüllen und einen Strafantrag stellen," sagte er. "O. K", sagte ich. "Name, Anschrift, alles ausfüllen. Und wir suchen den Täter, gucken das Überwachungsvideo an. Warten Sie hier. Ich komme gleich wieder", sagte er. Dann ging er. Und ich wartete.

Dann kam ein Jugendlicher mit einem anderen ungefähr fast zwanzig Jahre älteren Mann von draußen in den Warteraum. Der junge Bursche war ca. 16 Jahre alt, war etwas pummeling und wirkte sehr unterintellektuell, der ältere Mann war ungefähr 35 Jahre alt. Der Jugendliche hatte sich verlaufen. Wusste seine Adresse nicht. Entweder war er immer schon so, hatte vermutlich schwer ADHS oder im Lockdown durchgedreht. Besoffen war er nicht. Und da ich kein Arzt war, masste ich mir kein Urteil an. Sollte die Bundespolizei mit ihm fertigwerden. Wenig später kamen dann die zwei Bundespolizeivollzugbeamten L. und S. in das Wartezimmer. Der junge Mann erzählte alles. "Und Du weisst wirklich nicht Deine Adresse?", sagte der Polizeivollzugsbeamte S. Er nahm alles auf. Sie wissen nicht, wie Sie nach Hause kommen, haben keine Adresse, nichts. Ihre Eltern sollen kommen und Sie nach Hause bringen. Ist das richtig?," fragte er. Jetzt sagte S. bei einem 16jährigen "Sie" , bei dem ca. 40-jährigen Wiktor "Du". Alles umgekehrt. S. war durch Nachtschichten und Corona sehr gestresst. Eben normal bei vielen in der Corona-Krise. Alle verrückt.
"Meine Eltern sollen hier anrufen, mich hier abholen und dann nach Hause bringen", sagte der Jugendliche. Er hieß Peter.
Und Sie wissen nicht, wo die Eltern wohnen?".
"Da war so ein weisses Haus en der Ecke - mehr weiss ich nicht", sagte Peter.
Die Polizeivollzugsbeamten waren genervt. Ich auch etwas.
"Kommen Sie bitte mit. Ein Kollege sucht Deine Eltern und bringt Dich mit dem Streifenwagen dorthin", sagte der Polizeivollzugsbeamte L. zu dem Peter und dem 35 jährigen, unbekannten Mann, dessen Namen ich mie erfuhr und er führte sie über den Flur in ein Zimmer.
Dann kam der Polizeivollzugsbeamte S. zu mir. Endlich. Ich wollte nicht die ganze Nacht dort verbringen.
" Wir haben ihn, glaube ich. Gehen Sie mal an die Glasscheibe. Ist er das? "fragte er. Ich ging zur Glasscheibe, blickte durch die Glascheibe über das dunkle Büro bis zu einem hellerleuchteten Raum. Dort sah ich ihn." Er war es!", sagte ich." Ist er das? ", bohrte S. noch einmal nach. "Ja. Er ist das", sagte ich noch einmal überzeugt. "Es ist ein Tscheche", sagte er. Er bat mich zu warten. Er würde gleich wiederkommen. Dann ging er weg. Ich wartete. Ich machte einige Filmaufnahmen heimlich, um mir die Zeit zu vertreiben. Dann kam wieder. "Sind Sie sicher, dass er das ist? Er sagt, er könne kein Deutsch. Er ist schliesslich ein Tscheche," sagte S.
Ich sagte, dass er Deutsch konnte, da er mich in Deutscher Sprache angesprochen hatte.
"Wie wollte er Sie angreifen? Was hatte er gesagt. Ich muss Sie darauf hinweisen, dass Falschaussagen strafbar sind," warnte mich Polizeivollzugsbeamte S.
"Sie haben sich die Videoaufzeichnungen der Kamera angesehen", sagte ich.
"Das ja. Wir sahen, wie er Sie von hinten auf Sie schlug, das Handy wegschlug und dann auf den Boden fiel. Dann fielen Sie zu Boden. Dann wurde es dunkel. Eine dunkle Ecke, wohin die Kamera nicht alles genau filmen konnte. Deshalb konnten wir nicht alles sehen. Was war noch passiert. Wollte er Sie weiter attackieren? Ich muss Sie noch einmal darauf hinweisen, dass Sie genau die Wahrheit sagen müssen und dass Falschaussagen strafbar sind. Denn er sagte, er könne kein Deutsch", sagte S. Der Beamte nervte mich mit der Fragerei. Ich war vom langen Warten müde, fertig, ich war noch vom Angriff leicht geschockt. Was erwartete er? Wenn ich geschlafen hätte oder am Tag befragt wurde, wäre es besser für mich. Ich zwar zwar froh, dass ich mich auf der Wache befand, sie den Täter endlich gefunden hatten, der dann seine gerechte Strafe bekommen würde (hoffentlich) und ich mich sicherer fühlte. Aber ich konnte einfach nicht mehr. Es war schliesslich spät in der Nacht und ich hatte letzte Nacht schon nicht gut geschlafen.
"Er wollte mich angreifen. Er sprach Deutsch, sagte" gib her." Was wollte er sonst? Daraus schließe ich, dass er mich beklauen wollte", sagte ich.
" Gut. Dann werde ich die Aussage aufnehmen. "
S. ging fort. Ich wartete wieder knapp 10 Minuten. Dann kam er mit einem Schriftstück wieder. Hier. Lesen Sie sich das Schriftstück durch. Und dann unterschreiben Sie", sagte der Polizeivollzugsbeamte S. "Ich komme gleich wieder. Ich werde noch einmal mit diesen Tschechen sprechen." Dann ging S. fort. Ich stand auf und blickte rechts von mir durch das Türfenster in den Flurbereich. Die dunklen Räume waren unheimlich als das Flurlicht ausgemacht wurde. Dann blickte ich durch das Glasfenster vor mir in das Vernehmungszimmer. Dort redete sich der Tscheche vor den Polizeivollzugsbeamten immer noch raus.
Dann kam der Polizeivollzugsbeamte S. wieder.
"Hier. Unterschreiben Sie dieses. Er wollte Sie angreifen. Das Handy rauben. Sachbeschädigung, versuchter Diebstahl. Schliesslich hat er Sie angegriffen."
Sein Tonfall war so rau, dass mir etwas mulmig wurde. Ich wollte weg.
"Ich muss mir das erst mal genau durchlesen. Es soll ja auch alles richtig sein. Er wollte mich angreifen und wollte mein Handy. Ich weiss nicht, was noch passiert wäre. Was weiter hätte passieren können, das ich nicht im Detail genau sagen", sagte ich. Ich wollte eigentlich das anders formulieren. Aber es lag an der späten Befragung in dieser Uhrzeit und an meiner Müdigkeit. S. wurde wütend.
"Nun bin ich aber sauer. Vorhin sagten Sie, dass er Sie angriff, das Handy RAUBEN wollte. "
"War ja auch so passiert. "
"Dann unterschreiben Sie. Wir suchten extra den Täter, suchten mit mehreren Polizeiwagen alles ab, jetzt haben wir ihn und nun zögern sie. Wir wollen nicht die ganze Nacht mit dem Fall verbringen. Vorhin waren Sie noch konkreter. Jetzt nicht. Jetzt haben wir den Täter. Das ist schon eine andere Hausnummer. Also unterschreiben Sie, " sagte S.
"Ja. Ich unterschreibe".
"Es kommt wohl zu einem Prozess. Wenn es zu einem Prozess kommt, müssen Sie nach Köln fahren. Dort können sie dann etwas Urlaub machen."
"Kein Problem. Es muss bestraft werden. Er hatte mich schliesslich geschlagen, mir auch das Handy aus der Hand geschlagen, wollte das Handy rauben."
"Na also", sagte der Polizeivollzugsbeamte S.
Ich unterschrieb. Auch stellte ich einen Strafantrag. Er nahm das Originaformular an sich. Ich bestand auf eine Kopie zur Sicherheit Dann verschwand er und nahm das Originalformular mit. Er wollte das Formular kopieren und noch einmal mit dem Verdächtigen reden. Ich verstand es. Alles kostete Zeit. Aber es änderte nichts daran, dass ich müde war. Aber ich harrte aus. Wartete. Dann kam er wieder zurück. Auch nachdem er den Täter noch einmal befragt hatte.
"Er sagte, er hätte das Handy weggeschlagen, weil er nicht wollte, dass Du ihn filmst," sagte der Polizeivollzugsbeamte.
"Wie bitte? Ich habe ihn nicht gefilmt (was die Überwachungskamera auch festgehalten hatte). Wie konnte ich ihn filmen, wenn er sich von hinten an mich heranschlich und mir von hinten einen Schlag verpasste, mir das Handy wegschlug? Hätte er mir doch sagen sollen, dass das Filmen ihm störte. Wäre kein Problem gewesen. Ich hatte das Handy nur in der Hand, hatte ihn nicht gefilmt. Und wenn ich gefilmt hätte, dann keine Personen ohne Absprache und Erlaubnis. Nur die Umgebung auf öffentlichen Plätzen filmen - dort wo es ok ist - ist generell nicht verboten", sagte ich.
"Hat er zum Beispiel " gib her " gesagt als er Sie angriff? Was sagte er konkret? Auf der Kamera war kein Ton und am Schluss war eine dunkle Ecke wo das Geschehen später nicht zu sehen war. "
"Er sagte" gib her". Und so muss ich annehmen, dass er mir das Handy stehlen wollte. Er griff mich an, wollte mir das Handy wegreissen und mich schlagen. Was sollte es sonst sein? Für mich ist es versuchter Raub."
"Es war Sachbeschädigung und versuchter Raub. Tatbestand ist gegeben. Das ist klar, "sagte S." Ich sah die Aufnahmen und sah, dass er von hinten kam. Und dann zuschlug. Es ist für mich eindeutig."
"Richtig. Wenn ihn angeblich mit Filmen gestört hätte oder ihn gefilmt hätte - was ich nicht tat, hätte er mich ruhig ansprechen können", sagte ich zum wiederholten Male. "Er kam kam plötzlich von hinten und schlug zu...Ich konnte ihn nicht filmen, da er von hinten kam... Und dann verstellt er sich, sagte er kann kein Deutsch, obwohl er Deutsch kann. Als er mich angriff, sprach er deutsch. Das ist sehr komisch. Er lügt," sagte ich.
"Er kommt nicht davon. Wir haben ihn. Sie müssen nur noch einmal nach Köln kommen, wenn es zum Prozess kommt. Alles weitere wird der Staatsanwalt entscheiden," sagte er.
"Ja", sagte ich. Innerlich war ich etwas verärgert, denn ich hatte keine Lust wegen dieser Sache noch einmal extra nach Köln zu kommen, da das Geld kostete und ich hatte wenig Geld.
"Nehmen Sie sich bitte ein Hotel, wenn Sie gehen. Wir haben es nicht so gerne, wenn wir ihn freilassen und er trifft Sie dann später erneut im Hauptbahnhof. Da kann dann viel passieren. Gerade heutzutage im der Coronazeit".
"Keine Sorge. Ich werde schon etwas finden. Ich gehe weg vom Hauptbahnhof", versicherte ich.
"Das sollten Sie. Ich will Sie im Hauptbahnhof nicht mehr sehen. "
Ich dachte nach. Da waren richtige Beweise! Ich ermuntert die Bundespolizeibeamten schon von Anfang an nach dem Täter zu suchen in der Zeit als die Polizeivollzugsbeamten noch pessimistisch waren. Aber wir gaben nicht auf. Und so haben sie den Täter gefunden nach meiner Beschreibung. Meine Schilderung und die Überwachungskamera vor dem Supermarkt im Hauptbahnhof haben ihn überführt. Da hat die Bundespolizei ganze Arbeit geleistet - obwohl einige Polizeivollzugsbeamten etwas nervig waren, weil sie durch Nacht- und Spätdienst und Corona gestresst waren, vermutlich Kollegen ausfielen... oder ich das nur so empfand, weil ich übermüdet war. Der Fall war geklärt und ich war froh. Machen konnte man nur etwas, wenn Beweise da waren und die Beweise waren da. Deshalb konnte man ihm den Prozess machen, der Aussicht auf Erfolg hatte. Vermutlich. Das würde alles der Staatsanwalt regeln am Ende. Ich wusste aber auch, dass diese Vorfälle meistens wegen Geringfügigkeit eingestellt wurden. So sah oft die Realität aus. Der Täter kann sich oft rausreden und kommt meistens wieder frei. Das kannte man ja in Deutschland, sonst wären die Gefängnisse überfüllt. Die Gerichte waren ja jetzt schon überlastet und das erst Recht in Zeiten des Coronavirus. Aber es konnte schon sein, dass ich im Herbst oder Winter nach Köln kommen musste zu einem Gerichtstermin, worauf ich keine Lust hatte.
Ich bekam meinen Personalausweis wieder.
"Das Papier mit den Daten haben wir. Wir werden uns melden. Sie bekommen Post", sagte der Polizeivollzugsbeamte S.
"Da sind bestimmt viele Fälle in der Corona- Zeit. Viele Leute haben ja nicht mehr Geld," sagte ich.
"Ja. Gefährlich, gerade am Kölner Hauptbahnhof. Da gibt es Drogenabhängige, Alkoholiker und viele Kriminelle. Sie müssen aufpassen. Gerade nachts", sagte S. Ich wusste nicht mehr, was er noch sagte. Ich war zu müde. Dann ging er. " Gute Nacht. Passen Sie auf", sagte S. und verliess den Warteraum.
Und so verliess ich den Container der Bundespolizei. Ich ging in die Dunkelheit der Nacht, nahm dann wenig später eine kleine Flasche Weinbrand aus der Tasche (das war noch am Breslauer Platz und ich passierte danach die Goldgasse), öffnete sie und trank eine kleinen Schluck Weinbrand. Und ärgerte mich, dass mein Handy etwas beschädigt war. Aber sie haben den Täter. Das war schon einmal gut. Ich war wütend auf den Täter, nicht verängstigt. Auch weil er so dreist log. Selbst wenn es ihm störte, dass ich gefilmt hätte (was eine Ausrede oder Schutzbehauptung war), so hatte er nicht das Recht mich so zu unverhältnismäßig krass zu attackieren. Es war Raub. Was war es denn sonst? Er wollte bestimmt nicht mit mir Schach spielen. Nein. Er musste dafür büssen. Und ich war innerlich immer noch aufgewühlt, sauer, durch den Angriff innerlich verletzt. Der Schreck, die Angst, die Demütigung. Warum musste ich das erleben?
Wie konnte das passieren? So angegriffen zu werden? Die psychischen Folgen waren immer noch spürbar. Sowas steckte man nicht so leicht weg und nur derjenige, der sowas selbst erlebt hat, kann das verstehen. Für mich war es nicht so einfach. Einen leichten Schock hatte ich auf jeden Fall und ich war emotional aufgewühlt, wenn ich nicht vor Müdigkeit umkippte. Und die ganze Nacht verbrachte ich auf der Wache der Bundespolizei! Das war zuviel. Ein Hotel wollte ich nicht mehr nehmen, denn es war schon 4 Uhr morgens. Ich beruhigte mich und sagte mir, dass es noch Schlimmeres gab und ich noch Glück gehabt hate, dass ich noch so heil davonkam. Es hätte sicher Schlimmeres passieren können und dass die Bundespolizei den Täter gefasst hatte, beruhigte mich. Ich nahm einen Schluck Weinbrand aus der Flasche und lief die dunklen Straßen in der Nähe des Hauptbahnhofs entlang. Es war immer noch dunkel. Ich fotografierte und filmte in den leeren Strassen zwischen den düsteren, im Dunkeln bedrohlich aussehenden Häusern , um mir die Zeit zu vertreiben, weil ich gerne filmte und ich wollte diese Aufnahmen - wenn sie gut sind-in meinem Film "Corona-Tod in der Stille" einbauen oder für andere Filmprojekte verwenden. Ich wollte mich ablenken und auf andere Gedanken kommen. Es war so leer wie im Lockdown im März und April. Ich machte gute Aufnahmen. Dann sah ich vor einer Haustür eines Mietshaus eine Person durch die leere Strasse in der Nähe einer Kreuzung torkeln. Zuerst dachte ich, dass er mich verfolgen würde. Aber ging nur anfangs in meine Richtung, bog aber von mir aus gesehen links an der Kreuzung ab. Dann öffnete sich die Tür eines Mietshauses in seiner Nähe und drei andere Männer, die lachten und angetrunken wirkten, erschienen und folgten dem Mann. Das waren wohl seine Kumpels. Die hatten wohl heimlich an den Abstandsgesetzen vorbei vermutlich in ihrer Wohnung gefeiert. So genau wusste ich es auch nicht. Ich wusste auch nicht, was sie danach taten, wohin sie gingen, denn ich war übermüdet und deshalb achtete ich nicht mehr auf sie und verlor sie aus den Augen. Auch meinte ich an einem Mietshaus stehend Gepöbel vernommen zu haben. War da ein Streit? Vielleicht hatten sie Streit wegen fehlendes Geld in der Coronakrise? Das wusste ich nicht genau. Vielleicht war es auch Einbildung. Ich ging weiter durch die nächtlichen Strassen und dachte nach. Wie soll es bei mir weitergehen ohne regelmaessig Aufträge? Auch die Erbschaft meiner Mutter würde nach ihrem tragischen Tod 1999 schnell verbraten sein, wenn man nicht aufpasste und mein Vater konnte mich nicht ständig retten in der Coronakrise. Diese Probleme lagen mir oft schwer im Magen. Und durch den Spaziergang durch die leeren Straßen und düster wirkenden Häusern in der Nacht, durch das Filmen und Fotografieren, dachte ich immer weniger an meinem Überfall und an die Sachbeschädigung und so verarbeitete ich das Geschehen allmählich. Ich musste ja hart sein. Ich durfte nicht umkippen, ich hatte ja Familie in Hamburg zu ernähren und zu betreuen. Ich musste weitermachen, weitermachen, mein bestes versuchen und dabei auch gesund bleiben. Arbeit war die beste Medizin, die Erlebnisse in einen Sack stecken und weg damit. Oder zu besser zu verarbeiten, indem man die Erbnisse aufschrieb zum Beispiel in Form von Tagebuch oder Geschichten wie ich das machte. Deshalb sind Kunst, Literatur, Musik, Schauspiel, Theater,... aus meiner Sicht und aus der Sicht vieler anderer Künstler auch so systemrelevant - damit die Leute nicht auf dumme Gedanken kommen. Ohne Glaube und Kunst könnte ich die Coronakrise nicht überstehen. Nicht jeder konnte oder wollte das verstehen. Ich ging noch eine Weile spazieren. Ich kam mir verloren vor, wie ein Aussenseiter. Oder bessser: Ich war ein Außenseiter, ein Fremder, fern von meiner Heimat, weit weg von der Normalität, wie es vor der Coronakrise war. Dann erreichte ich erschöpft den Rhein in der Nähe eines Hotels. Auch hier machte ich Filmaufnahmen. Ich wollte dieses Filmmaterial in meinem Film "Corona-Tod in der Stille" einbauen. Ich musste das tun. Um meine Erlebnisse zu verarbeiten. Gegen alle Widerstände, gegen alle Kritiken. Ich war manchmal immer noch emotional, war wütend, kämpfte im Stillen immer mich mit dem Täter, es war als hätte ich den Schlag gerade abbekommen. So eine Art Flasback. Sicher hatte der Alkohol einen leichten Einfluss, denn ich trank etwas zuviel Weinbrand aus meiner Flasche. Ich trank normaler Weise nur wenig bis gar nicht, aber nur damals in dieser Situation mehr, weil ich im Stress war. Ich dachte zurück: Ich wurde am Jungfernstieg Hamburg in der Coronakrise 2020 von einem Bettler bedroht, man wollte mir das Portemonnaie stehlen, hinterher - etwas zeitlich verschoben - fehlten 120 Euro. In Berlin wurde ich in der Coronakrise an der Siegessäule und auf der Straße des 17. Juni verfolgt. Und jetzt hier in Köln. Jetzt sollte Schluss sein. Das nächste Mal würde ich mich wehren und ich wollte in Hamburg einen Selbstverteidigungskurs besuchen, wenn die Coronazeit etwas vorbei wäre. Ich ging am Rhein spazieren, ass Salat und trank etwas. Und trank wieder etwas aus der Weinbrandflasche. Ich verbrachte die restliche Nacht draußen bis es allmählich hell wurde. Ich schrieb Mails an meine Familie, fragte wie es Maria ging. Später filmte ich den Sonnenaufgang. Ich war völlig übermüdet. Indem ich spazieren ging, wurde ich wacher. Was sollte ich unternehmen? Ich ging in der Stadt spazieren. Ich hatte nur noch wenig Akku auf den Handy. Meine Powerbank hatte ich nicht mit und so konnte ich meine Handys nicht aufladen. Ich ging weiter in die Stadt hinein und erreicht die Strasse der Alten Feuerwache. ...Alles war wegen Corona geschlossen. Das Cafe hatte aber auf. Man merkte, dass Corona überall seine Spuren hinterlassen hatte. Ich fand draußen eine Stoffmaske mit interessanten Ornamenten. Ich versteckte die in einer Tüte (indem ich den Salat hatte). Sie war leider dreckiger als ich dachte, wollte sie wegschmeißen. Da sie optisch mir gefiel, wollte ich sie gründlich waschen, desinfizieren und behalten. Dann ging ich den Weg wieder zurück. Es war inzwischen 6 h morgens. Ich ging zurück zum Kölner Hauptbahnhof und ging dort kurz darauf zum Mc Donalds Restaurant. Dort fand ich eine öffentliche Steckdose und lud meine Handys auf. Ich bestellte mir bei Mc Donalds (wo alles abgesperrt war, wo man kein Handy Aufladen konnte, wo man nicht sitzen konnte) ein Wrap und ein Café. Mehr nicht. Ich wollte nicht zu dick werden. Und dann ass ich, während ich in der öffentlichen Steckdose meine Handys auflud. Ich stellte mich davor. Niemand sollte mich sehen, wie ich mein Handy auflud. Es dauerte und dauerte. Es war bestimmt schon 9 h. Dann war ich fertig und ging zur Herrentoilette. Vor der Toilette waren viele Banken und auf jeder Bank sass oder pennte ein Bettler. Ich musste 1 Euro im Automaten bezahlen und konnte in die Toilettenräume mit den Pissbecken und Toiletten reingehen. Eine hübsche, junge Frau arbeitete dort als Reinigungskraft. Ich merkte, dass die Reinigungskraft super gründlich war beim Saubermachen. Alle hatten Angst vor Corona. Als ich mit Pinkeln fertig war, verliess ich die Toilette. Draußen traf ich den Polen Wiktor. "Hallo. Mein Kumpel. Komm. Trinken wir was. Wodka," sagte er. Er legte den Arm um mich als wären wir dicke Freunde. Zwar war ich bei Kontakten vorsichtig. Aber ich versuchte trotzdem nett zu sein. Aber mit vorsichtiger Distanz. Ich kannte diesen Mann nicht und wusste nicht was ich von ihm halten sollte.
"Nein, Danke," sagte ich. Dann bot er mir ein Bier an.
"Komm nimm ein Bier. Hast Du den Täter gefunden?", fragte er.
"Ja", sagte ich. Ich wollte nicht darüber reden. Er lächelte und sah mich mit den vergilbten, etwas verfaulten Zähnen an. Er tat mir leid. Denn Leute wie er waren in der Coronakrise deutlich benachteiligt.
"Die haben den Täter ehrlich gekriegt? Ehrlich?" Er lachte. " Geil. Darauf müssen wir was trinken."
"Tut mir leid. Ich hab noch einiges zu tun. Ich muss weiter."
"Nein, wir trinken was", sagte er.
Er ging zu seinen Kumpels, zu einigen Bettler, die auf den Bänken sassen. Mir war das zuviel. "Er wurde überfallen und die Polizisten haben den Täter bekommen. Ist nicht geil? Mensch, darauf müssen wir trinken", sagte er den fast schlafenden Personen. Er sagte oft dasselbe. Er war wohl betrunken.
"Ich hatte Glück. Und wie ist das mit Deiner Tasche?", fragte ich.
"Ich hab die Tasche noch nicht wieder, mein Freund". Er umarmte mich. Aber ich war distanziert.
"Das ist ja so geil. Die hatten den Täter bekommen. Man soll nie die Hoffnung aufgeben", sagte er.
"Das stimmt. Das ist toll. Da hat die Polizei gute Arbeit geleistet. Aber nur weil ich den Täter ziemlich genau beschrieben hatte und weil die Bundespolizei diesen Mann auf dem Video der Überwachungskamera entdeckt hatte und ihn zufällig gefunden hatte. Da spielte neben professioneller Ermittlungsarbeit auch Glück eine Rolle. Der Fall war geklärt", erklärte ich.
"Das ist gut. Dann trinken wir was."
"Ich würde gerne etwas trinken. Aber ich muss leider gehen. Tut mir leid", sagte ich.
"Schade. Wo musst Du hin?"
"Ich muss arbeiten. Ich wünsche Dir alles Gute. Und hoffentlich findet die Polizei Deine Tasche," sagte ich.
"Alles Gute", sagte er. Dann ging ich und sah ihn nie wieder. Ein bisschen fand ich ihn sympathisch. Aber ich musste nun mal gehen.

Und dann ging ich auf die andere Seite des Ausgangs und fand mich vor den Kölner Dom wieder. Ich wollte gerade den Kölner Dom filmen, als ich von hinten angepöbelt wurde. Es war ein ca. 50-jähriger Bettler. Vielleicht war er 50 Jahre alt. Vielleicht auch Mitte 40, denn oft waren sie vom Leben, vom Alkohol im Gesicht gezeichnet und sahen älter aus als sie waren.
"Solche Touristen habe ich gerne. Machen Fotos und geben nichts. Solche von der widerlichen Sorte. Gib mir mal Geld", sagte er.
"So nicht", sagte ich. Vielleicht wäre es weiser gewesen gar nicht zu antworten, aber sowas ging mir zu weit. Ich musste meiner Empörung Ausdruck verleihen.
"Hau doch ab. Du beschissener Tourist. Verschwinde. Er gibt noch nicht mal Geld. Kommt her und filmt den Dom. Verschwinde", schrie er. Ich wollte ihn einfach nur meiden.
Aber er ging in meine Richtung. Und drohte mir.
"Verschwinden Sie hier", schrie er mich erneut an. Wäre ich nicht schnell weggegangen, hätte er mich angegriffen. Gehörte er zu dem tschechischen Räuber, der mich letzte Nacht überfallen hatte? Ich glaubte es nicht. Das wäre ein verrückter, seltener Zufall gewesen. Aber wer wusste das so genau? Ich hielt das trotzdem für sehr unwahrscheinlich.
"Kommen Sie nicht näher. Sie sollte man verhaften", schrie ich. Doch er ging wieder auf mich zu. Jetzt reichte es mir. Ich ging hinein in den Hauptbahnhof und ging zur Info. Dort sass ein alter Mann mit Schnauz-Bart am Tisch und wirkte irgendwie passiv und eingeschüchtert. "Ich werde bepöbelt und verfolgt von einem Bettler. Tun Sie was. Rufen Sie die Polizei, " sagte ich. Ich erzählte ihm die ganze Geschichte. "Ja, ja, ja... Ich rufe sofort die Polizei", versprach er. Er wirkte etwas ängstlich und verweichlicht und rief die Polizei. Dann ging ich wieder in Richtung Ausgang, um das Geschehen abzuwarten und zu beobachten. Doch es passierte rein gar nichts und die Polizei kam einfach nicht. Die hatten genug andere Einsätze in der Coronakrise oder der alte Mann an der Info schien den Polizeibeamten die Vorfälle nicht überzeugend genug dargelegt zu haben und schien nicht auf die Dringlichkeit nach mehr Polizsipräsenz am Dom hingewiesen zu haben. Oder er tat nichts. Ich wartete noch eine Weile. Als die Polizei immer noch nicht auftauchte, ging ich. Mir war es dann nach einige Zeit egal und und ich verliess den Hauptbahnhof. Aber der obdachlose Mann pöbelte mich gleich wieder an, als er mich sah. Und so musste ich wieder besser verschwinden. Das tat ich auch. Ich ging einfach weg. Und das bestärkte mich in dem Entschluss, nicht ein paar Tage länger im Köln zu bleiben, sondern noch "heute, am 17.6." abzureisen. Ich spazierte noch eine Weile durch die Straßen und machte sich einige Fotos. Ich filmte auch einige Strassen und den Dom von der anderen Seite.
Dann beschloss ich zum Rhein zu gehen. Ich ging auf die andere Seite des Hauptbahnhofs, ging vorbei an der Bundespolizei bis zum Rhein. Dort wollte ich ein Ticket kaufen für eine Schiffahrt. Ich kam zu einem kleinen Holzhaus, in dem die Tickets verkauft wurden. Dort arbeitete eine Ticketvekäuferin. Sie machte gerade sauber. "Warten Sie. Ich bin noch nicht soweit. Kommen sie um 11 Uhr wieder", sagte die Ticketverkäuferin zu mir. "Um 12 Uhr beginnt die Fahrt." "Gut", sagte ich. Ich ging spazieren bis es 11 Uhr war und dann kaufte ich dort ein Ticket für 12 Euro und wartete. Ich zeichnete und schrieb Tagebuch. Ging spazieren. War immer noch müde. Dann war es 12 Uhr und die Schiffahrt ging los und die ersten wenigen Gäste stiegen mit Abstand und Maske ein. Auch ich stieg mit Abstand und Maske ein. "Ich wünsche Ihnen alles Gute, bitte Abstand halten und nur mit Maske", sagte der Kellner auf dem Schiff.
"Ja, danke ", sagte ich. Ich ging auf das Schiff. Ich setzte mich draußen hin. Ich schrieb Filmemacher Andreas Barthel per Mail an. Dass alles "gestern gut gelaufen war mit der Premiere." "Schön, dass Du dabei warst, " schrieb er mir per Mail. Ich schrieb ihm eine Mail und schlug ihm vor, seinen Film "When we Stayed at Home" bei anderen Datenbanken anzumelden, mehr Werbung zu machen... Doch er schrieb an diesem Tag nicht mehr zurück - er schrieb einen Tag später zurück.... Dann genoss ich die Schiffahrt und sah vom Schiff aus allerhalb Sehenswürdigkeiten. Per Kopfhörer gab es Erklärungen dazu. Ich las auch Nachrichten im Handy. Schrieb Geschichten, Tagebuch, zeichnete zeitweise. Und liess mir den Wind in das Gesicht wehen. Dann endete die Schiffahrt und ich stieg aus. Ich setzte mich noch zeitweise auf eine Bank am Rhein und zeichnete. Dann stieg die Müdigkeit in mir hoch und ich beschloss nicht länger in Köln zu bleiben, sondern nach Hamburg abzureisen. Und so ging ich zum Bahnhof zum Reisebüro. Dort bekam ich noch ein Zug-Ticket für "heute, den 17. 6. 2020" nach Hamburg für 50 Euro. Und ich hatte noch 1,5 Stunden Zeit! Was für ein Glück, denn obwohl mir Köln gefiel, wollte ich schnell nach Hamburg zurückfahren. Und da ich noch 1,5 Stunden Zeit hatte, ging ich wieder zum Rhein. Ging dort spazieren. In meiner Nähe saßen zwei arm aussehende Männer auf der Bank. Der eine Mann, der sehr angetrunken war, beklagte sich und sprach mit lauter Stimme, so dass ich alles hören konnte. "Ich muss in der Coronakrise nur von 1000 Euro oder weniger leben und alles bezahlen. Das schaffe ich nicht," schrie der eine Mann (der fast wie ein Bettler wirkte) zu dem anderen Mann, dem er sein ganzes Leid erzählte. "Das ist schlimm", sagte der andere Mann, der auch sehr depressiv wirkte. Dann redeten sie weiter. Was sie sagten, verstand ich nicht mehr. Ich merkte nur, dass ihre negative, depressive Stimmung sich auf meine Stimmung übertrug und ging besser weiter. Ich hatte mit meinen eigenen Problemen genug zu tun und konnte auch das Thema Corona nicht mehr hören. Das lag auch an meinem Schlafmangel...Dann ging ich zur Altstadt. Ich fotografierte noch viel. Machte einige Filmaufnahmen und versuchte an etwas Positives zu denken. Dann fand ich ein Restaurant. Auf der grossen Speisekarte stand "grosse Schweinshaxe mit Sauerkraut und Kartoffelpüree für 20 Euro". Da ich Hunger hatte und sowieso etwas essen musste und das zu meiner positiven Stimmung beitrug, wollte ich mir diesen Luxus (ich hatte nicht viel Geld bei mir, aber ca. 40 Euro schon) leisten. Ich bestellte bei dem Wirt diese Schweinshaxe Mit Katroffelpürree und Sauerkraut. Da mein Zug bald fuhr, hatte ich nicht viel Zeit. Ich machte dem Wirt darauf aufmerksam und legte ihm nahe sich mit der Zubereitung zu beeilen. Und alles sollte eigepackt zum Mitnehmen sein. Dann gab ich dem Wirt die 20 Euro und er verschwand daraufhin in der Küche. Mir tat es leid den Wirt zu drängen sich zu beeilen, aber ich war übemüdet, hatte Hunger, der Zug kam gleich und ich war daher etwas ungeduldig. Ich wollte nicht mit leeren Magen eine weite Strecke mit dem Zug von Köln nach Hamburg fahren. Aber ich beherrschte mich, übte mich in Geduld. Und so wartete ich. Dann kam er nach 5 Minuten mit dem Essen (Schweinshaxe mit Kartoffelpüree und Sauerkraut) wieder, dass er in eine Tüte eingepackt hatte. "So. Zum Mitnehmen. Alles fertig. Lassen Sie sich das schmecken", sagte der Wirt.
"Sehr gut. Das Essen sieht lecker aus. Sehr lecker. Ich muss mich etwas beeilen. Meine Bahn kommt. Tschüss", sagte ich und ief mit meinem Rucksack und dem in der Tüte eingepackten Essen davon. Dann kam ich auf dem Bahnsteig an. Der Zug nach Hamburg war noch nicht da und ich wartete etwas. Ich hatte Hunger, wollte unbedingt essen, doch mir fehlte Besteck. Der Wirt hatte vergessen das Plastikbesteck in die Tüte zu legen. Entweder hatte ich den Wirt zu sehr gedrängt oder er war auch wegen Corona gestresst. und dadurch etwas "durch den Wind" und vergesslich. Ich konnte nicht warten und so griff ich einige lose Schweinefleischstücke von der Haxe mit den Fingern und ass sie auf. Dann kam endlich der Zug. Ich nahm meine Sachen, auch den Rest vom Essen mit und stieg ein. Dann fuhr der Zug los und ich ass dann im Zug mit Hilfe von Taschentüchern, die ich zu einer Art Ersatz-Gabel geformt hatte den Rest von der leckeren Schweinshaxe mit dem leckeren Püree und dem Sauerkraut. Und meine Gedanken wurden positiver....









Datum

Juni 2020

Räumlicher Geltungsbereich

Köln Hauptbahnhof

Rechte

CC BY-SA 4.0

Urheber

Berthold von Kamptz

Rechteinhaber

Ja