Als Corona und der Satan mir meine Familie raubten....

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Titel
Als Corona und der Satan mir meine Familie raubten....
Beschreibung

ALS CORONA UND DER SATAN MIR MEINE FAMILIE RAUBTE...
(Alternativtitel: Wenn die Sanduhr schneller tickt...)
Von Berthold von Kamptz


Auf der Anklagebank sass Gustav Wehrmann, 48 Jahre alt, geschieden. Hatte drei Kinder, ist Fotograf.
Der Richter und die Geschworenen trugen schwarze Garderobe und setzten sich auf ihre Plätze. Da waren seine Ankläger - seine Familienmitglieder, auf die hier später eingegangen wird. Und das Publikum, das in ihm nur eins sah: Keinen Menschen mehr - nur den Schuldigen. Er hatte sich bei diesem Prozess - ohne Anwalt - versucht sich selbst vor diesem mysteriösen Gericht zu verteidigen-allerdings erfolglos- was später genauer erörtert wird.
Die Stimme des Richters (des Urteilverkündigers) donnerte unheilvoll durch den Raum, als er sein Urteil sprach und Gustavs angebliche Tatbestände ("Coronasünden", wie Gustav sie nannte) ans Licht kamen. "Vorsätzlicher Mord an seinem Sohn Martin, indem er ihn am 11.11.2021 von der Autobahnbrücke (an der Autobahn C 13, ...) gestossen hatte. "Verurteilt zum Tode", so lautete das Urteil.
Gustav war schockiert, als er das Urteil hörte. Das Urteil, das endgültig seinen Untergang, sein Schicksal besiegeln sollte. Und das würde den Tod bedeuten: Tod durch die Giftspritze.

Warum es so kam, erzähle ich (Franz F.), der mit der Familie Wehrmann befreudet war, der den Fall genau kennt und alles aufgeschrieben hatte, später...Auch was so in der Coronakrise ab Mitte März 2020 passiert war.

Zuerst war Gustav, der das Urteil erfahren hatte, geschockt.
"Das kann nicht sein", sagte er. Doch das war so.
Er war einerseits froh, dass - Angesichts des Todes und des Urteils- das ihm absurd vorkam- seine gesamte Familie abwesend war. Seine "Liebsten", die er immer noch liebte (trotz alldem, was sie ihn angetan hatten oder er ihnen - je nachdem man es betrachten konnte-denn der Ablauf der angeblichen Taten, Anschuldigungen waren für ihn immer noch absurd, sonderbar oder an den Haaren herbeigezogen oder Lügen, die seine Familie sich ausgedacht hatten - aber er war ja hier im Gerichtssaal und das nicht ohne Grund - also muss es schon Schwerwiegendes sein). Eine Familie, die nun kaputt war. Sie alle waren nun hier, um gegen ihn auszusagen. Und das dämpfte seine Freude, sie zu sehen. Nach der Urteilsverkündigung packten mehrere Polizisten ihn. Legten ihm Handschellen an. (War das so üblich, fragte er sich? Wieso habe ich keinen fairen Prozess? Wieso habe ich mir keinen Anwalt genommen?, fragte er sich. Sie können doch nicht einfach...seine Gedanken rissen ab.) "Ich bin unschuldig!", schrie Gustav durch den Gerichtssaal. Doch niemand hörte ihm zu. Es war, als würde er gegen eine Wand reden. Da war eine völlig wirre Welt, in die er reingeraten war. Völlig unwirklich. Und niemand schien mit ihm Mitleid zu haben. Dreimal konnte er noch im Gerichtssaal "ich bin unschuldig" schreien - ohne dass jemand Notiz davon nahm. Dann führten ihn ab. Raus aus dem Gerichtssaal. Dann wurde er aus dem Gerichtsgebäude nach draussen gezerrt und in einen grauen Transporter, der vor dem Gerichtsgebäude stand, geschubst. Zwei Männer bewachten Gustav im engen Raum, hielten ihn fest. Dann ging die Fahrt zum Gefängnis los. Nach etwa einer halben Stunde quälender Fahrt kamen sie an. Gustav erblickte aus dem Fenster des Transporters den Gefängnisgebäude. Da war ein riesiger trostloser Klotz von einem Gefängnis, das ihn an "Atracaz" o.ä. erinnerte, dazu gab es ein Hof, das nur ein trostloser mit Stacheldraht umzäunter Platz vor dem Gefängnisgebäude war, in dem einige trostlos und blutrünstig dreinblickenden Gestalten unherliefen, die vermutlich-solange er noch am Leben war - vermutlich seine Gefängnis- Kollegen werden könnten. So vermutete er. Nirgendwo gab es in der Nähe des Gefängnisgebäudes einen Baum...Alles war grau und trostlos und seine Depressionen und seine Todessehnsucht und gleichzeitig Furcht vor dem Tod, dem eigenen Untergang nahmen immer mehr zu.

Gustav wurde von einem Gefängniswärter und drei Männern in das trostlose, graue Gefängnis-Gebäude gebracht, dann gingen sie mit ihm eine Treppe runter, danach gingen sie einen schwach beleuchteten Gang entlang, der zu einem grossen Kellerraum führte, in dem mehrere kleine Gefängniszellen waren. Gustav nahm das alles wie durch einen Nebel war. Es war völlig unwirklich. Kurz darauf erreichten sie den grossen Kellerraum, in denen sich mindestens zehn Gefängniszellen befanden. Die meisten Gefängniszellen schienen auf flüchtigem Blick leer zu sein. Dann gingen sie zu einer Gefängniszelle, die sich ganz links im Raum befand. Der Gefängniswärter schloss die Tür auf und dann führten sie Gustav in die vergittere Gefängniszelle und schlossen die Tür ab. Gustav blickte sich dort nervös um. Seine Gefängniszelle war nur etwa sechs Quadratmeter gross, im der sich nur einen Schrank befand, ein lausiges Bett, einen kleinen Schreibtisch und einen kleinen Stuhl, einige Bücher, einen kleinen Tisch, einen kleinen Stuhl - sonst nichts. Er setzte sich auf den Stuhl.
"Ich will eine fähige Verteidigung Einen Anwalt", sagte Gustav zu den Männern, die ihn in die Zelle geführt hatten.
"Jetzt bist Du erst mal hier. Mehr können wir nicht machen", sagte der Gefängniswärter.
"Ich möchte sofort einen Anwalt. Das Urteil ist nicht gerecht!", schrie Gustav.
"Wenden Sie sich an den Gefändnisdirektor. Der kommt morgen."
Gustav setzte sich auf den Stuhl und fing an zu weinen. Kurze Zeit später stand er auf, rannte zu Tür, die aber vom Gefängniswärter mit dem hager, totenkopfähnlichem Gesicht abgeschlossen war. Gustav rüttelte gegen die Gefängnisstäbe.
"Lasst mich raus. Lasst mich raus. Ich bin unschuldig", schrie er. Es war ein Flehen, das nicht erhört wurde. Er blickte in den schwach erleuchteten Flur. Da war niemand, der ihn hörte. Denn der Gefängniswärter mit dem hageren Gesicht war auf einmal weg. Und auch die drei anderen Männer. Gustav wartete etwa zwei Stunden. Er schrie und weinte.

Dann kam endlich jemand. Als er genauer hinsah, wusste er: Es war wieder der Gefängniswärter. Ein Gefühl der Hoffnung flackerte kurz in ihm auf. Und erlosch aber nach dem folgenden deprimierenden Gespräch.
"Ist das wirklich ein Todesurteil, das mich erwartet? Oder war ich vielleicht im Gerichtssaal angetrunken und ich hab mir alles eingebildet?", fragte Gustav. "Denn ich hatte vorhin noch einen Whisky-Bourbon, den ich in der Tasche gehabt hatte, getrunken."
"Du wirst verurteilt. Und Du weisst, was Dich erwartet", sagte der Gefängniswärter.
"Ich fechte das Urteil an. Ich möchte eine Berufung. Einen fairen Prozess", klagte Gustav.
"Das geht wahrscheinlich nicht mehr. Wenn der Richter und die Geschworenen sich einig sind, gilt das Urteil. Nur im seltesten Fällen geht es bei uns in die Berufung", antwortete der Gefängniswärter.
"Es sind nicht alle Beweise bewertet worden. Und...weshalb klagt man mich genau an? Ich verstehe das nicht", sagte Gustav. "Den Tod von meinem Sohn Martin hab ich weder herbeigesehnt noch verursacht", erklärte Gustav.
"Ja."
"Nein....'Du' sagte ich....ich sag statt Sie 'Du'", sagte Gustav.
"'Wenn Du 'Du' zu mir sagst, ist das okay. Ich mach hier bei Dir eine Ausnahme", sagte der Gefängniswärter. "Ich bin übrigens Herr Jochen Trede.
Gustav war es in diesem Moment egal, wie er hiess.
"Also nochmal...ich bin zu Unrecht verurteilt worden", sagte Gustav.
"Dein Sohn Martin stand an der Autobahnbrücke. Und Du hast ihn runtergestossen. Nachdem einem Streit. Weil er in der Schule nicht die gewünschte Leistung gebracht hatte. So habe ich das gehört", sagte Herr Trede.
"Er war mein ein und alles...mein ein und alles, verstehst Du?", versuchte Gustav zu erklären.
"Das Verhältnis war gespannt. Du hattest ihn auch verlassen."
"Nein....er hatte Drogen genommen. Er ging nachts im Dunkeln zur Autobahnbrücke und kaufte dort von einem Typen Drogen. Das konnte ich nicht zulassen...da kam es zu einer Auseinandersetzung..."
"Und Du hast ihn dann runtergestossen?", fragte der Gefängniswärter Trede.
"Nein...so war es nicht", antwortete Gustav.
"Das sieht der Richter so nicht."
Gustav schwieg eine Weile. Dann sagte er": Ich hatte zwei Herzinfarkte gehabt. Zählt das nicht? Ich verlor die Kontrolle. Da habe ich Fehler gemacht. Es ist im Kampf passiert. Weil ich ihm die Drogen, die ihn hätte töten können, wegnehnen wollte."
"Da hättest Du ja im Gericht genauer vorbringen können", sagte der Gefängniswärter Trede.
"Ich war verängstigt. Ich wurde in die Ecke gedrängt...wie ein wildes Tier...ich hatte plötzlich...nicht mehr die richtigen Worte im Mund gehabt", stammelte Gustav.
"Ja. richtig. Tut mit leid. Dumm gelaufen."
"Ich möchte einen Anwalt. Denn ich habe bisher keinen. Ich möchte in Berufung gehen. Ich fechte das Urteil an. Das Urteil ist völlig ungerechtfertigt."
"Das müssen die Geschworenen entscheiden", antwortete Trede ruhig.
"Was ist das für ein komisches Gericht. Bin ich im Mittelalter?", fragte Gustav.
Daraufhin sagte Herr Trede seltsamer Weise nichts.
"Ich werde das Urteil nicht akzeptieren und auch nicht meine Taten bereuen. Ich werde in den Hungerstreik gehen - wenn nicht Gerechtigkeit passiert und wenn ich nicht endlich einen fähigen Anwalt kriege", sagte Gustav.
"Ja. Ich werde.... mit dem Gefängnisdirektor sprechen. Der wird Dich bald besuchen", entgegnete Trede.
"Wann gibt es Essen? Ich habe Hunger", sagte Gustav.
"Heute Abend. Ein paar Brote mit Käse. Tee. Etwas zu trinken."
Dann ging er wieder fort. Gustav wartete eine ganze Weile. Glatte drei Stunden. Dann kam der Gefängniswärter Trede vorbei mit einem Tablett mit Essen und etwas zu Trinken: Ein Orangensaft, drei Brote, Käse, Wurst, etwas Marmelade. Der Trede schloss eine kleines Fenster an seiner Zellentür auf. Dann schob der Mann das Tablett mit dem Essen und den O-Saft durch das Fenster. Gierig griff Gustav sich das Tabett mit dem Essen und dem Getränk.
Dann schloss Trede das Zellenfester.
"Wenn Du wilst, kann ich noch einen Tee bringen."
"Nein Danke. Ist schon okay", antwortete Gustav.
"Guten Appetit", sagte der Gefängniswärter.ä Trede.
"Danke."
"Bitte."
"Das alles muss ein Irrtum sein. Ich bin unschuldig", sagte Gustav schon wieder.
"Das sagt hier jeder, der hier reinkommt."
"Es muss noch eine Chance für mich geben. Eine klitze-kleine Chance", sagte Gustav.
"Nein. Jetzt bleibst Du hier bis zur Urteilsvollstteckung."
Dann setzte sich Gustav mit dem Essen an den Tisch.
"Ich bin unschuldig. Ich will einen Anwalt", schrie er schon wieder.
"Tut mit leid. Ich kann da nichts machen. Du kannst mit dem Gefängnsdirektor sprechen. Das wird aber nicht viel bringen."
"Ich möchte mich wenigstens mit irgendwas beschäftigen. Ich möchte Bücher lesen. Schreiben. Denn ich bin schriftstellerisch tätig seit einiger Zeit. Ich brauche daher einen Block, einen Stift, einige Bücher", machte Gustav ihm klar.
"Ich kann Dir oben ein Block besorgen und einige Bücher. Jemand will Dir später auch was vorbeibringen - so habe ich gehört", entgegnete Trede.
"Ja, bis dann."
"Das werde ich tun."
Der Gefängniswärter Trede ging wieder weg. Gustav sass eine Weile da in seiner Zelle auf dem Stuhl. Dann stand er nach einer Weile auf und blickte in den Gefängnisflur. Da war niemand. Gustav fing bitter an zu weinen an.
Dann kam der Wärter wieder. Er hatte eine weisse Plastiktüte in de rechten Hand. Er schloss die Tür der Zellenfensters auf. Dann reichte er ihm durch das Zellenfenster die Tüte mit dem Stift, dem Notiz-Block und den Büchern. Die Gustav dann nahm. Er bedankte sich dafür. Dann schloss der Gefängniswärter Trede wieder das Fenster. Er beobachtete Gustav kritisch. Dann setzte Herr Trede sich auf einen Stuhl an einen Tisch, der sich vor der Gefängniszelle befand. Auf dem Tisch befand sich allerlei Schreibkram. Gustav fing in seiner Zelle wieder an zu reden.
"Wann ist das Spiel vorbei? Wann geht das in die Berufung? Ich möchte endlich einen Anwalt haben", sagte er.
"Weisst Du nicht, was ich gesagt habe? Dass die Chancen in solch einen Fall schlecht stehen?", fragte der Gefängniswärter.
"Man muss das Beste aber versuchen. Wenigstens versuchen", sagte Gustav.
"Ich werde mein Bestes tun. Was soll ich denn noch sagen?"
"Ok. Ich werde mich wohl gedulden müssen.."
"Ja. Und dann gibt es Neuigkeiten. Sie kriegen einen Zellennachbarn."
"Wann?"
"Der kommt morgen", sagte der Gefängniswärter Herr Trede.
Gustav wechselte wieder das Thema.
"Sagen sie...habe ich Aussicht auf Begnadigung? Haben Sie einmal miterlebt, was Leute wie ich, die auf den Tod warten, in den letzten Tagen, Stunden und Minuten so durchmachen? Haben Sie gesehen, wie meine Hände zittern? Ich habe Angst. Verstehen Sie?", fragte Gustav.
"Ich kann Sie verstehen. Das ist menschlich. Aber...Ihre Situation ist ziemlich aussichtslos. Machen Sie sich nicht all zu grosse Hoffnungen", antwortete der Gefängniswärter Trede mit ruhiger Stimme.
"Wieviel Fälle wie ich wurden schon begnadigt?", frage Gustav.
"Wieviel? Von hundert nur drei."
Gustav dachte plötzlich an seinen Onkel Richard, der vor einigen Wochen an Krebs gestorben war und von dem er erst kürzlich sein Haus geerbt hatte. Da waren auch nur drei von hundert Prozent Chancen. Er würde nur einige Tage oder Wochen hier leben. Dann wäre er tot und auf dem Friedhof landen. Trotzdem - so war seine Ansicht- sollte man kämpfen. Und auch wenn es nur drei Prozent Chancen wären!
"Aber es gibt diejenigen, die Glück haben. Es gibt diese Chancen. Auch wenn es nur drei Prozent Chancen wären. Und ich habe Recht auf einen Anwalt", sagte Gustav.
"Ich habe Ihnen gesagt: Machen Sie sich keine grossen Illusionen. Das ist ziemlich hoffnungslos."
Gustav holte den Notizblock und den Stift aus der Tüte, die der Gefängniswärter Trede ihm gegeben hatte, setzte sich auf seinen Stuhl an seinen kleinen Schreibtisch und schrieb - innerlich völlig von Angst und Zerrissenheit erfüllt - eine Weile in Kladde nur einige Notizen auf: Das, was er hier erlebt hatte und das, was in sämtlichen Gesprächen gesagt wurde. Und einige Argumente zu seiner Verteidigung. Nach einer Weile wurde er müde, schaltete das Licht der Nachttischlampe aus und legte sich auf sein Bett. Er versuchte zu schlafen. Doch er bekam kein Auge zu. Er musste immer wieder an seine bevorstehende Hinrichtung denken. Und dachte daran, dass jede Minute, die verstrich, seinem Ende näher brachte.
Und was für eine Furcht er hatte! Würde er leiden, wenn es soweit wäre? Würde es schnell gehen? Langsam? Und dann nach der Exekution würde er für immer von der Bildfläche - von der Welt - verschwinden. Das war für ihn alles so absurd! Und wenn sie ihm die Gift-Injektion verabreichen würden, würde seine gesamte Familie, von der er sich entfremdet hatte, das Gefängnispersonal u.a. dabei sein. Was für ein schändlichen Tod aufgrund eines ungerechten Urteils würde er erleiden! Und so schlimm ihn der Tod seines Sohnes Martin traf, so führte er sich immer wieder vor Augen: Er hatte ihn nicht umgebracht! Es war ein Unfall.
Gustav lag eine Weile wach auf seinen Bett und dachte nach. Er blieb einige Stunden wach. Dann - am frühen Morgen - hörte er Schritte. Er blickte von seinen Bett aus zu seiner Gefängnistür. Dort sah er durch die Gitterstäbe, wie drei Männer einen Mann gepackt hatten und ihn zur Nachbar-Gefängniszelle nehen ihn links brachten. Einer der Männer war der Gefängniswärter Herr Trede. Er schritt hinter ihnen her mit den Schlüsseln für die Gefängniszellen und Gefängniszellenfenstern in der Hand. Nachdem der Gefängniswärter Trede die Zellentür der Nachbarzelle aufgeschlossen hatte, brachten die drei Männer den Mann in die Gefängniszelle. Dann schlossen einer von ihnen die Tür und der Trede schloss wieder die Tür ab.
"Ich bin unschuldig", schrie auch der Zellennachbar. "Ich komme aber schon bald frei. Wartete es ab."
"Das wollen wir mal sehen. Moment bist Du hier bis zur Vollstreckung", sagte einer der Männer zu ihm.
"Machen Sie sich bereit. Essen kommt um 9 h", sagte der Gefängniswärter Trede zu ihm und Gustav.
Dann gingen die Männer fort. Zuerst herrsche Stille. Gustav lag immer noch im Bett und traute sich nicht den Mann - seinen neuen Zellennachbarn - neben ihn in der Nachbar-Zelle anzusprechen. Und auch der neue Zellennachbar schien nicht gerade gesprächig zu sein. Es verstrich ungefähr eine Stunde und Gustav, der versuchte immer wieder zu schlafen, konnte immer noch kein Auge zubekommen. Er verlor nach einer Weile die Geduld, stand auf, schaltete die Nachttischlampe an, damit er trotz des schwachen Morgenlichts, dass durch das kleine Zellenfenster (das eine nicht sehr gute Sicht auf den trostlosen Hof ermöglichte) in seine Zelle fiel, besser sehen konnte, setzte sich dann an den kleinen Tisch und begann zu schreiben. Einige Gedanken und Argumente, die für seine Verteidigung wichtig sein könnten. Er schrieb ungefähr eine halbe Stunde, als sein Zellennachbar ihn anprach.
"He....wie lange bist Du schon hier drin?", fragte er Gustav.
"Ich? Ich bin gestern hierher gekommen", antwortete Gustav.
"Ja. Und ich jetzt gerade", sagte der Zellennachbar.
"Mal sehen wie das hier wird...", antwortete Gustav.
"Und was haben Sie getan, warum Sie hier sind?", fragte der Zellennachbar.
"Mord. Und angebliche andere Sachen... Aber ....das stimmt nicht....da ist ein Fehler passiert", antwortete Gustav.
Der Zellennachbar lachte.
"Das sagen alle", sagte er.
"Und was hast Du gemacht?", fragte Gustav.
"Ich hab angeblich meine Frau erschlagen. Mit einem Kerzenständer im Wohnzimmer...Sie war auf der Stelle tot. Aber...ich war das nicht", erzählte er.
"Wirklich?", fragte Gustav.
"Ich war es nicht. Ein anderer hat sie umgebracht und hängt mir die Tat an. Und das will ich beweisen. Und das nur, weil ich meine Frau im Wohnzimmer zuerst tot auf dem Boden gefunden hatte und versehentlich die Tatwaffe angefasst hatte...und nun bin ich hier. Aber ich bin unschuldig!", sagte er beharrlich.
"Das ist schlimm. Dann sitzen wir beide hier unschuldig", meinte Gustav schnell. Obwohl er glaubte, dass der Zellennachbar mehr Schuld hatte, als er in diesem Moment zugab. Denn so mal eben seine Frau zu erschlagen und dann zu behaupten, ein anderer hätte die Tat verübt und er sei unschuldig, klang in seinen Ohren wie eine Ausrede. Vermutlich wollte er seine Schuld nicht zugeben. Oder es war doch anders? Und wie wurde das untersucht? Das alles wusste nur der Zellennachbar und diejenigen, die mit dem Fall zu tun hatten.
Tatsache war, dass es untersucht worden war und man zum Ergebnis gekommen war, dass er schuldig war. Und deshalb war er nun hier und wartete auf sein Ende.
Da Gustav selbst in einer schwierigen, gar aussichtslosen Situation steckte, war es ihm auch egal.
"Ja. Genau", antwortete der Zellennachbar auf Gustavs Behauptung, dass sie unschuldig seien.
"Und uns erwartet die Todesstrafe!", fragte Gustav.
"Ja. Giftspritze", sagte der Zellennachbar. "In solchen Situationen ja."
"Und hast Du Angst...?", fragte Gustav.
"Natürlich. So hart ist keiner, dass er das so hinnimmt...aber man muss ja da durch... Ich bin hart...Ich habe noch ein Trumpf im Ärmel", meinte der Zellennachbar.
"Tatsache?", meinte Gustav.
"Ich hab einen cleveren Anwalt. Der hilft mir, dass ich hier rauskomme. Der holt mich hier schon bald raus. Das Urteil wird angefochten. Es gibt dann Berufung und dann komme ich frei", erklärte er.
"Wirklich?"
"Ja. Es wird später herauskommen, dass ich sie nicht umgebracht werde, sondern ein anderer... Mein Anwalt hatte mich auch angerufen und mir mitgeteilt, dass inzwischen neue Beweise aufgetaucht sind, die mich entlasten werden. Die müssen nur noch alle auf den Tisch."
"Das klingt gut", antwortete Gustav.
"Und Du?", fragte der Zellennachbar.
"Ich hab keinen Anwalt....das ist die grosse Scheisse."
"Da steckst Du wirklich in der Klemme."
"Ja. Ich muss mir was einfallen lassen.", sagte Gustav.
"Dann überleg nicht zu lange. Denn das könnte das Todesurteil bedeuten."
Dann schwiegen sie. Und Gustav schrieb weiter. Dann kam ein Mann mit einem Rollwagen. Der "Essenverteiler", wie Gustav ihn später nannte. Dort auf dem Rollwagen standen zwei Tabletts mit Essen (Käsebrote, ein Ei auf jeden Teller, zwei Scheiben Wurst) und Trinken. Der "Essenverteiler" holte ein Tablett von dem Rollwagen, ging zu Gustavs Zelle, schloss das Zellenfenstertür auf und reichte Gustav durch das Fenster das Tablett mit dem Essen und Trinken. (Es passte gerade so durch.)
Dann schloss er wieder das Zellenfester. Dann ging er zur benachbarten Gefängniszelle, schloss das Zellenfenster dort auf und reichte dem Zellennachbar das Tablett mit dem Essen und Trinken durch das Zellentür-Fenster. Und der Zellennachbar nahm es entgegen.
Gustav und der Zellennachbar bedankten sich.
"Ich hätte gerne nächstes mal mehr Wurst", sagte der Zellennachbar.
"Das gibt es ausnahmsweise nächstes Mal", sagte der Mann mit dem Essenswagen zu ihm.
"Und ich hoffe, wir kommen raus. Ein Anwalt wird mich morgen besuchen", meinte der Zellennachbar zu ihm.
"Das verstehe ich. Der Gefängnisdirektor kommt gleich mit einem Arzt", meinte der Mann mit dem Essenswagen.
Dann ging er davon.
"Verdammte Scheisse. Jetzt sitzen wir hier", meinte der Zellennachbar.
"Schwierige Situation", meinte Gustav. Er merkte, wie seine Hände zittern.
"Wie heißt Du eigentlich?", fragte der Zellennachbar.
"Gustav."
"Schöner Name. Ich bin Heiner "
"Angenehm", sagte Gustav.
"Mich hatte man erst für 2 Wochen in eine andere Zelle gesteckt- wo ich auch mit anderen Häftlingen zu tun hatte. Und dann - nachdem mein Todesurteil feststand, wurde ich nun hierher verlegt. Mein Anwalt versucht mich hier rauszuholen", erzählte Heiner.
"Ich verstehe", antwortete Gustav. "Was macht Du beruflich?", fragte Heiner.
"Ich bin Fotograf. Und zum Teil Schriftsteller", antwortete Gustav.
"Das ist interessant....und was schreibst Du so?"
"Nur meine Memoiren. Tagebücher. Was mich so beschäftigt."
"Da gibt es hier viel zu schreiben. Was Du hier erlebst zum Beispiel", meinte Heiner.
"Ja", erwiderte Gustav.
"Wir haben ja nicht viel Zeit. Zumindest Du nicht."
"Wir beide nicht."
"Wer weiss", sagte der Zellennachbar Heiner. Er wirkte geheimnisvoll.
"Was ist Dein Beruf?", fragte Gustav.
"Klempner", antwortete Heiner knapp.
"Da verdient man sicherlich gut "
"Ja. Aber wenn man in der Zelle sitzt...nützt das einem auch nichts."
"Das stimmt "
"Aber ich werde nicht lange hier sein...", sagte Heiner.
"Ach ja?", fragte Gustav neugierig.
"Ja. Du wirst es sehen...", sagte Heiner.
"Abwarten."
Dann setzte sich jeder in seiner Zelle auf seinen Stuhl und begann zu Essen. Die zwei Käsebrote, das Ei, das jeder von ihnen auf dem Teller hatte. Der Zellennachbar Heiner war - so berichtete er kurze Zeit später beiläufig - hungrig und ass alles sehr schnell auf. Und trank auch schnell den O-Saft aus. Und auch Gustav ass schnell sein Essen auf und trank auch sein Orangensaft aus. Dann hörten sie Stimmen. Und wieder kamen drei Männer und brachten einen Mann in einer der Zellen - aus ihrer Sicht irgendwo ganz links in diesem riesigen Raum. Er war Schwarz. So ungefähr 27 Jahre alt. Kam wohl aus Afrika. Dann liefen vier weitere Männer mit einem anderen Häftling an ihren Zellen vorbei und brachten ihn in in eine der Zellen irgendwo links. Das war vermutlich ein Europäer mittleren Alters.
"Da kommen aber hier immer mehr Häftlinge in die diese Strafanstalt", bemerkte Gustav.
"Ja...seit Corona sind die Straftaten gestiegen", erklärte Heiner.
"So...ist das so? Ich glaube, das ist gleich geblieben", meinte Gustav.
"Das glaube ich kaum. Die Leute haben nämlich kein Geld. Alles wird teurer", korrigierte Heiner.
"Ja...die Gesellschaft befindet sich am Abgrund. Unfähige Regierungen..."
"He...übrigens...ich werde hier ganz bestimmt hier rauskommen."
"Ja?"
"Ich hab dem Wärter den Schwanz gelutscht. Und dem Anwalt. Und einem der beiden Häftlingen, die hier vorbeigelaufen waren. Denn ich war ja vorher in einer anderen Zelle...Der eine ist ein heißer Typ mit einem gr...sie werden mich gewiss rausholen", erklärte Heiner.
"Ach tatsächlich? Du hast ja eine Frau gehabt, da dachte ich...:"
"Ich bin beidseitig befahrbar. Bin seit der Coronakrise etwas umgestiegen", antwortete Heiner.
"Ach so...ja, dann viel Glück. Nicht jeder hat solch ein Glück. Du hast ja das Glück, dass Du einen Anwalt hast", sagte Gustav.
"Und der wird mich rausholen...", sagte Heiner.
Wieder hörten sie Schritte. Dann sahen sie zwei Männer den Gang entlanggehen. Sie kamen direkt auf ihre Zellen zu.
"Ich weiss, wer das ist. Der Arzt. Und der Gefängnisdirektor", sagte Heiner.
"Meinst Du?", fragte Gustav.
Kurze darauf standen die Männer - das war der Arzt und der Gefängnisdirektor vor Gustavs Zelle.
"Hallo. Sie sind Herr Gustav Wehrmann?", fragte der Mann mit Oberlippenbart mittleren Alters.
"Ja", sagte Gustav.
"Ich bin Herr Schrader, der Gefängnisdirektor. Ich habe die Aufgabe mich um die Häftlinge zu kümmern. Ich grüsse Sie."
"Hallo", sagte Gustav nur.
Dann übernahm der Arzt, ein kleiner Mann mit dem schütteren, grauen Haaren das Wort, der neben dem Gefängnisdirektor stand.
"Und ich bin Dr. Seiler."
Dr. Seiler wollte weiterreden. Doch Gustav wurde nervös und unterbrach ihn.
"Was wollt Ihr von mir? Wieso seid Ihr hier?", stammelte Gustav.
"Ganz ruhig. Ich will, dass es Ihnen gutgeht, dass alles hier sauber läuft", sagte der Gefängnisdirektor Herr Schrader.
"Ich werde bald sterben. Werde hingerichtet....Mit der Giftspritze. Wissen was das für mich bedeutet? Wissen Sie, wie ich mich fühle? Ich habe Angst. Oft zittern meine Hände", flehte Gustav.
"Ich verstehe, was Sie durchmachen. Wir haben auch einige Fälle wie Sie, die auf die Vollsteckung der Todesstrafe warten. Und trotzdem versuchen wir, dass es den Gefängnisinsassen in dieser letzten Zeit gutgeht....", erklärte Herr Schrader.
"Ich schätze Ihre Bemühungen. Aber...es geht um mein Leben. Ich hatte bei der Gerichts-Verhandlung keinen Anwalt gehabt. Ich brauche jetzt einen Anwalt. Ich will hier raus", sagte Gustav.
"Warum hatten Sie keinen Anwalt gehabt?", frage Herr Schrader.
"Ich war überzeugt, dass ich keinen Anwalt brauche und dass ich mich selbst verteidigen kann. Das war ein grosser Fehler. Ich hatte mich selbst grenzenlos überschätzt. Ich dachte, dass das alles sich SO nicht entwickeln würde", erklärte Gustav.
"Das ist schlecht gelaufen", sagte Herr Schader nur.
"Ich brauche jetzt einen Anwalt. Das Urteil muss angefochten werden."
"Das Urteil steht fest. Eine Berufung ist nicht möglich."
"Aber Sie müssen was tun. Sie müssen eine Anwalt bersorgen, der mich hier rausholt. Das muss durch möglich sein. Sie müssen es versuchen", bettelte Gustav.
"Ich bin Gefängnisdirektor. Das ist nicht meine Aufgabe. Sie bekommen doch sicher Besuch? Einer aus ihrer Familie kann sich darum kümmern oder einige von ihren Familienmitglieder... ? Ein Freund? Aber das Urteil steht fest...es ist nichts mehr zu machen. Es tut mir leid."
"Aber ds muss doch möglich sein das Urteil anzufechten!! Das ist doch absurd!! Verrückt!!", schrie Gustav.
"Ich sagte Ihnen schon. Ich kann da nichts machen", antwortete Herr Schrader.
"Warum werde ich hingerichtet? Es gibt Leute, die Schlimmeres getan haben als ich. Die jemand kaltblütig umgebracht haben!", schrie Gustav.
"Aber das haben Sie laut der Gerichtsakte."
"Nein. Eben nicht. Mein Sohn ist da von der Autobahnbrücke runtergefallen. Gestürzt! Es war ein Unfall."
"In der Akte steht was anderes", mischte sich Dr. Seiler ins Gespräch ein.
"Das interessiert mich nicht, was da steht. Es geht um die Wahrheit. Und ich hab ihn nicht umgebracht. Und habe das Todesurteil nicht verdient", antwortete Gustav.
"Ich kann da nichts machen."
"Warum ich? Andere sind viel Schlimmer und kommen frei. Und ausgerechnet ich bekomme Todesstrafe? Wenn noch nicht mal klar bewiesen ist, dass ich der Mörder bin. Wo ist das gerecht?", fragte Gustav.
"Die Leute wollen an Dir ein Exempel statuieren. Zur Abschreckung von potentielle Straftätern", versuchte Dr. Schrader zu erklären.
"Aber das ist doch Wahnsinn. Das wird nichts bringen."
"Das ist so. Ich bin auch nicht für die Todesstrafe. Weil es in ihren Fall nicht wirklich was ändert meiner Meinung nach. Denn was ist, wenn ein Unschuldiger hingerichtet wird aus Versehen? Auch das kann vorkommen. Glaub mir...es tut mir sogar leid. Viele befürworten die Hinrichtung. Und es gibt auch einige Leute, die da draußen protestieren, dass Sie hingerichtet werden sollen."
"Ja... eben. Es muss eine Möglichkeit geben. Denn ich bin unschuldig."
"Ich kann es nicht ändern. In der Akte steht, dass Sie schuldig sind. Und das Urteil steht fest. Es tut mir leid."
Sie diskutierten noch etwa zehn Minuten hin und her. Doch der Gefängnisdirektor Herr Schrader blieb hart. Er konnte und wollte nichts machen. Dann wandte Gustav sich an Dr. Seiler.
"Und warum sind Sie hier?", fragte er Dr. Seiler.
"Ich bin Dr. Seiler. Ich bin derjenige, der Ihnen die Giftinjektion verabreichen wird", sagte er.
"Das ist ja schön", sagte Gustav zynisch. "Und wie wird das sein? Qualvoll?"
"Es wird nicht weh tun. Sie bekommen ein Katheter in die Venen. In beide Arme. Und dann fliesst dann das Gift in die Venen. In beide Arme, um sicher zu gehen", erklärte er.
"So? Um sicher zu gehen?", fragte Gustav.
"Ja."
"Wird es wenigstens schnell gehen?"
"Es wird ganz schnell gehen, wenn sie sich nicht wehren. Denn wenn Sie sich nicht wehren, wirkt das Gift besser. Je mehr sie sich wehren, desto schlimmer und schmerzhafter wird es. Und es dauert dann länger und wird gewiss viel schmerzhafter sein."
Gustav schwieg eine Weile. Dann sprach er": Wissen Sie...das ist hart so...auf den Tod zu warten. Obwohl der Tod meines Sohnes Martin schlimm war und ich zeitweise gar nicht mehr leben wollte", sagte Gustav. "Glauben Sie, dass es einfach ist einen Sohn zu verlieren?"
"Ich habe keinen Sohn. Aber ich kann mir das vorstellen", antwortete Dr. Seiler.
"Das können sie nicht. Und dann werde ich noch angeklagt, zum Tode verurteilt und muss auf die Hinrichtung warten. Wissen Sie, wie hart es ist? Denn ich habe noch zwei Kinder, die mich brauchen."
"Die von Ihnen - wie ich hörte - nicht viel wissen wollen."
"Ach...das wissen Sie? Sie wissen einen Scheiss. Meine Kinder brauchen mich. Einen Vater. Und keine Mutter, die ständig Alkohol trinkt, wie meine Ex das macht. Und immer in Discos geht. Vermutlich hat sie auch Affären...Finden Sie das in Ordnung?"
"Das können Sie nicht beweisen, dass Ihre Ex Affären gehabt hat und auch in Discos geht. Das soll nicht so gewesen sein. So habe ich gehört."
"Ach, Sie haben es gehört? Von wem denn?", fragte Gustav aufgebracht.
Da schwieg Herr Seiler.
"Woher wissen Sie das alles so genau? Sie scheinen alles zu wissen", meinte Gustav.
"Herr Wehrmann. Bitte hören Sie auf."
"Meine Familie hatte mich auch nicht gut behandelt nach meinem beiden Herzinfarkten. Die jüngere Tochter - sie heisst Gerda und ist heute 18 Jahre alt- lachte mich aus und nannte mich - obwohl ich erst 48 bin einen dämlichen Looser, einen Taugenichts, der für nichts zu gebrauchen ist. Ist das Neid, weil ich einen interessanten Job als Fotograf habe und sie mlt ihrer Lehre unzufrieden ist? Obwohl sie früher in der Coronakrise den ganzen Tag nur gechattet und geraucht und gefaulenzt hatte! Ich bin ja froh, dass sie jetzt die Lehre zur Friseuse wenigstens durchzieht. Dann gibt es meinen anderen Sohn Tim. Der ist heute 20 Jahre alt. Der hatte in der Coronazeit die Schule geschmissen. Er interessierte sich aber erfreulicherweise sehr früh für Musik. Spielt Keyboard. Und sein größerer, älterer Bruder Martin - der war 21 als er starb - sang und spielte Gitarre. Und irgendwann spielten sie beide - Tim und er - in Bands. Anfangs fand ich das noch toll oder akzeptabel. Aber dann gerieten sie in schlechte Gesellschaft. In der Coronakrise war es ganz schlimm. Während ich -weil ich als Fotograf sämtliche Fotoaufträge verloren hatte - hart arbeiten musste, gerieten die Kinder oder besser ausgedrückt Jugendlichen immer mehr auf die schiefe Bahn und sie verbrachten zu viel Zeit vor dem Laptop oder vor ihren Handys. Meine Kinder chatteten mit allen möglichen Typen", erzählte Gustav.
"Und was waren das für Typen?", fragte oder Gefängnisdirektor Herr Schrader.
Dann erzählte Gustav genauer, was passiert war. "Einige Typen kamen aus der Dark Wave-, Gothic-, Death-Metal-Szene. An sich habe ich nichts gegen solche Typen. Soll jeder machen, was er will. Es gibt sicher auch Leute, die davon charakterlich okay sind im Umgang. Aber einige darunter waren richtig schräg, beschäftigen sich mit dunkler Magie. Spiritismus und so. Ich will gar nicht zu viel erzählen! Denn man sollte davor Abstand nehmen. Seine Mutter Sabrina - ich meine meine Frau - war darüber sauer! Und ich auch! Wir machten eine "Szene" zu Hause! Richtig ausgerastet waren wir, als wir erfuhren, dass zwei meiner Kinder- Tim und Martin - wenn sie die Wohnung verliessen - mit Drogen dealten und sie auch noch konsumierten. Ich sagte ihnen, dass sie sofort die Finger von den Drogen lassen sollten. Ich und meine Frau wiesen auf die Gefahren von Drogen hin. Nach den ersten Coronalockerungen im Mai 2020 wurden Tim und Gerda endlich vernünftiger. Gerda machte ja - wie ich schon sagte - dann eine Lehre als Friseuse. Tim machte eine Lehre als Klempner. Und Martin machte eine Lehre als Fliesenleger. Zuerst dachte ich, dass meine Familie in gute Richtung gehen würde. Aber das war ein Irrtum. Nur Tim und Gerda wurden etwas vernünftiger. Aber Martin? Tim zog seine Lehre durch, hörte mit den Drogen auf. Gerda wurde vernünftiger und umgänglicher. Nur Martin entwickelte sich katastrophal. Er nahm immer mehr Drogen. Er veränderte sich, er wurde aggressiv, griff mich körperlich an z.B schlug mir ins Gesicht. Was war in ihn gefahren? Und er brach seine Lehre ab. Ich litt fürchterlich darunter - und ich bekam Herzprobleme und bekam schliesslich zwei Herzinfarkte. Ich dachte, dass meine Kinder aufgrund meiner gesundheitlichen Probleme mit mir rücksichtsvoller ungehen würden...Falsch. Das Verhältnis zu meinen Kindern war immer noch nicht gut. Besonders Martin - wie ich schon sagte - war schlimm. Wir hatten oft Streit wegen seines Drogenproblems. Er verliess immer öfters die Wohnung. Einmal verliess Martin die Wohnung, ging zu Autobahnbrücke und kaufte von so einem Typen Drogen. Ich wusste davon. Ich folgte Martin zu der Autobahnbrücke. Dort traf ich ihn. Ich bat ihm mit den Drogen aufzuhören und mir die Drogen, die er dort von einem Typen abgekauft hatte, zu geben. Dabei kam es zum Streit. Martin schlug mich. Mehrmals. Dann verlor er, als er ziemlich nahe am Geländer stand, plötzlich das Gleichgewicht und fiel die Autobahnbrücke runter auf den Rand der Autobahn. Und ich bekam später die Schuld und meine Frau warf mir vor, ich hätte ihn nie geliebt, weil es nicht mein leiblicher Sohn war, sondern der Sohn aus ihrer ersten Ehe. Was natürlich nicht stimmte. Martin war auch mein Sohn!"
Dr. Seiler unterbrach ihn.
"Dann war das gar nicht ihr Sohn?", fragte er.
"Doch."
"Aber nicht Ihr leiblicher Sohn?"
"Nein. Ich war nicht der biologische Vater von Martin. Denn sein biologischer Vater Willhelm war schon früh an Krebs gestorben. Gleich nach seiner Geburt. Und kurz nach der Trennung von Sabrina. Ich versuchte aber sein Vater zu werden, als ich und Sabrina uns später lieben lernten, dann zusamenlebten und später heirateten."
"Aber Sie wurden dann sein Vater."
"Ja."
"Der ihn wirklich liebte?"
"Ja. Er war wie mein Sohn. Ich liebte ihn. Er war mein Sohn."
"Aber irgendwie war das Verhältnis zu ihrem Nichtbiologischen Sohn nicht so gut?"
"Ich liebte ihn....aber ehrlich gesagt, war ich als Vater überfordert. Ich musste auch viel arbeiten. Als selbstständiger Fotograf. Besonders in der Coronakrise, als ich meine Aufträge verloren hatte. Ich und meine Ex hatten ja drei Kinder zu ernähren. Das war alles nicht leicht. Ich bemühte mich. Versuchte mich... um meine Kinder zu kümmern. Doch es reichte nicht", erzählte Gustav.
Während er das erzählte, lief ein Film vor seinen Augen ab. Und vermutlich auch bei dem Gefängnisdirektor und bei dem Arzt Dr. Seiler. Auch wenn der Film vor ihren Augen etwas anders war, als der von Gustav. Gustav hatte Tränen in den Augen. Der Gefängnisdirektor Herr Schrader war wenig davon beeindruckt. Gustav ahnte, was er dachte. Er war wahrscheinlich immer noch überzeugt, dass er (Gustav) seinen Sohn Martin ermordet hatte. Nur das Motiv war für den Gefängnisdirektor nicht ganz klar. Herr Schrader dachte sehr wahrscheinlich: Vermutlich hatte Martins Drogensucht, sein gewalttätiges, aggressives, rebellisches, querköpfiges Verhalten,...und seine Drohungen gegenüber ihn (den Vater Gustav) und seine Familie schließlich das Fass zum Überlaufen gebracht und als Gustav W. ihn wieder an der Autobahnbrücke mit Drogen erwischt hatte, da rastete er aus, auch weil Martin für ihn und seiner Familie immer mehr zu einer Belastung und Bedrohung wurde. Auch in finanzieller Hinsicht. Da kam es zum Streit und zu einer körperlichen Auseinandersetzung und dann hatte Gustav ihn - seinen nichtbiologischen Sohn Martin, zu dem er wahrscheinlich nicht so eine feste Bindung hatte als zu seinen leiblichen Söhnen- einfach von der Autobahnbrücke gestoßen und es wie ein Unfall aussehen lassen. So war er ihn und all die Probleme, die er verursacht hatte, los. Und er konnte ihn und seine Familie nicht mehr bedrohen. Was der Gefängnisdirektor Herr Schrader wirklich genau dachte, blieb Gustav unklar. Der Gefängnisdirektor Schrader war - obwohl er trotz seiner strengen Wesensart auch teilweise verständnisvoll sein konnte und trotz Gustavs Bemühungen ihn durch Erklärungen von seiner Unschuld zu überzeugen - nicht bereit ihm zu helfen. Auch der Arzt Dr. Seiler tat nichts, was wirklich hilfreich war. Er stand nur da vor Gustavs Zelle und hörte zu. Er war vermutlich auch nicht von seiner Unschuld überzeugt! Er sah in Gustavs Augen alles falsch und einseitig und erkannte hier nicht, dass es zwei Seiten gab. Und eine Menge Irrtümer im Prozess. Und dass schlampig und falsch ermittelt wurde und das Urteil falsch und ungerecht war. Trotzdem redete Gustav weiter in der Hoffnung ihn und den Arzt Dr. Seiler doch noch zu überzeugen und umzustimmen. Denn eine andere Chance hatte er nicht.
"Es reichte nicht. Ich hab das alles einfach nicht mehr auf die Reihe gekriegt. Und am Ende scheiterte die Beziehung. Und dann die Familie", erzählte Gustav.
"Das ist tragisch", sagte Herr Schader kühl.
"Ich bemühte mich. Aber ...es war nicht genug. Martin geriet wie mein anderer Sohn Tim in falsche Gesellschaft und fing an Drogen zu nehmen. Er hatte mit Kontakt mit Leuten aus der Darkszene. Düstere Typen. Düsterer als man sich vorstellen kann. Und sie trieben sich oft auf Friedhöfen rum, waren oft ganz in schwarz gekleidet, trugen komischen, schwarzen Schmuck, Amulette, hatten einige komische Bücher. Tim änderte sich zum Glück bald. Aber Martin änderte sich nicht. Ich hatte deshalb öfters Streit mit ihm. Und auch seine Mutter mit ihm. Wir rieten ihm zur Therapie, dass er von den Drogen runterkommt. Aber es klappte nicht. Es wurde immer schlimmer mit seiner Drogensucht. Und mit seinem düsteren Trip. Und er wurde immer aggessiver. Der Pastor meiner Freikirche, die ich ab und zu mit meiner Famiie früher besucht hatte, kannte Martin. Einmal bekam er mit, wie Martin einen Wutanfall bekommen hatte und mich beleidigt und beschimpft hatte. Er meinte, dass Martin völlig "aus der Spur geraten" war. Besessen. Des Satans. Ich tat, was ich konnte. Es klappte nicht. Dann hatte ich meinen ersten Herzinfarkt. Wie schon erwähnt. Ich dachte, dass meine Familie mir helfen würde. Aber das war ein Irrtum. Die Kinder behandelten mich weiterhin schlecht. Einmal ging für einen Spaziergang aus der Wohnung. Und dann traf ich im Park wieder den Pastor meiner Freikirche, die ich ab und zu früher gesucht hatte. Er sass auf der Parkbank. Nach einem Gespräch über Martin sagte er": Pass auf. Der Satan klaute Deine Familie." Ich dachte zuerst, das sei ein "Fake" oder "Witz." Doch er hatte Recht. Nach meine ersten Herzinfarkt hatte ich dann schon bald meinen zweiten Herzinfarkt. Meine Familie hatte mir wieder nicht geholfen. Auch meine Frau Sabrina nicht. Ihr war es scheissegal. Und erst Recht halfen mir meine Kinder nicht. Am schwierigsten war es mit Martin. Er konsumierte nicht nur Drogen, sondern verkaufte sie auch. Und er beschimpfte und bedrohte mich oft. Auch seinen Bruder Tim und manchmal seine Schwester Gerda und seine Mutter, aber trotzdem hielten sie zu ihm. Verziehen ihn immer wieder. Ließen auch zu viel durchgehen, verharmlosten seine Probleme. Dann war der Lockdown am 20.4.2020 zu Ende, es gab die ersten Lockerungen und die Geschäfte hatten wieder auf - auch wenn Clubs, Restaurants, Kinos, Freizeiteinrichtungen,... immer noch geschlossen hatten. Auch die Kinder Gerda und Tim wurden normaler - wie ich schon erwähnt hatte. Sie machten ihre Lehren und hörten auf Drogen zu nehmen. Sie wurden vernünftiger. Da war nur noch Martin, der Probleme machte. Zwei Herzinfarkte bekam ich wegen ihm! Sorry, dass ich mich wiederhole und ich so innerlich angespannt bin. Aber ich erzähle jetzt alles genauer. Besonders über Martin. Eines Tages belauschte ich ein Handy-Gespräch, dass Martin mit so einem Typen hatte. Ich erfuhr, dass es um ein Drogendeal ging mit so einem Typen. Martin wollte von einem Typen Drogen - Kokain- kaufen und auf der Autobahnbrücke wollten sie sich treffen. Er ging nach dem Handygespräch dorthin. Und ich folgte ihm heimlich. Nachdem Martin bei einem Typen auf der Autobahnbrücke die Drogen gekauft hatte, ging der Typ weg. Ich sprach Martin auf der Autobahnbrücke an, und riet ihm die Finger von den Drogen zu lassen. Er schlug mich. Ich wehrte mich. Aber er schlug immer wieder auf mich ein. Dann verlor er das Gleichgewicht ...und fiel die Brücke runter. Es war schlimm. Aber es war nicht meine Schuld. Er war völlig auf Droge!"
"Können Sie das beweisen, dass es so war?", frage Dr. Seiler.
"Nein. Aber es war...ein Unfall. Es ist so passiert, wie ich es gesagt habe."
"Herr Wehrmann. Sie haben laut Akte einen Mord begangen. Das ist ein schwerer Anklagepunkt. Und alles deutete darauf hin, dass es sogar ein kaltblütiger Mord war. Das Gegenteil zu beweisen wird in diesem Fall schwierig sein. Da kommen Sie nicht mehr so schnell aus der Nummer raus, Herr Wehrmann", sagte Her Schrader.
"Ich ihn nicht umgebracht... Außerdem...Jeder macht mal Fehler!", sagte Gustav
"Aber den Fehler, den Sie gemacht haben, ist zu groß. Und da waren noch die anderen Anklagepunkte."
"Und die wären? Ich will es nochmal hören", forderte Gustav.
"Die kennen Sie", sagte Dr. Seiler.
"Ich will die aber noch einmal hören!"
"Das erklärte ich Ihnen später. Die wissen Sie ganz genau. Sie haben ihre Familie vernachlässigt..."
"Und deshalb erwartete mich das Todesurteil? Ausserdem habe ich nicht meine Familie vernachlässigt. Ich musste in der Coronkrise viel arbeiten. Wie viele Menschen, wenn sie sich in einer schwierigen Situation befinden... "
"Sie können reden, wie Sie wollen. Aber Sie sind zum Tode verurteilt", sagte Herr Schrader.
"Habe ich wirklich keine Chance?"
"Nein", sagte Dr. Seiler.
Dann schwieg Gustav eine Weile. Dann fragte er Dr. Seiler": Wird es schnell gehen?"
"Ja. Das wird schnell gehen", erwiderte Dr. Seiler.
Gustav schwieg wieder einen Augenblick. Dann sagte er.
"Ich bin nervös. Meine Hände zittern. Haben Sie etwas, was mich beruhigen kann?"
"Ich kann Sie beruhigen. Ich kann Ihnen einige Beruhigungstabletten geben. Und ich kann ihnen einen Priester besorgen...Er wird kommen", antwortete Dr. Seiler. Er holte eine Schachtel Tabletten aus seiner Tasche und gab sie Gustav. Dann sprach er": Ich hoffe, dass diese Ihnen helfen sich zu beruhigen. Und dann werde ich den Priester kommen lassen."
"Ich brauche ihn nicht", warf Gustav ein als er die Tabletten in seine Tasche steckte.
"Lassen Sie mich ausreden....Sie können noch entscheiden, was mit Ihren Habseligkeiten passiert, die sich in Ihrer Zelle befinden", sagte Herr Schrader.
"In Ihren Augen bin ich schon nicht mehr auf der Welt."
"Aber nein....Sie haben noch zwei Wochen Zeit", sagte Dr. Seiler.
"Ich habe keinen Anwalt. Dieses Warten, das mir wie eine Ewigkeit vorkommt. Eine Zeit der Angst und des Durchdrehens. Es raubt mir den Verstand", antwortete Gustav.
"Nutzen Sie die die Zeit, die Sie noch haben. Denn Sie haben nicht mehr viel Zeit", sagte Herr Schrader.
"Es war ein Unfall! Es war ein Unfall!", beteuerte Gustav
"Was soll das? Das ist doch alles vor Gericht geklärt worden."
"Ich brauch einen Anwalt. Sofort!", schrie Gustav.
"Ich kann nichts mehr für Sie tun", sagte Herr Schrader.
"Ich kann da auch nichts machen...", sagte Dr. Seiler ruhig.
"Warum sind Sie hier? Um mit mir zu sagen, dass Sie derjenige sind, der mit die Giftspritze gibt?", schrie er Dr. Seiler an.
"Nein. Ich wurde zu Ihnen geschickt, um Sie vorher zu untersuchen. Und zu beruhigen", sagte Dr. Seiler kühl.
"Ich brauche keine Untersuchung. Das ist bei mir gelaufen. Ich werde sterben.Verstehen Sie? Was ich brauche ist einen...Anwalt."
"Das ist Schade, dass Sie keinen Anwalt haben. Wirklich schade. Das ist nicht gut", sagte Herr Schrader.
"Können Sie mir einen Anwalt besorgen?", fragte Gustav.
"Das kann ich nicht...auch wenn ich das wollte. Dass fällt nicht in meinen Bereich. Ausserdem wurde das Urteil schon gesprochen."
"Aber das war ein Fehler. Das war eine Fehler, den ich korrigieren möchte. Ich brauche einen Anwalt", bettelte Gustav.
"Herr Wehrmann. Sie wiederholen sich oft. Ich kann leider nichts für Sie tun", sagte der Gefängnisdirektor Herr Schrader.
"Ich leider auch nicht", sagte Dr. Seiler.
"Ich muss jetzt gehen. Gleich kommt der Priester. Der wird Sie ermuntern", meinte Herr Schrader.
"Ja."
Dann gingen der Arzt und der Gefängnisdirektor zum Zellennachbar.
"Herr Kempke?", fragte Dr. Seiler.
"Ja?", antwortete der Zellennachbar Heiner.
"Ich bin da, um Ihnen mitzuteilen, das ich diejenige bin, der Ihnen die Giftspritze gibt und Sie können sich auch überlegen, was Sie mit Ihren Sachen machen", sagte Dr. Seiler ruhig.
"Ich weiss. Ich hab das gehört", antwortete Heiner. Er wirkte gefasst.
"Dann gibt es noch eine Untersuchung", sagte Dr. Seiler.
"Das weiss ich alles", entgegnete Heiner.
"Sie haben aber eine Verteidigung?", fragte der Gefängnisdirektor Herr Schrader.
"Ja. Ich habe eine Verteidigung", antwortete Heiner.
"Dann ist ja gut. Ich muss jetzt zu meiner Arbeit. Ich komme später wieder...", sagte Herr Schrader.
Dann gingen der Arzt Dr. Seiler und der Gefängnisdirektor Schrader fort.
"Das ist eine richtige Scheisse", sagte Gustav.
"Ja....man hat nicht viel Zeit.. Du hast nicht viel Zeit", meinte Heiner.
"Es ist Mist. Es ist richtiger Mist!", schrie Gustav.
"Mein Anwalt kommt vorbei", sagte Heiner kühl
"Wann? Morgen?", fragte Gustav.
"Ja. Morgen. Er wird mir hier rausholen. Ganz sicher", sagte er.
"Es ist schön, dass er Dich hier rausholt."
"Allerdings."
"Vielleicht...kann er auch was für mich tun? Frag ihn mal, ob er was für mich tun kann."
"Das wollte ich gerade vorschlagen. Ich kann ja meinen Anwalt fragen, ob er was für Sie tun kann. Vielleicht kann er Sie hier rausholen."
"Gibt es denn Chancen?", fragte Gustav.
"Ja. Für mich gibt es Chancen. Ich bin eben ein cleverer Bursche."
"Und für mich? Gibt es denn keine Chancen für mich?", fragte Gustav.
"Doch....Die sind aber gering. Du hast...Zu viele Fehler gemacht. Ausserdem musst Du wissen....Nur die Cleveren kommen in dieser heutigen Welt weiter."
"Ach, so ist das?"
Er hat so einige Methoden oder Karten, die er ausspielt und kommt weiter. So ist das eben in der heutigen Welt, dachte Gustav. .
"Ja."
"Ich hab eine Idee....ich werde meine Geschichte aufschreiben...wie das alles, was bis zum Unfall - was anderes war es nicht - passiert ist und dann werde ich dies Deinem Anwalt geben. Vielleicht überzeugt ihn das von meiner Unschuld und er kann was machen", sagte Gustav.
"Das muss man probieren. Mein Anwalt hat bestimmt eine gute Idee", meinte Heiner.
"Ich hoffe, es. Danke, dass Du mir helfen willst."
Sie redeten eine ganze Weile über ihre Situation.
Dann hörten sie Schritte. Sie blickten von ihren Zellen aus in den Gang. Dort sahen sie einen Mann im Anzug mit einer Tasche in der einen Hand und der Bibel in der anderen Hand. War es der Priester? Dieser Mann ging dann zu Gustavs Zelle.
"Ich bin der Prediger Holger Rateberg. Ich vertrete den Priester Bastian Siebert, der zur Zeit schwer an Corona erkrankt ist", sagte der Priester Rateberg.
"Corona ist schlimm", sagte Gustav. "Ich kenne viele, die es schwer erwischt hat. Einige , die ich kenne, sind auch daran gestorben."
"Ja. Ich bin hier, um mit Ihnen zwecks Ermunterung etwas in der Bibel zu lesen", sagte Rateberg.
"Ja."
"Wie Sie wissen, wurden Sie verurteilt und es erwartet sie die Todesstrafe. Eine tödliche Injektion", redete Rateberg weiter.
"Ja...", antwortete Gustav. "Pastor...wie kommt ich da raus?! Gibt es eine Chance?"
"Durch eine guten Anwalt. Ansonsten beten", sagte Rateberg.
"Ich hab keine Anwalt", antwortete Gustav.
"Das ist Pech. Ich kann Ihnen etwas Beistand leisten. Und mit Ihnen beten. Mehr kann ich nicht für Sie tun."
"Pastor..."
"Prediger...nennen Sie mich einfach Prediger Rateberg."
"Prediger Rateberg. Habe ich noch eine Chance?"
"Sie haben keine wirkliche Reue gezeigt. So hörte ich. Das kann Gott nicht gutheißen", sagte er.
"Doch", sagte Gustav. "Ich bereue es sehr...das mit meinem Sohn Martin...es war ein Unfall..." Gustav versuchte in kurzen Sätzen zu erklären, was passiert war.
"Wie komme ich hier raus? Ich sterbe bald... Ich muss hier raus..."
"Wir sind alle in der Todeszelle. Wir alle müssen sterben. Auch die außerhalb der Zelle sind... Wir alle sind Sünder und müssen sterben. Denn der Lohn, den die Sünde zahlt, ist der Tod. Und wer überlebt beziehungsweise auferweckt wird, das entscheidet Gott", erklärte Rateberg.
"Wenn ich hier rauskomme...wäre das ein Wunder."
"Die Zeit der Wunder ist heute vorbei."
"Das mag sein...aber...Ich brauche einen Anwalt. Und der holt mich hier raus", sagte Gustav.
"Ja."
"Ich hab alles vermasselt. Mit meiner Familie....ich habe meinen Teil dazu beigetragen, dass meine Familie zerbrochen ist. Aber umgebracht habe ich meinen Sohn Martin nicht. Mein Sohn Martin nahm länger Zeit Drogen, dealte auch damit. Er hatte Kontakt mit Leuten aus der Death-Metal-, Dark Wave- oder Gothic-Szene. Sie trieben sich sogar auf Friedhöfen rum, kleideten sich manchmal auch im schwarz. Der Pastor meiner Freikirche, die ich ab und zu besucht hatte, meinte, dass es Satanisten sind. So weit ging er, um das zu sagen."
"Mein Güte. Erzählen Sie weiter."
"Als mein ältester Sohn Martin auf der Autobahnbrücke gerade Drogen gekauft hatte, wollte ich ihm diese wegnehnen. Es kam zum Kampf. Er schlug auf mich ein, verlor, als er dicht am Geländer stand, das Gleichgewicht, fiel über das Geländer und stützte von der Autobahnbrücke. Und dann war er tot. Und ich habe die Schuld bekommen!"
"Dann erzählen Sie mal."
Dann erzählte Gustav auch ihm genau, was damals aus seiner Sicht geschehen war. Kurz über seine Kindheit, dann über seine Heirat mit Sabrina. Dann über ihre Kinder Gerda, Tim und Martin. Und wie sie ihre Kinder (die inzwischen Jugendliche waren) an Drogen verloren hatten. Und wie ihre Kinder - besonders in dem Coronalockdown - Kontakt mit zum Teil älteren Jugendlichen aus der Gothic- und Death-Metal-Szene hatten...Und dann wie es zu Martins Brückensturz gekommen war.
"Das ist eine traurige Geschichte. Sehr bewegend", meinte der Prediger Rateberg.
"Das ist sie. Aber ich habe Martin nicht umgebracht. Es waren die Drogen, die ihn umbrachten."
Der Prediger Rateberg blickte Gustav eindringlich an. Dann fragte er ihn": Glauben Sie an das Böse?"
"Wie meinen Sie das? Das Böse im Menschen?", fragte Gustav.
"Nicht das Böse im Menschen. Das Böse!"
"Ich fürchte, ich kann Ihnen nicht folgen."
"Sag 'Du' zu mir."
Wir blieben dann bei 'Du' statt 'Sie'. Dann schlug Rateberg die Bibel auf. Als er die richtige Seite gefunden hatte, zeigte er sie Gustav.
"Hier ist der Bibeltext. Johannes 3 Vers 15. Lies mal laut vor."
Dann reichte der Prediger Gustav die geöffnete Bibel mit der markierten Bibelstelle Johannes 3 Vers 15 durch das Zellenfester. Gustav nahm die Bibel entgegen und las den Text laut vor": Wer seinen Bruder hasset, der ist ein Totschläger; und ihr wisset, daß ein Totschläger nicht hat das ewige Leben bei ihm bleibend."
"Gut", sagte Rateberg.
"Ja und?"
"Dann gibt es 2. Korinther 11:14. Lies das mal."
Gustav schlug die Bibelstelle auf (was ein bisschen dauerte, weil er sich mit der Bibel nicht schnell zurechtfand) und las sie laut vor": Und das ist auch kein Wunder; denn er selbst, der Satan, verstellet sich zum Engel des Lichts."
"Ja."
"Und was soll das mir sagen?", fragte Gustav.
"Dass der Teufel, genannt Satan Deine Familie geraubt hat", entgegnete Rateberg.
Gustav war verblüfft.
"Was? Der Teufel? Das ist abwegig. Ich glaube nicht an den Teufel", sagte Gustav.
"Das tun viele nicht. Glaubst Du an eine Auferstehung?"
Gustav überlegte. Dann sagte er ": Ich weiss nicht, was ich noch glauben soll. Die Welt ist heute verrückt. Und mein Leben ist verrückt."
"Es sind kritische Zeiten, mit denen man schwer fertig wird. In 2. Timotheus 3: 1- 5 steht : Das aber sollst du wissen: In den letzten Tagen werden kritische Zeiten herrschen, mit denen man schwer fertig wird. Denn die Menschen werden sich selbst und das Geld lieben, sie werden angeberisch sein, und überheblich sein, über Gott und Menschen lästern, nicht auf die Eltern hören, undankbar sein und nicht loyal. Sie werden lieblos sein, nicht kompromissbereit, verleumderisch, unbeherrscht und brutal und werden das Gute nicht lieben", sagte Rateberg. "Das ist die Zeit, in der wir heute leben."
"Ich möchte nur hier raus. Und dem Todesurteil entgehen", sagte Gustav. "Gibt es denn eine Chance für mich?"
"Alle , die in den Gedächtnisgrüften sind, werden herauskommen, - so steht es hier in einem Bibel-Vers."
"Ja. Gut. Da haben Sie mich ermuntert. Aber der Teufel oder Satan hat wirklich meine Familie....?"
"Ja. In den letzten Tagen zerbrechen die Familien. Hungersnöte, Seuchen , Kriege,.... Das sind alles Zeichen der heutigen Zeit. Das ist Endzeit."
"Hmm", sagte Gustav.
Er dachte nach.
"Dann verstehen Sie, wer ihrer Familie geraubt hat...?", fragte Rateberg.
"Ich spürte so eine Kraft des Bösen manchmal, als Martin von seinen Dark-Metal-Jugendlichen solche Amulette und düsteren CDs mit nach Hause nahm", erzählte Gustav.
"Das hätte alles schnell verbrannt werden müssen. Das hat alles satanischen, dämonischen Einfluss."
"Jetzt verstehe ich. Der Satan hat meine Familie geklaut. Corona und Satan haben meine Familie geklaut."
"Ja. Es steht alles in der Bibel. Die kannst Du lesen. Ich schenke sie Dir. Und ich bete für Dich", sagte Rateberg.
Dann fand Gustav in der Bibel einige Bibeltexte, die er laut vorlas": 'Sehet zu, tut rechtschaffene Frucht der Buße!', steht in der Bibel. Und in Lukas 13: 15 steht : 'Ich sage: Nein; sondern so ihr Euch nicht bessert, werdet ihr alle auch so umkommen.'"
"Du musste die Bibel genau studieren", sagte Rateberg.
"Das werde ich", entgegnete Gustav.
"Ich wünsche Dir viel Glück", entgegnete der Prediger Rateberg.
"Danke."
Während Gustav weiterhin in der Bibel las, ging der Prediger Rateberg zur benachbarten Gefängniszelle, in der Heiner sass.
"Herr Kempke...", sagte Rateberg.
"Richtig. Heiner Kempke."
"Sie wissen, warum ich hier bin? Um Ihnen Beistand zu leisten."
"Ja", erwiderte Heiner.
"Auch Sie wurden verurteilt und es wartet auf Sie der Tod", sagte Rateberg.
"Ja...ich habe aber einen Anwalt. Der holt mich hier raus", entgegnete Heiner.
"Dann haben Sie Glück."
Sie redeten eine Weile. Der Prediger Rateberg holte eine andere Bibel aus seiner Tasche heraus und las ihm einige ermunternden Bibelverse vor. Danach steckte er wieder seine Bibel in die Tasche, wünsche Heiner und Gustav kurz noch viel Glück. Dann ging er fort. Dann herrschte Schweigen. Nach etwa zehn Minuten sagte Heiner zu Gustav.
"Hat Dir das Gespräch mit dem Prediger was gebracht?", fragte Heiner.
"Ja", sagte Gustav. "Ich fühle mich ermuntert."
"Morgen kommt mein Anwalt hierher", sagte Heiner.
"Wirklich? Dann muss ich schnell meine ganze Geschichte - die Wahrheit aufschreiben und ihm das geben", sagte Gustav.
"Dann schreib Du mal Deinen Text. Mach aber schnell...Denn Du hast nicht viel Zeit. Die Sanduhr läuft", antwortete Heiner.
"Das werde ich tun. Schnell."
"Ich würde gerne weiterreden. Aber ich bin müde. Ich lege mich daher ins Bett. Ich wünsche Dir viel Erfolg beim Schreiben...Ich wünsche Dir alles Gute", sagte Heiner.
Dann legte Heiner sich in seiner Zelle in sein Bett und schlief kurz darauf ein.
Gustav sass eine Weile auf seinem Stuhl in seiner Gefängniszelle und hatte diverse sorgenvollen Gedanken und Ängste. Er schlug die Bibel auf, die er von den Prediger Rateberg bekommen hatte. Er las zum Beispiel 2. Korinther 11:3": Ich fürchte aber, daß nicht, wie die Schlange Eva verführete mit ihrer Schalkheit, also auch eure Sinne verrücket werden von der Einfältigkeit in Christo."
Ja, der Satan hat meine Familie geklaut, spuckte es in Gustavs Kopf herum. Er las sich noch diverse Bibeltexte durch. Dann legte er die Bibel weg auf den Schrank. Danach griff er sich seinen Stift und seinen Notizblock, den er früher auf den Schrank gelegt hatte, ging damit zum Tisch und legte dies vor sich dorthin. Und dann begann er seine Geschichte für seinen Anwalt aufzuschreiben. In der alles richtig gestellt werden würde! Die ganze Wahrheit! Mit Emotionen! Er schrieb auch auf, wie er aufgewachsen war. Er schrieb über seine Familie, über den Unfall, wie er beschuldigt worden war, wie es zum Prozess gekommen war und wie er in die Gefängniszelle gekommen war....

Er schrieb folgenden Text:

Ich, Gustav, wurde am 30. 3. 1974 in Berlin-Neukölln geboren. Meine Mutter Helen war Schneiderin. Mein Vater Hubert arbeitete bei der Hochbahn. Meine Mutter Helen - ich meine meine biologische Mutter - starb, als ich zwei Jahre alt war. Ich weiss noch, dass sie mich als Baby in den Arm nahm. Ich weiss noch: Sie liebte mich wirklich. Mehr weiss ich nicht mehr. Kann mich nicht daran erinnern. Ich war ja schliesslich ein Baby, in der Zeit, als sie starb. Dann lernte mein Vater eine neue Frau namens Birgit genannt "Biggi" kennen. Sie war Krankenschwester. Mein Vater war vernarrt in sie. Denn sie war hübsch. Mit Schönheit wollte Biggi punkten. Sie zog schnell bei uns ein. Und dann hatte ich eine Stiefmutter. Erst waren Vater und sie glücklich. Sie waren sehr verliebt ineinander. Doch schon bald machten sich Biggis negative Verhaltensweisen bemerkbar. Sie vernachlässigte mich schon früh. Ging immer oft weg auf Partys oder traf sich angeblich mit Freundinnen. Ich musste immer alleine zu Hause bleiben. Wenn ich alleine war und schrie (zum Beispiel weil ich Hunger hatte), war sie nicht da. Wenn ich krank war, war sie auch nicht da. Einmal war ich fast an Fieber gestorben, weil sie nicht da war. Sie wollte mich nicht. Sie schlug mich oft. Immer wenn sie sauer war und ich nicht so funktionierte, wie sie wollte, liess sie ihre Wut bei mir aus und schlug mich. Mein Vater fragte mich einmal, was mit mir los sei. Warum ich so depressiv und ruhig war. Ich log meinem Vater damals was vor und sagte, alles sei Ordnung. Ich hatte einfach Angst, dass meine Pflegemutter sauer sein würde und mich wieder betrafen würde. Dann verschlechterten sich meine Leistungen in der Schule. Ich brachte zuerst Vieren nach Hause, worüber Mutter und Vater erbost waren. Und dann hatte ich die ersten Fünfen in den Klassenarbeiten geschrieben. Und auch mal eine Sechs. Was an den ganzen Problemen lag, die ich zu Hause hatte. Und weil ich oft deshalb unkonzentriert war. Und ich auch nicht geliebt wurde. Als meine Schulnoten immer schlechter wurden, schlug Schwiegermutter mich schon wieder. Beschimpfte mich. Demütigte mich, nannte mich z.B. blöder Hund, Idiot. Ich bekam dann Nachhilfe. Und meine Noten wurden etwas besser. Und ich dachte, dass sich meine häusliche Situation verbessern würde. Fehlanzeige. Dann meine Eltern stritten sich auch immer mehr. Grund war, dass Biggi der Job als Krankenschwester immer mehr stresste und sie sich einen anderen, besseren Job wünschte. Und auch mit ihrer Ehe unzufrieden war. Und Vater hatte immer mehr Probleme mit seinen Schülern in der Schule, an der er unterrichtete. Und Biggi ging ihm mit ihrer miesen Laune und ihren Genörgel immer mehr auf die Nerven, so dass er auch immer unzufriedener, reizbarer und unberechenbarer wurde und sich immer mehr nach einer anderen Frau sehnte. Er trank auch immer mehr - aus Frust. Und fing auch immer mehr an zu schimpfen - wie meine Stiefmutter Biggi. Sie stritten sich immer häufiger und sie schliefen dann später in getrennten Zimmern. Dann blieb er immer öfters weg von zu Hause und ich war mit meiner miesgelaunten Stiefmutter oft alleine zu Hause. Keiner wusste, warum es so war. Und wenn Vater wiederkam, war er oft betrunken. Erst später kam raus, dass er eine Affäre hatte und Biggi deshalb nicht mehr wollte. Auch weil Biggi immer aggressiver wurde und schlechte Stimmung verbreitete. Er wollte und konnte nicht mehr mit ihr weiterleben. Dann eines Tages gab es einen heftigen Streit zwischen ihnen und sie prügelten sich. Danach musste er gänzlich aus dem Schlafzimmer ausziehen und im Gästezimmer auf einer Liege schlafen. Und dann war ihre Beziehung zerrüttet. Und sie beschlossen sich zu trennen. All das Chaos hinterliess auch bei mir Spuren. Ich lernte immer weniger für die Schule, ich blieb immer öfters von zu Hause fern und geriet in schlechte Gesellschaft. Ich schloss mich einer Clique in der Klasse an, die Schläger waren. Sie waren äußerst aggressiv. Und sie waren für ihr gewalttätige Verhalten bekannt. Wir tranken auch oft heimlich in den Unterrichtspausen Alkohol und wir rauchten ab und zu nach der Schule einen Joint. Einmal kam ich auch betrunken nach Hause. Meine Schwiegermutter Biggi brüllte mich wieder an. Sie schlug mich. Doch dann schlug ich heftig zurück. Dann war zwischen uns für immer Kontaktanbruch! Und - weil ich nicht mehr Angst vor ihr hatte, sondern sie von mir und weil ihre Beziehung zu meinem Vater kaputt war - zog sie freiwillig aus. Schliesslich ließen sich Vater und Biggi scheiden. Endlich! Und sie mied mich, seit dem Tag, als ich ihr eins aufs Maul gehauen hatte wegen ihrer vergangenen Versäumnisse und Verfehlungen. Nur das letzte Mal, als ich sie lebend gesehen hatte - da hatte sie sich bei mir für ihr vergangenes Verhalten entschuldigt. Wenigstens etwas. Und ich entschuldigte mich auch, dass ich mich am Ende zu heftig gewehrt hatte und auch zu heftig zurückgeschlagen hatte. So kam ich mit ihr so einigermaßen ins Reine. Danach sah ich sie nie wieder. Was auch gut war. Biggi hatte später - wie ich von Vater erfuhr- eine neue Beziehung mit einem Aussenhandelskaufmann namens Gunnar Weidner. Nach der Scheidung wohnte ich bei Vater Hubert. Wir kamen so einigermassen miteinander aus. Ich machte in Berlin-Charlottenburg eine Fotografenlehre. Als ich mein erstes Geld verdiente, zog ich aus und wohnte fortan in Berlin-Charlottenburg. Ich lernte bald meine Lebensgefährtin Annika Löhmacher kennen. Wir zogen zusammen und wohnten eine Weile in Berlin -Friedrichsstrasse. Doch da es zwischen uns nicht funktionierte, trennten wir uns wieder. Ich fing in dieser Zeit - auch aus Frust -wie mein Vater früher - an zu trinken. Aber nur eine Weile. In dieser Zeit hörte ich, dass Biggis Beziehung zu dem Aussenhandelskaufmann Gunnar Weidner inzwischen gescheitert war und sie Selbstmord verübt hatte. (Sie hatte Tabletten genommen). Sie hatte einen Abschiedsbrief geschrieben, den sie an Vater Hubert geschickt hatte. Das war einen Tag vor ihrem Tod. In diesem Abschiedsbrief schrieb sie, dass der neue Mann Gunnar Mist war: Aggressiv, kalt und rücksichtslos war und dass es zwischen ihnen - aufgrund ihrer unterschiedlichen Lebensauffassungen, Zukunftspläne und Hobbys - gar "nicht passte" und sie still-heimlich immer noch und trotz der voreiligen Scheidung meinen Vater Hubert geliebt hatte und sie bereute noch einmal zutiefs, dass sie in der Vergangenheit so mies zu mir und am Ende zu meinem Vater Hubert war - und damit auch die Ehe - die komplette Familie zerstört hatte. Sie hatte eine Erklärung für ihr Verhalten: Etwas sei damals oft in sie gefahren...und das war möglicherweise eine Erklärung, warum sie so handelte - was zur Zerstörung unserer Familie geführt hatte. Vielleicht war es auch eine psychische Erkrankung? Sie wusste nur nicht, was es war. Das waren ihre letzten Worte, die auf Papier brachte. Das war merkwürdiger Brief, dachte ich damals. Der mich nachdenklich machte. Vermutlich litt sie unter einer psychischen Krankheit, dachte ich. Oder es war etwas anderes. Ich telefonierte eines Tages mit meinem Onkel Richard und ich erzählte auch von Biggis Tod, von ihrer Wesensart und was in unserer Familie genau vorgefallen war. Auch von meinen eigenen Problemen und Biggis Brief. Mein Onkel Richard riet mir zu einer Kirche zu gehen. Und das tat ich dann. Ich besuchte zuerst die katholische Kirche im Alexanderplatz. Später hatte ich Kontakt mit einem Freund, der die Freikirche in meiner Nähe besuchte. Er riet mir die Freikirche zu besuchen. Das tat ich auch. Wenn auch nicht sehr regelmässig. Ich lernte viele nette Kirchengänger kennen, mit denen ich mich gut verstand. Und ich hörte mit dem Trinken auf. Dann hatte ich wieder mein Leben einigermassen im Griff. Dann lernte ich meine zweite Frau Sabrina Kuhlberger kennen. Sie hatte wie ich auch eine gescheiterte Ehe hinter sich. Und ihr Exmann Wiesner starb kurz darauf nach der Scheidung. Sabrina hatte aus ihrer erster Ehe ein Kind - einen Sohn Namens Martin Wiesner-Kuhlberger. Sabrina und ich verliebten uns ineinander und zogen - mit ihrem Sohn - zusammen in eine Wohnung in Berlin- Neukölln. Ich erzählte ihr von der Freikirche, die ich ab und zu besuchte (obwohl ich vieles, was gepredigt wurde, damals noch nicht verstand). Ich überzeugte sie und wir (Sabrina, Martin und ich) besuchten dann zusammen die Freikirche in Neukölln. Wir verstanden uns mit dem Pastor Herbert Begemann sehr gut. Und wir heirateten schon bald dort kirchlich. Sabrina brachte Martin mit in die Ehe, der fortan Martin Wehrmann- Wiesner hiess. Unsere Ehe verlief zuerst gut. Es war heile Welt. Denn damals besuchten wir noch regelmässig die Freikirche. Dann hatten sie irgendwann keine Lust mehr die Kirche zu besuchen. Zuerst gingen wir wenig hin und dann gingen wir fast gar nicht mehr in die Kirche. Wir ließen uns von den alltäglichen Familienverpflichtungen und Materialismus und Sorgen des Lebens allmählich immer mehr ablenken. Und schon trat schon eine leichte Verschlechterung in unserer Beziehung ein. Alte negative Gewohnheiten z.B Streitsucht kamen wieder zum Vorschein. Martin war in dieser Zeit trotzdem noch ein vortrefflicher Sohn. Martin war für mich wie ein eigener Sohn. Er war mein Sohn. Und ich und Sabrina bekamen noch zwei Kinder : Tim und Gerda. So hatten wir dann insgesamt drei Kinder: Tim, Martin und Gerda. Sie verstanden sich gut. Auch wenn Martin etwas eifersüchtig auf Gerda und Tim war, da sie zeitweise mehr Aufmerksamkeit von mir und seiner Mutter bekamen, da sie die jüngsten Kinder waren. Gerda bastelte und zeichnete viel. Und Martin und Tim interessierten sich für Musik. Martin spielte Gitarre und sang, während Tim Keyboard spielte. Sie hingen zuerst mit einigen ruhigeren Punks rum, spielten auch in Schüler - Punkbands. Dagegen hatten wir auch nichts gesagt, da viele Leute in Punkbands spielten. Das fanden wir zunächst positiv. Dann gerieten sie allmählich in fragwürdiger Gesellschaft. Denn nun waren einige in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis, die in höchstem Masse "schräger" waren und auch - wie sich immer mehr herausstellte - auch Drogen zu sich nahmen.

Dann kam Corona und dann der erste Lockdown im März 2020. Die Geschäfte, Schulen, Kirchen, Kinos, Restaurants, Bars, Fitnesstudios, Freizeiteinrichtungen, Diskotheken,... schlossen. Viele verloren ihre Arbeit oder mussten zu Hause im Homeoffice arbeiten. Nur die Supermärkte, Arztpraxen, Apotheken hatten auf. Tim, Martin und Gerda waren zu dieser Zeit zu Jugendlichen herangewachsen. Sie konnten im Lockdown nicht zur Schule gehen. Und ich verlor in der Coronazeit sämtliche Foto-Aufträge. Das führte zu Spannungen zwischen mir und Sabrina. Sie fragte mich, wie es mit Corona (Covid-19) so weitergehen würde? Wann es endlich ein Heilmittel gegen Corona geben würde? Wie würde unser Leben in Zukunft aussehen? Doch ich wusste keine Antwort. Das wusste in dieser Zeit kein Mensch. Wir stritten uns immer öfters. Mehrmals wurde sie hysterisch, weil sie befürchtete, dass die ganze Familie wegen der Coronakrise pleite gehen und auseinanderbrechen würde. Oder sie alle an einer Coronainfektion sterben würden. Ich riet ihr zu einem Psychologen zu gehen. Das tat sie nicht. Ich hatte sicherlich oft den Gedanken mit der gesamten Familie zur Freikirche zu gehen, was uns helfen könnte mit unseren Problemen umzugehen, aber die Kirchen hatten ja alle wegen Corona geschlossen. Sabrina fand meine Vorschläge und Gedanken aus irgendeinen Grund nicht gut. Ich würde in ihren Augen spießig sein und einfallslos sein. Einmal schlug sie mir bei einem Streit sogar ins Gesicht. Weil ich kaum Aufträge und auch kaum Geld hatte, arbeitete ich im Lockdown härter als normal. Ich sah keine andere Möglichkeit. Denn ich musste meine Familie ernähren. Meine Familie kam da zu kurz. Die Kinder blieben oft unbeaufsichtigt. Und da sie aufgrund des Lockdowns und der Schulschliessungen nicht zur Schule gehen konnten, fand der Unterricht nur zu Hause in unserer Wohnung per Zoom im Computer statt oder er fiel ganz aus! Stattdessen sassen sie, während ich verzweifelt versuchte Aufträge zu finden, vor ihrem Laptop oder ihren Handys, die ich ihnen mal früher gekauft hatte. Oft unbeaufsichtigt den ganzen Tag. Sie chatteten mit verschiedenten Leuten. Und auch -wie ich und meine Lebensgefährtin Sabrina später erfuhren- mit Leuten aus der Dark Wave, Death-Metal- oder Gothic - Szene. (Mir ist bis heute ein Rätsel, woher diese Gestalten kamen.) Und mit einigen Drogenkonsumenten und Drogendealern. Wirklich üble Kontakte. Und da ich Ihnen aus Geldnot in der Lockdownzeit kaum Taschengeld geben konnte, die Schule geschlossen hatten, sie die ganze Zeit in ihren Zimmern vor ihren Handys sassen und immer unzufriedener wurden, gingen sie auch mal raus und machten draussen heimlich irgendwelchen Blödsinn. Ich riet Ihnen wegen Corona Abstand vor anderen Leuten zu halten und unterwegs, wenn sie spazieren gingen, eine Maske zu tragen, um eine Coronainfektion zu vermeiden. Sie versprachen mir, dass sie es so machen werden. Dann gingen sie öfters weg. Und blieben oft lange weg! Und zwar so lange, so dass wir (ich und meine Frau ) allmählich unruhig wurden. Und als meine Kinder Tim und Martin eines Tages in der Lockdownzeit ein Telefonat mit einem fremden Mann hatten und ich und meine Frau es belauschten und sie kurz danach wieder die Wohnung verließen, wurden wir misstrauisch. Ich fragte zuerst Gerda, ob sie was wüsste. Doch sie wusste angeblich nichts (ich hielt das für eine Lüge, denn ich vermutete, dass sie bei dem, was da damals lief- was auch immer das war - genau wusste, was los war und mit ihren Brüdern unter einer Decke steckte, doch nachweisen konnte ich ihr nichts). Später verliess auch sie die Wohnung - angeblich für einen Spaziergang. Ich sprach darüber kurz mit meiner Frau und ich beschloss dann der Sache auf den Grund zu gehen. Und so verliess ich die Wohnung und suchte dort draussen auf den Strassen nach meinen drei Kindern, die ja wegen des Coronalockdowns menschenleer waren (abgesehen bis auf ganz wenige Menschen, die mal kurz zum Einkaufen nach draussen gingen oder für einen kurzen Spaziergang.) Und nachdem ich durch die leeren Strassen gelaufen war und lange vergeblich nach meinen Kindern gesucht hatte, sah ich plötzlich meine Söhne Tim und Martin in der Ferne. Sie standen in einer Hausecke neben zwei Männern, die zwei Tüten in der Hand hatten. Ich sah, wie Martin dem einen Mann mit der schwarzen Jacke Geld gab und er im Gegenzug ein kleines Päckchen erhielt. Dann verschwanden die beiden Dealer um die nächste Hausecke. Tim und Martin standen noch eine kurze Zeit an der Hausecke und guckten sich das Päckchen an, das sie gekauft hatten. Bevor sie mich bemerkten, lief ich schnell weg in Richtung nach Hause. Ich kam - obwohl ich die Einzelheiten nicht kannte - zu folgender Schlussfolgerung : Sie kauften Drogen und verkauften diese teurer weiter! Und verdienten so illegal Geld! Und Gerda wusste sehr wahrscheinlich davon. Schwieg aber. Ich ging gerade nachdenklich die Römerstrasse runter, als ein Polizeiwagen hinter mir auf der Strasse erschien. Er fuhr von hinten auf mich zu und hielt neben mir, als ich den Fussweg in Richtung meiner Wohnung lief. Ich tat so, als ob ich den Polizeiwagen nicht bemerkte und nicht wusste, warum der Wagen die Strassen entlang fuhr. Der Polizist, der auf dem Beifahrer sass, kurbelte das Fenster runter und sprach mich an": He, Sie! Wir wollen Sie mal was fragen. Haben Sie die vier Männer gesehen, die hier entlangliefen?", fragte er. "Nein, ich weiss von nichts", log ich. "Sie haben wirklich nichts gesehen?" "Nein. Nichts." "Es waren vier Männer auf der Kuhstrasse. Sie machten illegale Drogengeschäfte. Das hatte jemand beobachtet und jemand rief die Polizei." "Tut mir leid, ich habe nichts gesehen. Ich weiss von nichts." "Können Sie mir Ihren Ausweis zeigen?"
"Ja." Dann holte ich meinen Personalausweis aus meinen Portemonnaie und gab ihn den Polizeibeamten. Er holte einen Block und Stift aus einer Autoschublade hervor, guckte sich meinen Personalausweis genau an und schrieb meinen Namen und meine Adresse auf den Block und gab mir den Personalausweis zurück.
"Darf ich jetzt gehen?", fragte ich.
"Sie laufen hier rum. Sie müssten eigentlich was gesehen haben. Es wäre nett, wenn Sie uns was sagen könnten."
"Ich weiss von nichts. Ich hab niemanden gesehen. Ich hab im Moment gesundheitliche Probleme.... und da habe ich mir die Umgebung nicht genau angeguckt."
"Was haben Sie für Probleme?",fragte der Polizist. "Ich glaube....ich und meine Lebensgefährtin, die zu Hause ist, haben Corona", antwortete ich mit leidvoller Stimme.
Der Polizist auf dem Beifahrersitz wollte noch etwas sagen. Doch der andere Polizist am Steuerrad sagte": Lass ihn. Lass uns weiterfahren. Es ist gut." Vermutlich dachte er, dass ich wirklich Corona hatte und er hatte Angst vor einer Ansteckung bekommen. Ich merkte, dass er mit mir nichts mehr zu tun haben wollte. Es war mein Glück, dass es so kam. Der Kollege auf dem Beifahrersitz, dem ich mein Personalausweis gezeigt hatte, liess mich in Ruhe, kurbelte das Fenster auf seiner Seite schnell hoch und der Polizeiwagen fuhr weiter. Und ich ging nach Hause. Als ich nach Hause kam, waren Tim, Martin und Gerda schon zu Hause. Mutter Sabrina hatte mittlerweile die Drogenpäckchen in ihren Zimmer gefunden und demonstrativ - so dass ich das sehen konnte - auf den Wohnzimmertisch gelegt. Und wusste nun auch was los war. Sie wirkte schockiert. Ich erzählte, was ich beobachtet hatte und kam gleich zur Sache. Ich hielt meinen Kindern eine gewaltige Standpauke. Ich schrie so laut, dass die Nachbarn dachten, dass das Haus zusammenkrachen würde. Nur durch viel Glück rief keiner die Polizei! Das Wort Drogen nahm ich - obwohl ich vor Zorn entbrannt war - nicht in den Mund. So geistesgegenwärtig war ich noch in dieser schwierigen Situation. Ich schrie": Seid ihr nicht ganz dicht, so ein gefährliches Zeug zu kaufen, das weiter zu verkaufen und das auch noch zu konsumieren!!!?"
Sie sagten zuerst nichts. Waren schockiert über meine Reaktion, die nicht unberechtigt war! Schließlich war das, womit sie handelten, ein lebensgefährliches Zeug und ihr Leben, ihre ganze Existenz stand auf dem Spiel. Und ich und meine Frau könnten in diese Sache hineingezogen werden. Ich sprach daher zu ihnen": Wollt Ihr an Drogen sterben? Woll ihr uns ins Gefängnis bringen?" "Ich hab damit nichts zu tun. Es war Eure Idee", sagte Gerda zu Tim und Martin. "Halt das Mund! Oder ich bring Dich um! Du hängst genauso mit drin! Und Du, Vater hast Dich um uns nicht gekümmert, uns kaum Geld gegeben!", schrie Martin. "Schafft das Drogenzeug sofort aus dem Haus!", schrie ich. Dann platzte mir der Kragen. Ich nahm einige Beutel von dem Stoff (vermutlich Kokain), die auf dem Wohnzimmertisch lagen, ich ging damit zur Toilette, riss blitzschnell die Beutel auf und schüttete das Zeug in die Toilette. Und spühlte das Zeug runter. Dann kam Martin zu mir in die Toilette gelaufen. Und er sah, dass ich das Zeug in die Toilette geschmissen und weggespühlt hatte.
"Was tust Du? Das ist meine Einnahmequelle!", schrie er. Er stand mit geröteten wirkenden Augen vor mir. Sie wirkten entsetzlich dämonisch. In diesen Moment wusste ich: Er stand unter Drogen und ich konnte nicht mehr zu ihn durchdringen. "Das Zeug gehört in die Toilette!", schrie ich. "Nein", schrie er. Dann schlug er mir kräftig ins Gesicht. Ich fiel direkt neben die Kloschüssel hin. Plötzlich spürte ich einen Schmerz im Herzen. Sah alles nur verschwommen. "Mein Herz...", schrie ich. Tim und Sabrina eilten sofort zu uns ins Bad. "Was tust Du", schrie Tim zu Martin. "Mein Herz...ich sterbe", sagte ich und japste nach Luft "Vater", schrie Tim. Dann bückte er sich zu mir runter und machte Mund-zu-Mundbeatmung, machte Herz-Massage (das er einmal im Erste-Hilfe-Kurs vor seiner Führerscheinprüfung gelernt hatte). Dieses eine Mal half er mir!! Und auch Sabrina half (was später nicht mehr der Fall war). "Ruf einen Arzt", sagte Tim zu seiner Mutter Sabrina. Dann ging Sabrina ins Wohnzimmer, griff ihr Handy, das auf dem Wohnzimmertisch lag und sie wählte den Notruf. Kurz darauf kam ein Krankenwagen. Ich wurde von den Sanitätern, die in unsere Wohnung kamen, auf eine Bahre gelegt und aus der Wohnung getragen, dann aus dem Mietshaus und wenig später in den Krankenwagen transportiert.
Dann brachten sie mich in ein Krankenhaus. Dort untersuchten sie mich und es stellte sich heraus, dass ich einen Herzinfarkt hatte. Dann bekam ich meine erste Operation. Ich blieb mehrere Wochen im Krankenhaus, bis mein Zustand stabil war. Später wurde ich nach Hause gebracht. Zu Hause versuchte ich mich nach meiner letzten Herz-Op zu erholen
Ich dachte, dass meine Kinder sich ändern würden. Dass sich unsere Familienverhältnisse bessern würden. Aber das war ein Irrtum. Zwar machten meine Kinder Tim und Gerda ihre Lehren. Aber sie waren immer noch oft gemein zu mir und wollten oft Geld, dass ich nicht hatte.
Ich bemühte mich ein guter Vater zu sein. Doch ich scheiterte.
Meine Kinder gerieten charakterlich auf die schiefe Bahn. Besonders mein ältester Sohn Martin. Er geriet in falsche Gesellschaft und fing an härtere Drogen zu nehmen. Er hatte mit Kontakt mit krassen Leuten aus der Dark-Wave, Death-Metal- und Gothic-Szene. Düstere Typen. So düster, dass man sich das nicht vorstellen konnte. (Wobei ich nicht sagen will, dass alle aus der Dark-Wave-, Gothic- und Death Metal-Szene fragwürdige Menschen sind, da gibt auch viele, die menschlich in Ordnung sind oder für einige Menschen gute Kumpels sind und auch interessante Kunst oder Musik machen. Man muss ja tolerant sein. Aber diese Leute, mit denen meine Kinder Tim und Martin sich rumtreiben, waren NICHT IN ORDNUNG. Das waren Drogenabhängige, düstere, aggressive, unangepasste, hasserfüllte und gewaltbereite Leute mit sehr bösen Eigenschaften.) Manchmal trieben sie sich auch oft auf Friedhöfen rum...Was sie da machten, sagten sie mir nicht. Sie waren manchmal ganz in schwarz gekleidet. Das kam mir oft komisch vor. Ich redete mit Tim. Er hörte kurz darauf auf Drogen zu nehmen. Und er wurde etwas netter. Und auch Gerda, die nichts mit Drogen zu tun hatte, änderte sich etwas zum Guten, indem sie etwas netter zu mir wurde. Obwohl sie manchmal noch richtig gemein zu mir waren! Aber ihr Bruder Martin war eine einzige Katastrophe. Ich hatte deshalb öfters Streit mit ihm. Und auch seine Mutter mit ihm. Wir rieten ihm zur Therapie, dass er von den Drogen etc. runterkommt. Aber es klappte nicht. Es wurde immer schlimmer mit seiner Drogensucht. Und er wurde immer aggessiver. Mein Pastor Begemann, der ihn mal erlebte, sagte mir, dass er völlig verrückt war. Besessen. Des Satans. Und das, obwohl ich tat, was ich konnte.
Pastor Begemann sagte zu mir nachdem ich ihm von dem Benehnen meiner Kinder erzählt hatte": Pass auf. Der Satan klaut irgendwann Deine Familie." Ich dachte, es sei ein Fake oder Witz. Erst später erkannte ich: Er hatte Recht. Am Schlimmsten fand ich, dass Martin nicht nur Drogen konsumierte, sondern verkaufte.

Dann war der Lockdown am 20.4.2020 zu Ende, es gab die ersten Lockerungen und die Geschäfte öffneten wieder - auch wenn Restarants, Clubs, Diskotheken, Freizeiteinrichtungen, Kinos noch geschlossen hatten. Auch die Kinder wurden da etwas normaler. Tim begann eine Lehre als Klempner und Gerda machte eine Lehrere zur Friseuse. Sie hörten auf Drogen zu nehmen und wurden vernünftiger. Da war nur noch Martin, der immer noch Probleme machte. Am 23. Mai 2020 ärgerte ich mich so sehr über Martin, dass ich meine zweiten Herzinfarkt bekam. Ich war 14 Tage lang im Krankenhaus. Dann kam ich wieder nach Hause. Trotz meiner gesundheitlichen Probleme, bemühte ich mich weiterhin, mich um die Kinder zu kümmern und sie zu erziehen. Das war nicht leicht! Zumal uns Geldsorgen plagten, denn ich hatte in der Coronazeit sämtliche Aufträge verloren und musste auch viel mehr als üblich arbeiten. Während Tim und Gerda sich besserten, indem sie ihre Lehren machten und zu mir netter wurden, war Martin immer noch eine einzige Katastrophe! Er dealte weiterhin mit Drogen und nahm Drogen! Und er hatte inzwischen sogar die Ringe von seiner Mutter Sabrina gestohlen! Und er war gemein und aggressiv. Ich versuchte mit ihm zu reden. Aber es brachte nichts. Und ich wusste: Ich hatte als Vater versagt.

Dann eines Tages reichte es mir. Ich belauschte in der Wohnung heimlich ein Gespräch, dass Martin mit einem Typen führte. Ich erfuhr damals zufällig, dass er sich mit so einen Typen auf der Autobahnbrücke an diesem Abend treffen wollte. Worum es bei dem Gespräch ging, wusste ich nicht genau. Aber ich vermutete, dass er von diesem Typen Drogen kaufen wollte. Dann verliess er abends (als es draussen schon dunkel war) die Wohnung und lief zur Autobahnbrücke. (Ich hatte das einigen Menschen schon mehrmals mündlich mitgeteilt, dass sich das so zugetragen hatte und kann mich nur erneut wiederholen). Ich folgte ihm unauffällig. Und dann sah ich ihn an der Autobahnbrücke. Er stand dort und hatte gerade diese Tüte mit den Drogen in der Hand. Er hatte diese von einem Typen gekauft, mit dem er sich auf der Brücke getroffen hatte. Ich sah noch, wie dieser Typ, der ihm die Drogen verkauft hatte, gerade wegging und die Brücke veliess. Ich rief ihn etwas hinterher. Doch er verschwand ohne sich umzudrehen. Dann sprach ich zu Martin": Leg das Zeug weg. Das sind Drogen. Gib mir das Zeug am Besten." Er blickte mich mit dämonischen Blick nur aggressiv und böse an. Er dachte nicht daran, mir die Drogen zu geben. Als ich näher kam, sah ich, dass er völlig high war. Völllig auf Droge! Er sah auch verwirrt aus. Als wäre er in einer fremden Welt. "Komm nicht näher. Sonst bringe ich Dich um", rief Martin mir zu.
"Leg das weg. Oder gib mir das Zeug. Drogen sind immer verkehrt. Das wird Dich früher oder später umbringen", sagte ich zu Martin. Er lachte irre. "Hahahaha. Na und? Ist das so wichtig?" "Du bist wichtig. Red keinen Mist. Gib mit das Zeug. Oder ich nehme es Dir weg!", schrie ich autoritär.
"Was willst Du? Misch Dich nicht in mein Leben ein", schrie Martin zurück. Ich ging auf ihn zu und wollte ihm die Tüte voll Drogen wegnehmen, das er in der rechten Hand hielt. Dann schlug er mir ins Gesicht. Ich verlor das Gleichgewicht und fiel fast zu Boden. Dann wurde ich aggressiv. Ich schlug zurück. Dann schlug er wieder zurück. Und ich wieder zurück. Dann riss ich ihm die Tüte voller Drogen weg. Und ich schlug wieder zu und er fiel zu Boden. Ich stand gerade am Brückengeländer, hinter und unter mir war die Straße, an denen ab und zu ein Auto vorbeiraste. Martin wurde wütend, richtete sich auf, fletschte die Zähne und ballte die Fäuste. Dann rannte er auf mich zu und schlug nach mir und wollte mich die Brücke runterschubsen - da war ich mir sicher! Ich wusste in diesem Augenblick: Es ging um mein Leben. Als er dicht am Geländer stand und nach mir schlug, ging ich blitzschnell in Deckung und er schlug gegen Luft. Dann verlor er das Gleichgewicht. Er fiel über das Geländer von der Brücke. Er klatschte auf die Strasse und war sofort tot. An seinem Kopf bildete sich eine grosse Blutlache.
Dieses entsetzte Gesicht, das ich sah und dieses Geräusch des Aufpralls werde ich nie vergessen! Es wird mein Schicksal sein, dass ich das nicht vergessen werde! Und dann war alles aus. Für ihn. Aber auch für mich. Ein Passant hatte zufällig - obwohl es draussen so dunkel war- gesehen, wie wir auf der Autobahnbrücke miteinander gekämpft hatten. Obwohl er nichts Genaues gesehen hatte, behauptete er später bei der Polizei steif und fest, dass er genau GESEHEN hatte, dass ich es gewesen war, der ihn runtergestossen hatte! Und da ich - nachdem er runtergestürzt war- seine Tüte DROGEN intuitiv und unüberlegt für einen Moment in die Hand nahm, machte ich einen Fehler. Denn der Passant sah mich, wie ich die Tüte in der Hand hielt. Erst dann lief ich von der Autobahnbrücke zu Martin, der am Rand der Autobahn auf dem Asphalt lag und leistete Erste Hilfe...

Ich geriet schnell in den Verdacht meinen Sohn Martin umgebracht zu haben. Meine ganze Familie war gegen mich. Sie nannten mich Mörder, Verbrecher. "DU hast ihn umgebracht. Es war nicht nur mein Sohn, sondern Dein Sohn! Du hast es nicht kapiert! ES WAR AUCH DEIN SOHN. Du hast hast ihn umgebracht!", schrie meine Frau Sabrina. "Du hast ihn nie als Dein Sohn akzeptiert." "Das stimmt nicht. Du redest Unsinn. Ich wollte ihm nur die Drogen wegnehmen!", versuchte ich mich zu verteidigen. "Raus aus meiner Wohnung. Sonst ruf ich die Polizei", schrie sie. Dann ging alles sehr schnell. Ich wurde verhaftet, verurteilt und kam ins Gefängnis. Und nun sitze ich hier in der Haftanstalt."

Das muss ich zum Abschluss noch anmerken:

Ich muss an das denken, was der Pastor gesagt hatte. Er meinte, die Kinder hätten schlechten Umgang und der Satan würde unsere Familie entzweien. Denn Satan freut sich, wenn die Familie zerstört werden und die Erde immer mehr zerstört werden wird. "Satan will am besten, dass die ganze Erde verbrannt wird!", sagte er. Daran erinnere ich mich jetzt genau! Der Pastor riet mich und meine Frau die Kinder mit Milde zurechtzuweisen. Und wenn es nichts bringen würde auch mal härter durch zugreifen z.B. Taschengeld zu kürzen, Haus-Arrest. Und auch mehr die Kirche zu besuchen. Ich muss auch zugeben, dass wir seit der Coronakrise eine Weile die Freikirche nicht mehr besuchen konnten, weil die Kirchen wegen Corona geschlossen hatten. Und weil ich in der Coronazeit viel arbeiten musste, damit wir NICHT PLEiTE GEHEN wegen Corona. (Auch das ist von Satan: Durch Druck und Not, die schlechte Zeiten mit sich bringen, bewirken, dass man nur noch bis zum Umfallen arbeitet und ans Geldverdienen denkt und Gott und die Familie dabei vergisst! Satan will, dass wir ein primitives, gottloses Leben führen! Am besten nur aufstehen, arbeiten als auszubeutendes, anonymes, gesichtsloses No-Name-Arbeitsbienchen - am besten irgendwo am Fliessband, dann ausgepowert nach Hause kommen, freuen auf die Frau, die man abends kurz im Bett beglücken kann, essen, scheissen und dann schlafen gehen und am nächsten Tag geht das alles wieder von vorne los...und das immer so weiter bis ans Lebensende - bis man irgendwo bedeutungslos und gesichtslos im Grab verschwindet.) Leider arbeitete ich viel zu viel - was im Nachhinein verkehrt war! Aber nach späterer Überlegung sagte ich mir: Was hätte ich tun sollen? Ich musste ja arbeiten in dieser Corona-Ausnahmesituation, wo es fast keine Aufträge gab. Ich bin auch nur ein Mensch. Ich und meine Frau Sabrina versuchten den Rat von Pastor Begemann bezüglich Kindererziehung und Erziehung von Jugendlichen umzusetzen. Doch es nützte nichts. Unsere "halbwüchsigen Kinder" waren durch und durch rebellisch. Sie behandelten mich auch nach meinen beiden Herzinfarkten schlecht. Am schlimmsten war Martin. Dann passierte es mit der Autobahnbrücke. Und von da an war mein Schicksal besiegelt! Nun erwartet mich die Todesstrafe und meine Familie klagt mich an. Das ist meine Geschichte in Kurzform."

Es war 3 Uhr morgens, als Gustav seine Geschichte oder den Text zu Ende geschrieben hatte. Dann machte er davon noch eine zweite Abschrift. Und dann war es 4 Uhr. Gustav lehnte sich erschöpft zurück und war froh, dass er angesichts der stressigen Situation und des bevorstehenden Vollstreckung des Todesurteils es geschafft hatte diesen Text zu schreiben, der alle wichtigen Fakten und Ereignisse enthielt. Und noch eine zweite Abschrift davon angefertigt zu haben! Er hatte nun diesen Text, seine Geschichte zu seiner Verteidigung in zweifacher Ausfertigung! Er legte sich kurz darauf müde auf sein Bett, um wenigstens einige Stunden zu schlafen. Zumindest wollte Gustav das versuchen, denn er stand noch - angesichts seiner Lage - unter inneren Spannung.

Es war gegen 6 Uhr, als der Gefängniswärter Trede (weil der Mann mit dem Essen oder der "Essenverteiler" angeblich krank war und in den Morgenstunden einen Arzttermin hatte) kam und ihm das Essen und Trinken brachte. Gustav nahm zuerst sein Essen und Trinken entgegen und stellte alles auf seinen Bett in seiner Zelle. Dann gab er Trede die Abschrift seiner Geschichte. Die er schweigend entgegen nahm. Mal sehen, ob das was bringen würde, dachte Gustav. Der Gefängniswärter Herr Trede wünschte ihm viel Glück. Nachdem er ihm erzählt hatte, dass er nicht viel tun konnte, ging er mit Gustavs Geschichte in der Hand weg. Und nachdem Gustav auf seinen Bett gesessen und gegessen und getrunken hatte, ging er wieder zu seinem (Schreib-)Tisch, setzte sich dorthin und fertigte noch drei weitere Abschriften seiner Geschichte an.

Dann besuchte ihn um 15 h nachmittags ein Reporter von der Zeitung "Berliner Blick." Er hiess Timo Meibach. Wer ihn und seine Zeitung, für die er frei arbeitete, informiert hatte, war Gustav schleierhaft. Er stand einfach plötzlich vor seiner Zelle! Gustav erzählte Herr Meibach seine Version der ganzen Geschichte. Und er erklärte ihm, das er unschuldig war. Er ging schnell zum Tisch, schrieb schnell noch seine Kontaktadresse und Telefonnummer auf die Rückseite von einer seiner drei Abschriften seiner Geschichte, die er dort liegen hatte (das hatte er in der Eile und wegen seiner Nervosität vergessen) und lief er mit dieser Abschrift der Geschichte zum Gefängnistür zurück und gab sie dem Reporter Meibach durch due Gitterstäbe.
"Ob Sie schuldig sind oder nicht muss erst klar bewiesen werden", sagte er.
"Genau. Das Urteil ist fehlerhaft. Ich habe die Geschichte genau aufgeschrieben. Es existieren davon mehrere Abschriften und eine davon können Sie haben", antwortete Gustav.
"Haben Sie Ihren Sohn ermordet?", fragte der Reporter Gustav eindringlich."
"Nein. Ich bin unschuldig. Das war ein Unfall. Er stand zu dicht am Brücken-Geländer und verlor das Gleichgewicht, als er mich schlagen wollte. Dann fiel er von der Brücke. Es ging alles ganz schnell. Es steht alles in meinen Aufzeichnungen", sagte Gustav.
"Wir werden darüber berichten", sagte Herr Meibach.
Und dann sagte Gustav (er war selbst überrascht, dass er das, was er in letzter Zeit oft dachte jetzt nun aussprach) etwas, was den Reporter Meibach stutzig machte.
"Der Teufel hat Schuld! Er hat mein Unglück verursacht und darum bin ich hier! Und der Teufel hatte Martin als Werkzeug benutzt und dann -als er ihn nicht mehr brauchte-weggeschmissen. Denn meine Kinder nahmen nicht nur Drogen, sie hatten auch mit finsteren Gestalten zu tun. Einige Deathmetal-und Gothic-Musiker, die mit Spiritismus, Hexerei,...zu tun hatten. Der Pastor nannte sie sogar Satanisten! Und Satan hat es geschafft meine Familie gegen mich aufzubringen! Er hat mir meine Familie geraubt! Er ist der Schuldige!", sagte Gustav aufgebracht.
Der Reporter Meibach war nervös, irritiert und fürchtete sich etwas, als er das sagte. Er wusste nicht, ob Gustav das erst meinte oder nicht oder ob er einfach nur irre war. Auf der anderen Seite wusste er, dass Leute kurz vor dem Tod oft so reagieren würden. Erst recht vor einer Hinrichtung! Meibach ging einen Schritt zurück.
Dann sagte Meibach": Ich werde diese Geschichte lesen und dann werde ich darüber berichten und ich wünsche Ihnen viel Glück." Dann ging er.
Dann sprach der Zellennachbar Gustav an.
"Das waren ja krasse Worte. Aber so...reagieren viele, die die Todesstrafe erwartete", sagte Heiner. Und sprach daraus, was der Reporter Meibach dachte.
"Ich meine es ernst. Es ist nicht normal, was auf der Welt passiert. Es ist Endzeit. Die große Ernte steht bevor", sagte Gustav.
"Du meinst es wirklich ernst?"
"Ja."
"Vielleicht schaffst Du es, mich zu so zu überzeugen, dass ich Christ werde."
"Das ist das Wissen, das ich von meinen Gemeindebesuchen noch weiss. Gott wird mir vergeben. Wenn die hartherzigen Menschen es nicht können, er weiss, dass Schlechtes nicht Gutes ist und Gutes nicht Schlechtes. Und dass das Recht nicht verdreht werden kann - jedenfalls nicht ungestraft und das ich unschuldig bin. Ich, der sich nur wehren will. Ich wollte immer das Beste für meine Kinder. Aber das Beste was ich gab, war nicht gut genug. Ich habe als Vater versagt. Aber die Todesstrafe? Warum bekommen die anderen, die so selbstherrlich über mich richten und selbst arrogant, hochmütig und voller Sünde sind, nicht die Todesstrafe? Wenn ich die Todesstrafe bekomme, dann sie auch", sagte Gustav.
"Glaub mir. Die bekommen auch noch ihre Strafe", ergänzte Heiner.
"Ehrlich gesagt, bin ich ein Sünder. Wie wir alle laut der Bibel und ich will mich nicht gerechter machen, als ich bin. Aber ich habe meinen Sohn Martin nicht ermordet", erklärte Gustav.
Dann schwiegen sie.
Kurze Zeit später brachte der Mann mit dem Essenswagen Gustav und Heiner das Mittagessen (er war nach seinem morgendlichen Arzttermin wieder hierher zurückgekommen und nach seinen Angaben wieder gesund). Danach ass und trank jeder von ihnen in seiner Zelle. Dann räumte Heiner in seiner Zelle etwas auf, während Gustav in dieser Zeit Argumente aufschrieb für seine Verteidigung, die die Geschworenen und den Richter - bei einer möglichen Gerichsverhandlunng - überzeugen könnten. Um 17 Uhr kam noch einmal der Prediger zu Gustav, um ihn zu ermuntern. Er schlug sofort die Bibel auf, als er vor seine Zelle stand. Er setzte sich an den Tisch an der Zelle und las aus der Bibel vor.
"In 1. Korinther 15:21 steht:
Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten."
"Habe ich eine Auferstehung, wenn man mich hingerichtet hat?", fragte Gustav.
"Wenn Du bereust, ja", antwortete Rateberg.
Gustav schwieg eine Weile.
"Wissen Sie....Das Urteil ist ungerecht. Ein Fehler. Ich wollte immer das Beste für meine Familie. Ich habe es...in der Coronakrise einfach nicht geschafft. Ich war schwach. Der Teufel mit seinen Versuchungen...hatte mich ausgetrickst", erklärte Gustav.
"Der Mensch ist schwach und unvollkommen. Besonders in der Not. Alleine Bedrückung bewirkt, dass ein Weiser unsinnig handelt", sagte Rateberg.
"Ja."
"Gott sieht alles. Der Rest ist Gelaber. Philosophien, Überlegungen von unvollkommene Menschen, die auch nicht ins Herz schauen können."
"Ja. Aber ich weiss , dass es auch für gute Menschen in diesem System nicht gut enden muss. Wenn man an die Christen in Rom denkt. Man hat viele von diesen Löwen in der Arena zum Frass vorgeworfen. Viele wurden abgesondert und schlecht behandelt", sagte Gustav.
"Aber sie werden aufgeweckt werden, weil sie gerecht waren und für den Glauben gestorben sind. Alle Guten werden auferstehen. Die Bösen jedoch nicht. Da ist der Unterschied", sagte der Prediger Rateberg.
"Und ich krepiere eben hier in der Todeszelle", sagte Gustav.
"Sei beruhigt. Es müssen alle sterben. Nur ein Pieks in den linken und rechten Arm und Du hast es hinter Dir", sagte Rateberg.
"Ich bin noch zu jung, um zu sterben."
"In diesem Punkt gebe ich Dir Recht....aber ...von der Welt heutzutage ist nicht mehr viel zu erwarten. Die Moral geht immer mehr den Bach runter. Kriege, Hass, Mord, Gewalt, Unterdrückung, Ehebruch, Prostitution,...Seit Corona wurde alles schlimmer. Dann der Ukraine-Krieg. Es wird alles nur noch schlimmer. Die Kinder heutzutage tun mir leid. Denn sie haben keine Zukunft mehr. Denn das ganze politische Sytem...ist völlig aus den Fugen geraten. Die Leute haben ihren Masstab verloren. Sie wenden sich von Gott ab. Viele betrügen, lügen, begehen Ehebruch, verschmutzen die Umwelt, es gibt Prostitution,....Es gibt auf der Welt Streit, Mord, Hass, Gewalt. Keine Regierung kann all diese Probleme erfolgreich lösen - denn bisher haben menschliche Regierungen zum Schaden über die Menschen regiert. Aber Gottes Regierung wird Erfolg haben!", sagte der Prediger.
"Ja. Viele werden es merken", sagte Gustav.
"Aber viele werden es zu spät merken. Denn dann wird es zu spät sein. Viele hatten damals zur Zeit Noas gesehen, dass er und seine Familie an der Arche gebaut hatten. Aber sie gingen nicht in die Arche hinein, die sie hätte retten können! Und dann war irgendwann die Tür zu, der Regen kam. Dann kam die Sinntflut und dann waren alle Ignoranten, ungläubigen und bösen Menschen weg. Untergegangen!", erklärte Rateberg.
Gustav wechselte das Thema.
"Ich muss die Richter und Geschworenen von meiner Geschichte, die ich aufgeschrieben habe, überzeugen. Das ist wichtig. Ich habe mehrere Abschriften von meiner Geschichte und der Wahrheit von Martins Tod gemacht", sagte Gustav.
"Meinst Du, dass Deine Bemühungen Aussicht auf Erfolg haben wird?", fragte der Prediger Rateberg.
"Ich hoffe." Gustav schwieg eine Weile. Dann wurde er emotional und sagte": Der Teufel. Der Teufel hat die Hauptschuld! Und ich...ich elender naiver Ungläubiger, der ich war...ich hätte es eher erkennen müssen. Ich hätte diese Fallen des Teufels eher erkennen müssen! Ich hätte mich in der Coronakrise um meine Familie mehr kümmern müssen! Anstatt nur zu arbeiten... aber ...wir hatten ja kaum Geld im Lockdown. Was hätte ich denn tun können? Mir blieb doch kaum eine andere Wahl."
"Das ist sehr interessant, was Du erlebt hast. Ich würde alles - auch Deine Emotionen und das, was Du erlebt hast - aufschreiben."
"Habe ich schon. Ich habe inzwischen mehrere Abschriften von meiner Geschichte angefertigt."
"Vielleicht schaffst Du es die Leute von Deiner Unschuld zu überzeugen", sagte der Prediger.
"Das will ich versuchen", antwortete Gustav.
"Ich wünsche Dir viel Glück."
"Danke."
Dann ging der Prediger Rateberg fort.
"Na, dann hat er Dich noch einmal wenigstens ermuntert", meinte Heiner aus der Nebenzelle.
"Ja", antwortete Gustav.
"Du kannst ja eine Abschrift Deiner Geschichte meinem Anwalt übergeben. Vielleicht überzeugt es den Anwalt, wenn er morgen kommt."
"Ja."
Dann schwieg Heiner. Gustav setzte sich an den Schreibtisch und fertigte eine neue, 5. Abschrift seiner Geschichte an. Zur Sicherheit. Als er mit der 5. Abschrift fertig war, legte er sich ins Bett und schaltete die Lampe aus. Und dachte lange nach. Werde ich der Vollstreckung des Todesurteils entgehen? Und wenn meine Unschuld bewiesen ist, werde ich wieder freikommen?", dachte er. Lähmende Angst kam in ihm hoch. Dann dachte er an Sabrina, als es zwischen ihnen noch gut lief. Wie sie nachts auf ihm ritt in der Reiterstellung. Er sah ihre wohlgeformten Brüste vor sich...Er sehnte sich nach ihr und hatte eine Erregung. Aber....leider lief es mit ihr seit der Coronakrise auch nicht mehr so toll. Jedenfalls nicht mehr im Bett. Woran es lag, konnte er kaum sagen und er wollte auch mit niemanden darüber reden.
Dann lernte in der Coronakrise Lucia Lüders kennen. Sie lernten sich Anfang April 2020 in der Coronakrise kennen und sie hatten dann ungefähr ein Jahr ab und zu Kontakt miteinander. Sie kamen zum ersten Mal in der Bahn ins Gespräch. Und sie stiegen beide in Neukölln aus... Und dann hatte er Bilder vor sich, wie sie nackt war und vor ihm stand. Er sah ihre Brüste. Hatte dann diverse Fantasien. Dann verschwanden plötzlich allmählich diese Bilder. Dann wurde er irgendwann müde und schlief ein. Was er zuletzt dachte und träumte, daran konnte er sich später nicht erinnern.

Es war so ungefähr 8 Uhr morgens, als er Schritte und Stimmen hörte. Er fuhr mit seinem Kopf hoch von seinem Bett und blickte in den Gang. Er sah, wie zwei Männern in Richtung Heiners Zelle gingen. Der eine Mann war der Gefängniswärter Herr Trede. Der andere Mann im Anzug hatte eine Aktentasche in der Hand. Gustav vermutete, dass es der Anwalt war, von dem Heiner erzählt hatte. Der Mann blickte im Vorbeigehen kurz in Gustavs Zelle und grüßte kurz und knapp, als er Gustav bemerkte. Dann ging er mit dem Gefängniswärter zu Heiners Zelle. Dort sprach der Anwalt zu Heiner": Hallo Herr Kempke. Ich bin da, um Sie zu vetreten. Ich bin hier in Begleitung des Gefängniswärters hier."
"Ich habe Dich erwartet", erwiderte Heiner.
Gustav wurde wach, als Heiner statt "Sie" nun "Dich" sagte. Er kannte scheinbar seinen Anwalt wirklich näher! Gustav stand schnell von seinem Bett auf und ging zu seiner Zellentür - in der Hoffnung, dass der Anwalt ihm helfen könnte. Er konnte in diesen Moment zwar nicht in die benachbarte Zelle blicken und auch nicht Heiner erkennen. Aber er konnte durch die Gitterstäbe viel beobachten. Und was er nicht sehen konnte, konnte er hören. Und was er sah und hörte war interessant.
"Aber natürlich. Ich habe alles vorbereitet", sagte der Anwalt zu Heiner. "Ich hole Dich schon raus."
"Das ist gut. Vielen Dank für die Bemühungen, Herr Schütte."
Jetzt sagte Heiner "Herr" zu ihm- obwohl er ihn scheinbar näher kannte. Er will vor mir verbergen, dass er ihn näher kennt, dachte Gustav.
"Es sind neue Beweise aufgetaucht, dass Sie unschuldig sind. Eine DNA von einem Herr Tobias Kaiser wurde am Tatort gefunden. Kennen Sie den?", fragte der Anwalt Herr Schütte.
"Aber ja. Mit dem hatte meine Frau früher eine Affäre gehabt. Da war es wegen ihrer Untreue fast zur Scheidung gekommen. Sie sagte mir später, dass sie ihre Untreue tiefst bereut hatte und die Beziehung zu ihm aufgegeben hatte und wir waren danach noch 10 Jahre verheiratet....ich wusste das nicht, dass..." Er unterbrach kurz. Seine Stimme klang weinerlich und brüchig. Dann redete er weiter": Ich wusste nicht, dass meine Jutta noch Kontakt zu ihm hatte."
Der Anwalt Schütte räusperte sich.
"Offensichtlich doch. Auch nachdem Ihre Frau angeblich sich bessern wollte, brach sie den Kontakt zu ihn nicht ab. Es ist inzwischen klar, dass sie die ganze Zeit nach dem Ehebruch mit ihm ein Verhältnis hatte."
"Was? Die ganze Zeit? Während der gesamten Ehe?", fragte Heiner ungläubig.
Er schwieg eine Weile.
"Es tut mir schrecklich leid", sagte der Anwalt Schütte.
"Es ist unbegreiflich."
"Es gab auch zwischen ihnen Spannungen, weil Ihre Frau einen dritten Mann namens Felix Wesselmann kennengelernt hatte. Einmal gab es einen heftigen Streit zwischen ihnen. Da hatte Tobias Kaiser in Raserei Ihre Frau ermordet. Um seinen Mord zu vertuschen, hatte er Ihnen den Mord angehängt", erzählte Schütte.
"Das wusste ich schon immer. Mir wollte man den Mord anhängen", antwortete Gustav.
"Ja. Sie waren die erste Person, die Ihre Frau tot entdeckt hatte. Das hatte Sie verdächtig gemacht. Und Sie hatten dann die Tatwaffe entdeckt und angefasst. Das war der Fehler."
"Ich ...kann es nicht begreifen. Ich war...damals einfach nervös", sagte Heiner stotternd.
Gustav schwieg einen Augenblick. Und hörte, wie Heiner zu seinem Anwalt sagte": Sie haben gute Arbeit gemacht."
"Ich tue mein Bestes", sagte Herr Schütte.
"Wann komme ich frei?", fragte Heiner.
"Sie sind in zwei Tagen ein freier Mann. So die Information."
Es herrschte einen Augenblick Schweigen. Dann flüsterte der Anwalt Schütte ihm etwas zu. Was er ihm zuflüsterte, konnte Gustav nicht verstehen. Er verstand alles nicht so richtig, was um ihm herum passierte. Alles wirkte wie ein inszeniertes Theaterstück. So unwirklich und fremd. Und er fühlte sich etwas wie ein Mensch, der aus einem Opiumrausch erwacht war. Er war irgendwo da und doch irgendwo woanders. Auch das Gefängnis und der Gerichtssaal, in dem er kürzlich verurteilt worden war, kamen ihm fremd vor. (Er wusste noch nicht einmal, in welchem Ort das war. Und zu welcher Zeit sich das alles genau abspielte.)
"Es wird alles nur noch ganz einfach sein. Die Beweise liegen auf den Tisch. Es braucht keine große Arbeit, sie zu überzeugen."
Der Anwalt Schütte stellte seine Aktentasche auf den Boden, öffnete sie und holte ein kleinen Altenordner heraus. Er öffnete ihn und holte zwei Zettel aus der Klarsichthülle und reichte sie Heiner durch das kleine Zellenfenster. Denn das konnte Gustav an dem metallische Geräusch und das leichte Quietschen der Zellentür bemerken, das immer ertönte, wenn sie auf- und zuging.
"Es steht dort alles drin. Der Schriftsatz für die Verteidigung, die ich entworfen habe", sagte Schütte.
"Wann komme ich frei?", fragte Heiner.
"Schon übermorgen."
"Wirklich? Sie haben tolle Arbeit geleistet. Ich werde Sie weiter empfehlen."
"Das ist gut. Immer. In Ihrem Fall war es klar, dass Sie freikommen. Das hatte ich ja schon bei unserem letzten Gespräch gesagt."
"Ich wusste, dass ich freikommen werde. Deshalb war ich ruhiger als andere Häftlinge, denen die Vollstreckung des Todesurteils bevorsteht. Der Richter und die Geschworenen hatten mich völlig überraschend und voreilig zum Tode verurteilt. Wie kann das sein? In welcher Welt leben wir? Und dann bin ich jetzt plötzlich unschuldig und komme frei? Wie können sich die Geschworenen, Richter....so irren? Die müssen doch völlig blöd sein. Ein völliger Justizirrtum", meinte Heiner.
"Das war alles Schlamperei! Ich hatte sofort gesehen, dass was nicht stimmt in ihrem Fall und Sie auf keinen Fall der Mörder sein können", sagte Herr Schütte.
"Eben", entgegnete Heiner.
"Es wird auch Klage eingereicht werden und Schadenersatz wird fällig für die Zeit, in der Sie unschuldig in Haft sassen. Denn das war eindeutiges Fehlverhalten der Justiz und das gleichgültiges Verhalten gegenüber den Beschuldigten - in diesem Fall Ihnen gegenüber. Das waren keine einfachen Fehler", meinte der Anwalt Schütte.
"Wenn es noch Gerechtigkeit gibt...", sagte Heiner.
"Es gibt Schadenersatz. Das Gericht muss die Verantwortung übernehmen. Denn es wurde schlampig ermittelt, Beweise unter den Teppich gekehrt. Das geht nicht!"
"Das ist gut, dass es der Fall ist. Ich bin erst mal froh, frei zu sein", sagte Heiner.
"Das kann ich verstehen."
Dann rief Gustav plötzlich": Herr Schütte. Hätten sie gleich kurz Zeit?"
"Einen Moment bitte. Ich bin beschäftigt", antwortete Herr Schütte.
Dann schwiegen sie einen Moment. Gustav wollte gerade sich ein zweites Mal bemerkbar machen, als Heiner zu seinem Anwalt Herr Schütte sagte": Ich habe noch einen Fall, wo es sich um einen Justizirrtum handelt. Das handelt sich um Gustav Wehrmann, der links in meiner Nebenzelle sitzt. Er sitzt wegen angeblichen Mordes an seinem Sohn Martin im Gefängnis und wartet auf die Vollstreckung seiner Todesstrafe. Dabei ist er unschuldig Und er hat keinen Anwalt. Kannst Du ihm helfen?"
Der Anwalt Schütte schwieg erst. Dann sagte er": Ich werde es versuchen."
Dann ging er zu Gustavs Zellentür. Und dann standen sich Gustav und er gegenüber. Nur die Gitterstäbe trennten sie voneinander.
"Sie sind die Anwalt Herr Schütte?", fragte Gustav.
"Ja. Ich bin Jochen Schütte von der Kanzlei Weidner und Wehner. Und Sie?"
"Ich bin Gustav Wehrmann. Ich würde beschuldigt meinen ältesten Sohn Martin von der Autobahnbrücke gestoßen zu haben und somit ermordet zu haben. Aber ich bin unschuldig. Ich habe es nicht getan. Es war ein Unfall. Und ich habe keinen Anwalt, der mich vertritt. Können Sie mir helfen? Ich muss hier raus, denn mich erwartet die Todesspritze", erklärte Gustav.
Der Anwalt Schütte runzelte die Stirn.
"Es tut mir leid...aber ich kann Sie nicht vertreten. Denn ich habe genug Mandanten! Ich bin ausgebucht."
"Aber können Sie denn gar nichts tun?", fragte Gustav.
"Ich werde das versuchen. In meiner Kanzlei sind mehrere Anwälte. Einer heisst zum Beispiel Egon Drechsler. Ich kann ihm gerne Ihren Namen und Telefonnummer geben und er wird sich bei Ihnen melden. Mehr kann ich nicht tun", sagte Herr Schütte.
"Ich habe meine Geschichte und die Wahrheit über den Tod meines Sohnes Martin kurz aufgeschrieben. Diese Geschichte - eine Abschrift davon - kann ich Ihnen geben. Es wäre nett, wenn Sie das Herrn Drechsler geben könnten", flehte Gustav ihn an.
"Das kann ich machen", sagte Herr Schütte.
Dann lief Gustav schnell zu seinem Schreibtisch, griff sich eine der Abschriften seiner Geschichte, die auf seinen Tisch lagen und die er mit seinem Namen, Adresse, Mailadrese, Telefonnummer versehen hatte, lief damit wieder zur Zellentür und gab sie Herrn Schütte durch die Gitterstäbe.
"Ich bedanke mich. Adresse haben Sie aufgeschrieben?", fragte Herr Schütte.
"Ja. Habe ich auf die Rückseite geschrieben", antwortete Gustav.
"Gut. Ich gebe die Geschichte Herrn Drechsler. Er wird sich bei Ihnen morgen melden", sagte Herr Schütte.
"Ja. Vielen Dank."
Dann steckte der Anwalt Gustavs Geschichte in seine Tasche. Und dann ging er.
"Juhu! Ich komme raus. Morgen!", schrie Heiner.
"Das freut mich für Dich", sagte Gustav. "Und danke für Deine Hilfe."
"Ich bin so froh. Das wird der schönste Tag meines Lebens. Ich bin frei. Wegen des Justizirrtum wird Klage eingereicht", sagte Heiner freudig.
"Bei mir ist das noch nicht so klar", sagte Gustav.
"Ich glaube, Du wirst auch hier rauskommen."
"Herr Schütte meinte, dass Herr Drechsler sich bei mir melden wird. Meinst du das wird er tun?"
"Doch, das wird er. Und er wird Dich hier rausholen. Das vermute ich sehr", meinte Heiner.
"Ich hab ihm meine Geschichte gegeben. Mit Adresse und Telefonnummer...", antwortete Gustav.
"Ich weiss. Dann wird auch auch Aussicht auf Erfolg haben... Denn die Kanzlei Weidner und Wehner ist seriös. Und da arbeiten nur gute Leute. Und...ich bin mit meinem Anwalt befreundet. Das sagte ich ja schon mal", sagte Heiner.
"Ja. Das sagtest Du schon", antwortete Gustav.
Sie redeten noch eine Weile. Später setzte er sich nach dem Essen, das ihn von dem "Essenverteiler" oder "Essenausgeber" gebracht worden war, an den Schreibtisch und schrieb noch einige Gedanken zu seiner Verteidigung auf. Um 22 Uhr ging er dann schon ins Bett und schlief mit einem Gefühl der Erleichterung ein. Und er dachte an Lucia. Wie ist sie attraktiv..., dachte er.

Am nächsten Tag bekam Gustav um 8 Uhr einem Anruf auf seinem Handy. Es war der Anwalt Egon Drechsler.
"Hier ist Egon Drechsler von der Kanzlei Weidner und Wehner."
"Ja. Hier Gustav Wehrmann. Ich sitze... unschuldig im Gefängnis. Ich habe...meinen Sohn nicht ermordet. Es war ein Unfall. Ich habe Herr Schütte meine Geschichte gegeben. Der sollte sie Ihnen geben", sagte Gustav etwas verschlafen.
"Ja. Ich weiss. Ich habe Ihre Geschichte durchgelesen", sagte Egon Drechser ruhig.
"Ich habe keinen Anwalt. Können Sie mich vertreten?", fragte Gustav.
"Ja. Ich kann Sie vertreten", sagte Drechsler.
"Ja. Bitte. Sie werden es schon schaffen, mir zu helfen, indem Sie mich vertreten...."
"Gut. Ich werde Sie hiermit vertreten. Wir werden das später noch einmal schriftlich fixieren."
"Vielen Dank."
"Wir werden sofort das Urteil anfechten. Der ganze Fall muss neu aufgerollt werden", sagte Egon Drechsler. "Ich werde erst einmal die komplette Gerichtsakte einfordern. Und dann muss ich mich einarbeiten, was einige Tage dauern wird. Ich werde noch heute einen Schriftsatz aufsetzen, damit das Urteil aufgehoben wird. Ich komme heute Nachmittag um 15 Uhr bei Ihnen vorbei. Da reden wir über alles."
"Vielen Dank", sagte Gustav.
Dann beendeten sie das Telefonat. Gustav war den Tränen nahe. Dieses mal vor Freude. Die Wut, Angst, Unruhe über das Urteil und die Vollstreckung des Urteils (seiner Hinrichtung) waren auf einmal fast weg.
"Der Anwalt Egon Drechsler von der Kanzlei Weidner und Wehner hat sich bei mir gemeldet. Das Urteil wurde erst mal aufgehoben. Er kommt heute um mich zu sehen!", berichtete Gustav.
"Herzlichen Glückwunsch. Vielleicht hat das alles Aussicht auf Erfolg und Du kommst frei", antwortete Heiner.
"Das ist super.'
Gustav war überglücklich. Nach dem Gespräch wartete Gustav mehrere Stunden mit Herzklopfen und voller Hoffnung auf den Anwalt Egon Drechsler. Er vertrieb sich diese Wartezeit mit Lesen. Dann um 15:15 Uhr stand sein Anwalt Egon Drechsler an seiner Zellentür. Als Gustav ihn sah, lief er sofort zur Zellentür und begrüßte ihn freudig. Herr Drecksler kam sofort zur Sache.
"Ich bin jetzt Ihr neuer Anwalt. Wir werden das Urteil anfechten. Wegen mehrerer Fehler. Es wird eine neue Gerichtsverhandlung geben. Und dann wollen wir sehen...", sagte Egon Drechsler.
"Werde ich rauskommen? Wie sehen die Chancen aus?", fragte Gustav.
"Man ist bei einem Fall wie ein Kapitän mit einem Schiff auf hoher See. Man weiss nie, wie sich das entwickelt. Aber in Ihrem Fall...stehen die Chancen nicht schlecht. Viele entlastende Beweise wurden- so wie mir auffällt - nicht weitergereicht. Und auch vieles andere lief juristisch nicht korrekt", meinte Herr Drechsler.
"Ja. Und ich hätte mich nicht vor Gericht selbst verteidigen sollen. Ich hätte mir damals einen Anwalt nehmen sollen."
"Ja. Das war ein grosser Fehler. Das sollte man nicht tun. Da haben sie sich selbst wohl unterschätzt."
"Ja."
"Ich habe da so eine Strategie. Sie erklärten, dass Sie auf der Autobahnbrücke Martin die Tüte mit den Drogen wegnehmen wollten? Ist das richtig?", fragte Drechsler.
"Ja", antwortete Gustav.
"Und dann griff Ihr Sohn Martin Sie an?"
"Ja. So war es. Und er wollte mich schlagen und er verlor plötzlich das Gleichgewicht und fiel dann von der Autobahnbrücke. Es war ein Unfall", erklärte Gustav.
"Das haben Sie mir schon alles erzählt und ich habe auch Ihre Geschichte oder Aufzeichnungen zur Verteidigung gelesen", sagte Drechsler.
"Sehr gut."
"Ich werde alles später noch einmal genau durchlesen und einige Textstellen markieren. Wichtig ist der Zeuge, der gesehen hat, wie Sie ihren Sohn Martin von der Autobahnbrücke gestoßen haben. Und auch die Auseinandersetzung mitbekommen hat. Es passierte angeblich alles abends im Dunkeln. Gab es denn genügend Licht auf der Autobahnbrücke, so dass man viel erkennen konnte?", fragte Egon Drechsler.
Gustav überlegte. Dann erinnerte er sich.
"Da gab es einige wenige Laternen auf der Autobahnbrücke, die nur schwach leuchteten. Eine war - soweit ich mich erinnere - sogar ganz ausgefallen. Man konnte sehr wenig sehen."
"Aber im Text stand drin, dass Sie genau sahen, wie ihr Sohn Martin sich verhielt, wie und wohin er schlug", sagte Egon Drechsler.
"Das ja."
"Aber dann sagten Sie nun eben, dass es dunkel war auf der Autobahnbrücke, weil die wenigen Lateren schwach leuchteten. Das klingt widersprüchlich", sagte Drechsler.
"Es war zumindest so hell erleuchtet, dass ich Martins Bewegungen sehen konnte. Auch wohin er schlug. Aber aus der Entfernung kann man das meiner Meinung nach nicht genau sehen", antwortete Gustav.
"Jetzt verstehe ich. Das ist ja interessant. Der Zeuge oder der Passant sah angeblich genau, wie sie ihren Sohn Martin von der Brücke gestoßen haben. Sie meinen, dass der Zeuge oder Passant das alles wegen der Dunkelheit und des schwachen Lichts nicht genau hätte sehen können?", fragte Drechsler.
"Ja. Er stand zu weit weg", antwortete Gustav.
"Wie weit stand er weg von der Brücke?"
"Das weiss ich nicht. Aber auch von sieben Meter Entfernung ist das unmöglich viel zu sehen. Meiner Meinung nach", sagte Gustav.
"Es ist die Frage wo der Zeuge oder Passant genau stand. Hatte er das aus 10 Meter Entfernung gesehen, von 20 Meter Entfernung? Stand er noch auf der Brücke oder hatte er die Brücke schon verlassen? Das muss klar sein", wies Drechsler darauf hin.
"Er hatte die Brücke verlassen. Da war mindestens 20 Meter Entfernung", erwiderte Gustav.
"Stand das auch in der Gerichtsakte?"
"Ich denke ja."
"Und hatte sich die körperliche Auseinandersetzung auf der Mitte der Brücke ereignet?", fragte Drechsler.
"Ja. So ungefähr. Und der Passant, der das angeblich gesehen hat, muss sehr weit weg gewesen sein. Denn auf der Brücke war er nicht mehr", entgegnete Gustav.
"Und dann ist auch unklar, was der Zeuge in dieser Uhrzeit an der Autobahnbrücke gesucht hat."
"Vielleicht hatte er auch was Alkoholisches getrunken, was sich auf seine Urteilskraft ausgewirkt hatte. Oder er hatte auf seinem Handy geguckt und alles aus dem Augenwinkel gesehen. Kann ja auch sein", meinte Gustav.
"Gut. Da haben wir schon so einiges, was die Glaubwürdigkeit des Zeugen infrage stellt", meinte Drechsler.
"Ja."
"Gut. Ich werde die Gerichtsakte anfordern. Und sie mir genau angucken. Und auch Ihre Geschichte genau durchlesen. Und dann werde ich ein Schreiben aufsetzen, was die Glaubwürdigkeit des Zeugen infrage stellt."
"Sehr gut."
"Ich komme nochmal nächste Woche zum Beispiel Montag vorbei und dann besprechen wir alles. Wir gehen dann alle Punkte durch", sagte Drechsler.
"Okay. Vielen Dank", antwortete Gustav.
"Alles Gute. Tschüss."
Dann ging er. Gustav war erleichtert.
Heiner, der das Gespräch mitgehört hatte, sagte": Das hört sich ja gut an. Ich wünsche Dir viel Glück."
"Danke."
"Es ist ja die letzte Nacht, die ich in der Zelle verbringe. Denn morgen komme ich raus", sagte Heiner
"Das ist schön. Dann viel Glück. Das wird der glücklichste Tag Deines Lebens sein", erwiderte Gustav.
Sie unterhielten sich eine Weile. Dann legte er sich Gustav um 23 Uhr mit einem guten Gefühl ins Bett und schlief ein.

Am nächsten Morgen kamen dann drei Männer: Heiners Anwalt Jochen Schütte und der Gefängnisdirektor Herr Schrader. Und ein anderer unbekannter Mann. Sie holten Heiner aus der Zelle. Gustav wusste jetzt was passierte. Er stand schnell aus seinen Bett auf, griff sich einen Zettel und einen Stift, die auf dem Tisch lagen und schrieb schnell seine Adresse, Mail und Handynummer auf. Dann lief er mit dem Zellel mit seiner Kontaktdaten schnell zur Zellentür, um sich von Heiner zu verabschieden und ihn den Zettel zu geben. Als er vor der Zellentür stand, sah er durch die Gitterstäbe, wie der unbekannte Mann die Zellentür aufschloss und sie Heiner aus der Zelle führten. .
"Da bist Du. Ich dachte, Du würdest nicht wach werden. Ich wollte mich noch schnell von Dir verabschieden. Denn ich komme jetzt raus", sagte Heiner, als er die Zelle verließ und Gustav erblickte.
"Ja. dann wünsche ich Dir alles Gute. Und vielen Dank für Deine Hilfe, so dass ich einen Anwalt habe", sagte Gustav zu Heiner.
"Bitte."
"Und hier gehe ich Dir meine Kontaktadresse. Melde Dich bei mir. Ich wünsche Dir viel Glück", sagte Gustav.
Dann reichte Gustav Heiner schnell seinen Zettel mit seinen Kontaktdaten durch die Gitterstäbe. Heiner nahm den Zettel an sich.
"Danke. Ich melde mich gerne. Viel Glück", sagte er.
"Und ich bedanke mich auch bei Ihnen für Ihre Hilfe, Herr Schütte", sagte Gustav zu Herrn Schütte.
"Selbstverständlich. Ich glaube bei Herr Drechsler sind Sie in Guten Händen", sagte Herr Schütte.
"Ja. Und ich komme auch raus. Mein Anwalt hilft mit dabei", sagte Gustav.
Doch der Gefängnisdirektor Herr Schrader war skeptisch und blieb ernst.
"Der Herr Heiner Kempke, der jetzt rauskommt, hat grosses Glück gehabt. Wie das in Ihren Fall wird, wollen wir erst einmal abwarten. Das muss erst einmal vor Gericht entschieden werden", sagte der Gefängnisdirektor Herr Schrader zu Gustav. "Aber ich wünsche Ihnen viel Glück."
Gustavs Mundwinkel gingen etwas runter und seine Freude und sein Optimismus minimierten sich.
"Alles Gute", sagte Heiner noch ein letztes Mal zu Gustav. Und Gustav rief "Alles Gute" zurück. Dann gingen sie fort. Gustav freute sich innerlich für Heiners Freilassung und war gleichzeitig auch innerlich traurig, dass Heiner nun weg war. Nun war er alleine in seiner Zelle. Und hatte niemanden, mit dem er sprechen konnte und der ihm Mut geben konnte. Denn die zwei anderen Gefangenen, befanden sich sieben oder acht Zellen weiter links in diesem Gebäude, die meistens still waren und fast keinen Besuch hatten und zu denen er keinen Kontakt hatte.
Gustav war froh, dass sein Anwalt Egon Drechsler gute Aussichten versprach. Deshalb war er etwas optimistisch, hier raus zu kommen. Andererseits musste er an die Worte des Gefängnisdirektors Herr Schrader denken, die weniger optimistisch waren und seine Freude trübten. Hatte er eventuell Recht? Er wusste es nicht. Zwar versprach der Anwalt Drechsler ihm gute Aussichten, aber er hatte die Gerichtsakte noch nicht gelesen. Und ihm wurde immer mehr bewusst, dass es gar nicht so sicher war, das er hier rauskommen würde. Das war noch toll, als Heiner hier noch in der Nebenzelle war. Ja, der Heiner ist ein Guter, ein Freund, dachte er. Gustav war zwar hetero und er bi, aber egal. Freundschaftlich und menschlich hatte es gepasst. Mehr Freunde hatte er nicht mehr. Und seine Familie da draussen musste er nun zwangsläufig auch abhaken, die ihn sicher schon abgeschrieben hatten. Er hatte auch innerlich mit der ganzen Welt da draussen abgeschlossen. Nur auf die Geschworenen und auf den Richter hatte er ab und zu noch eine gewisse Wut. Da er aber durch den Prediger wusste, dass es laut der Bibel falsch war jemanden zu hassen, bekämpfte er so gut wie möglich Gefühle von Hass und Groll ihnen gegenüber. Ja. Er musste vergeben! Darauf kam es an.
Er las den ganze Tag lang und grübelte. Auch in der Bibel. Schrieb ab und zu Tagebuch. Ab und zu kam der Gefängniswärter Trede vorbei und sprach mit ihm einige Worte. Und der "Essenverteiler" brachte ihm Morgens, Mittags und Abends sein Essen. Mehr passierte nicht.

Die nächsten drei Tage im Gefängnis verliefen auch ereignislos. Gustav las die meiste Zeit. Er bekam sein Essen und plauderte schon wieder ab und zu mit dem Gefängniswärter Trede, der ab und zu kam, um nach dem Rechten zu gucken (die einzige Person in dieser Zeit, mit der er ab und zu einige Worte wechselte). Ansonsten kam niemand vorbei - weder der Gefängisdirektor Herr Schrader noch irgendjemand aus seiner Familie noch der Arzt Dr. Seiler. Auch Heiner rief ihn enttäuschender Weise nicht an. Warum auch immer. Es fühlte sich so an, als hätte man ihn vergessen und er könnte nun in seiner Zelle verrotten. Ja, diese Vernachlässigungen waren schon immer sein Problem und sein Schicksal. Denn seine Mutter starb früh und seine Pflegemutter hatte ihn oft vernachlässigt. Sie war oft weg gewesen, als er ein Baby und Kleinkind war. Darum hatte er später oft so ein Chaos in seinem Leben. Und auch mentale Probleme. Aber was sollt 's. Man darf nicht in alten Sachen rumkramen, man muss vergeben, dachte er. Und er vergab ihr auch! Gustav wusste: Vergeben war die schwierigste Lektion laut der Bibel - besonders wenn ein Mensch einem anderen Menschen was ganz Schlimmes angetan hat.

Dann am 4. Tag nach Heiners Entlassung rief um 9 Uhr morgens der Anwalt Egon Drechsler Gustav auf seinem Handy an.
"Hier Egon Drechsler. Ich komme nachher um 16 Uhr noch einmal bei Ihnen vorbei, wenn es okay ist."
"Das passt. Endlich", sagte Gustav.
"Ich habe Neuigkeuten, die wir besprechen müssen", sagte Drechsler.
"Okay. Sehr gut. Dann bis nachher."
Dann beendeten sie das Handytelefonat. Gustav wartete sieben Stunde auf ihn. In diesen Stunden las er. Dann um Punkt 16 Uhr stand Egon Drechsler mit seinemr Aktentasche in der Hand vor seiner Zelle. Gustav lief schnell zur Gefängniszellentür. Und dann redeten sie miteinander. Er wieder außerhalb der Zelle, Gustav innerhalb der Zelle.
"Ich hoffe, es geht geht Ihnen gut", sagte Egon Drechsler.
"Den Unständen entsprechend", antwortete Gustav.
"Ich komme gleich zur Sache. Ich hatte das Schreiben, das ich aufgesetzt hatte, an das Gericht geschickt. Wir warten nur noch auf eine Antwort."
"Und ....was vermuten Sie? Wird die Antwort für mich positiv ausfallen?", fragte Gustav.
"Herr Wehrmann. Wir müssen etwas Geduld haben. Ich weiss, das es in Ihrer Lage schwierig ist. Aber es lässt sich nicht ändern", erklärte Drechsler.
"Okay."
"Ich kann Ihnen sagen, dass das Gericht alle neuen Beweise prüfen wird und es zu einer Berufung kommt. Das Todesurteil wird - so wie das aussieht - aufgehoben werden und dann kommt es zu einem neuen, fairen Gerichtsprozess. Das kann ich Ihnen schon sagen", sagte Drechsler.
"Ich bedanke mich. Sie tun ihr Bestes", antwortete Gustav.
"Das war auch schon alles. Ich verabschiede mich."
Dann ging er fort. Gustav ging zu seinem Schreibtisch, setzte sich an seinen Tisch und dachte nach. Dann fing er weiter an zu lesen an. Um 18 Uhr kam der Gefängniswärter Trede und setzte sich an den kleinen Tisch mit diversen Schreibkram, der sich vor seiner Zelle befand.
"Und haben Deine Bemühungen Aussicht auf Erfolg? Ich hörte, dass heute ihr Anwalt da war...", sagte Herr Trede.
"Ja. Er war hier. Er holt mich hier schon raus. Es läuft alles in gute Richtung", antwortete Gustav.
"Das wollen wir hoffen. Dein Zellennachbar Heiner hatte ja Glück. War ein attraktiver Kerl. Ich mochte ihn. Er machte so einen guten Eindruck. Es war klar, dass er entlassen werden würde. Wie gesagt...Es war Glück", sagte Herr Trede.
"Ich hoffe, ich habe auch das Glück. Denn das Ganze bei mir handelt sich um einen Justizirrtum. Ich bin unschuldig", erklärte Gustav.
"Es ist schön, dass Du einen Anwalt hast. Das ist schon etwas. Aber alles andere müssen die Richter und Geschworenen entscheiden. Und da kann einiges herauskommen. Hoffentlich Gutes", sagte er.
"Aber wenn neue Beweise oder Argumente aufgetauchen, die mich entlasten....?"
"Ja. Aber wie gesagt, werden das die Geschworenen entscheiden. Ich kenne so einen Fall- da war ein junger Mann, der angeblich seinen Freund ermordet hatte. Er hatte da einige Beweise, die dagegen sprachen, dass er es getan hat. Aber am Ende bekam er trotzdem das Todesurteil und wurde hingerichtet. Es dauerte nicht lange und er war unter der Erde", sagte Herr Trede.
Angst und Nervosität stiegen plötzlich bei Gustav hoch von den Füssen bis zur Schädelspitze. Seine Hände zitterten. Und sein Optimismus war plötzlich weg.
"Man hätte die Beweise aber auf den Tisch legen und berücksichtigen sollen!!! DAS KANN NICHT ANGEHEN! WAS IST DAS FÜR EiN LAUSIGES GERICHT?", schrie Gustav plötzlich laut.
"Mässige Dich. Sonst kommt der Gefängnisdirektor und der Arzt, der Dir eine Beruhigungsspritze geben wird!", sagte Herr Trede energisch. "Denn hier herrscht Ordnung und Disziplin."
"Entschuldigung. Aber Du musst doch verstehen... Ich werde hier zum Tode verurteilt für eine Tat, die ich nicht begangen hatte", sagte Gustav schon wieder.
"Das hast Du mir auch schon mehrmals gèsagt. Bestimmt zweihundert Mal. Ich kann aber nichts weiter für Dich tun. Ich kann Dir noch einige neue Bücher vorbeibringen. Oder der Arzt kann Dir noch ein paar Beruhigungspillen geben."
"Ich habe noch von Dr. Seiler Pillen."
"Hast Du sie denn genommen?"
"Ja. Ab und zu. Wenn ich unruhig bin. Sie helfen nicht sehr viel."
"Oder ich kann den Prediger vorbeischicken, der Dich beruhigt. Oder andere, stärkere Beruhigungspillen bringen lassen. Das sind die Optionen", sagte Herr Trede streng.
"Irgendwelche Beruhigungspillen will ich nicht mehr. Aber Du kannst mir neue Bücher geben. Und den Prediger vorbeischicken", antwortete Gustav.
"Ja. Mehr kann ich leider nicht tun", sagte Trede.
"Okay. Das ist schon etwas."
Dann war das Gespräch beendet. Danach las er noch. Ansonsten verklang der Tag ereignislos. Er ging später um 0 Uhr ins Bett.

Am nächsten Tag kam um 10 Uhr morgens der Prediger Rateberg zu ihm. Und er stellte sich wieder vor die Zelle und dann las er Gustav noch einige Bibeltexte vor. Über Auferstehung für die Gerechten, über echte Reue, über Sündenvergebung,...Zum Schluss fragte er": Glaubst Du, dass der Anwalt es schafft, dass Du hier rauskommst?", fragte der Prediger Rateberg.
"Ich hoffe", antwortete Gustav.
"Wichtig ist, dass Du Deine Sünden bereust! Und an Dir arbeitest."
"Ich weiss."
"Ich bete für Dich."
Dann steckte er seine Bibel in seine Tasche und ging. "Hoffentlich hat mein Anwalt Herr Drechsler Erfolg. Ich will hier fast. Raus. Raus", dachte Gustav. Dann las er noch in den nächsten Stunden. Dann ging er etwas nach 23 h ins Bett.

Die nächsten sechs Tage verstrichen ereignislos. Er las meistens in seine Zelle. Fühlte sich oft einsam. Hatte Angst. Es kam ihm so vor, als sei er von seinen Mitmenschen völlig abgeschrieben worden und er würde in seiner Zelle langsam oder sicher verrotten. Dann brachte der Gefängniswärter Herr Trede Gustav eine Zeitung mit. Er reichte sie ihm durch die Gitterstäbe.
"Hier ist ein Artikel über Dich. Du bist jetzt in der Zeitung "Berliner Blick". Du bist inzwischen ein bisschen berühmt. Lies den Artikel auf Seite fünf und Du wirst staunen", sagte Trede, der eine Zigarette im Mund hatte.
Gustav nahm die Zeitung, die Trede ihm durch die Gitterstäbe reichte, an sich, schlug sie auf und las den Artikel über sich auf Seite fünf genau durch. Es war der Reporter Timo Meibach, der ihn vor etwa über zwei Wochen hier im Gefängnis besucht hatte und dann vor etwa eineinhalb Wochen den Artikel über ihn geschrieben hatte. Aber er schrieb negativ über Gustav, da er von seiner Unschuld nicht überzeugt war. In der Zeitung "Berliner Blick" stand folgendes": Mörder Gustav W. (48 Jahre alt) stößt Sohn Martin W. (21 Jahre alt) von der Autobahnbrücke. Er wird vor Gericht schuldig gesprochen, zum Tode verurteilt, aber bekennt sich nicht schuldig. Hier ein kurzen Überblick über die Ereignisse, die sich in Neukölln ereignet haben... " Gustav las sich alles genau durch und bekam einen roten Kopf. "So ein Lügner! Er behauptet etwas, was ich nicht getan habe! Er stempelt mich zum Mörder ab und will mich nur in dem Knast sehen und am Ende tot!", schrie Gustav.
"Das ist Pech. Aber so ist es. Die Beweise sprechen gegen Dich. Es tut mir leid", antwortete Trede ruhig.
"Ach , das ist so leicht als Aussenstehender, der nicht betroffen ist, zu sagen "das tut mir leid." Wenn Du in meiner Haut stecken würdest, würdest Du gewiss was anderes sagen! Ich werde zum Tode verurteilt! Weisst Du, was das bedeutet?", fragte Gustav ihn wütend.
"Ich bitte um Vergebung, dass ich die falschen Worte benutzt habe. Aber....ich kann sehr wohl verstehen, was Du durchmachst", antwortete Herr Trede.
"DU verstehst gar nichts. Du machst Feierabend, gehst nach Hause und alles ist in Ordnung", meinte Gustav.
"So ist das leider nicht. So ist das leider nicht. Meine Frau ist vor einem Jahr gestorben. Herzinfarkt. Bei mir wurde vor drei Jahren Lympfdrüsenkrebs festgestellt. Ich habe mehrere Chemotherapien hinter mir. Und es fällt mir schwer diesen Job noch zu machen - das kannst Du mir glauben. Auch weil mir oft die Kraft fehlt. Deshalb sehe ich so dünn und hager aus und mein Gesicht gleicht immer mehr dem eines Totenkopfes. Ich werde auch demnächst an Krebs sterben. Und das wird vermutlich qualvoll sein. Während es bei Dir schneller gehen wird. Nur ein Pieks und dann ist es vorbei. Und was glaubst Du, wie es bei mir aussehen wird!? Sehr schlecht!", erwiderte Herr Trede. Seine Stimme klang bitter.
Gustav, der an der Zellentür stand, blickte genauer in Herr Tredes hageres Totenkopfgesicht. Er sah die ausdrucksstarken Augen, die tief in den Höhlen lagen, seinen schmalen Mund, den eingefallenen Wangen mit den markanten Wangenknochen, seine leichenblasse Hautfarbe und seine Glatze, die seinen totenkopfähnlichen Schädel unheimlicher erschienen liess. Und seinen faltigen, dünnen Hals. Gustav wusste Bescheid. Er war dem Tod geweiht!
"Es tut mir sehr leid", sagte Gustav.
"Jetzt verstehst Du, warum ich so rede", erwiderte Herr Trede.
"Ja. ich wusste das alles nicht. Nochnal: Es tut mir leid."
"Es tut mir für Dich auch sehr leid. Glaub mir. Auf der anderen Seite: Wir sind beide nicht mehr sehr jung. Ich bin 63 und Du - so wie ich schätze ungefähr 50 Jahre alt. Meine Familie gibt es nicht mehr -meine Frau ist tot und wir hatten keine Kinder. Und Deine Familie hat Dich - so wie ich hörte - verlassen. Und wir leben heute in einer schlimmen Welt. Da ist der Ukraine-Krieg, das ist das Klima-Problem, da ist Corona, Inflation,...Da ist Kriminalität. Da gibt es kleine Kinder und Jugendliche, die in der Schule mit Drogen zu tun haben, Diebstahldelikte begehen, Einbrüche, Körperverletzung. Ich kenne Fälle, da haben Kinder Eltern und Lehrer bedroht. Es gibt viele, die einsam sind, alte Menschen, um die sich niemand kümmert......Willst Du wirklich in solch einer Welt leben?", fragte Herr Trede. "Meinst Du wirklich, da kommt noch was Positives?"
"Ich vertraue auf Gott. Er wird eine neue Ordnung schaffen. So sagte es der Prediger", antwortete Gustav.
"Gut. Dann bist Du inzwischen zum Glauben gekommen. Ich wünsche Dir viel Glück", brach Herr Trede das Gespräch plötzlich ab.
"Ich wünsche Dir auch viel Glück", sagte Gustav. Dann ging Herr Trede fort. Gustav sass dann in seiner Gefängniszelle am Schreibtisch und schrieb nachdenklich und deprimiert Tagebuch. Und ging - nachdem er eine Pille von Dr. Seiler genommen hatte - schon gegen 22 Uhr ins Bett.


Am nächsten Tag um 9 Uhr morgens meldete sich sein Anwalt Egon Drechsler auf seinem Handy. Er klang aufgeregt.
"Herr Wehrmann, wir müssen uns heute um 15 Uhr treffen. Es ist wichtig", sagte er.
"Das machen wir? Gibt es was Wichtiges?", fragte Gustav.
"Wir haben ein Schriftsatz von Ihrem Sohn Tim bekommen", berichtete Drechsler.
"Wirklich?", fragte Gustav.
"Wir werden das um 15 Uhr besprechen. Ich kann jetzt nicht lange reden. Wir treffen uns um 15 Uhr und dann besprechen wir alles. Bis nachher", sagte er. Dann beendete er das Handygespräch. Gustav war aufgeregt. WAS ist passiert?, fragte er sich. Er setzte sich an seinen Schreibtisch und schrieb nervös etwas Tagebuch, in dem er seine aktuellen Erlebnisse aufschrieb. Mehrere Stunden. Dann um 15 Uhr stand sein Anwalt Egon Drechsler vor seiner Zellentür. Gustav stand schnell von dem Schreibtisch auf und lief zur Zellentür. Egon Drechsler kam nach der kurzen Begrüßung sofort auf den Punkt.
"Wir haben eine gute Nachricht und eine schlechte Nachricht. Soll ich erst mit der guten Nachricht anfangen?", fragte Drechsler.
"Ja. ist okay", sagte Gustav.
"Die gute Nachricht ist, dass es zur Berufung kommt und zu einem neuen Gerichtsverfahren. Da war ich zuerst optimistisch", erzählte Drechsler.
"Und dann? Was ist die schlechte Nachricht?", antwortete Gustav.
"Ihr Sohn Tim hat mit Hilfe eines Anwalts einen neuen Schriftsatz eingereicht mit neuen Anschuldigungen. Er hätte angeblich gesehen, wie Sie seinen Bruder Martin von der Autobahnbrücke gestoßen hatten", berichtete Drechsler.
"Das ist Mist", sagte Gustav. "Und nun?"
"Es wird schwierig, weil es nun zwei Zeugen sind...", erklärte Drechsler.
"Ich verstehe das nicht. Wieso Tim? Und wieso kommt er mit seiner Behauptung, dass er mich auf der Autobahnbrücke gesehen hat, so spät? Das kann doch nicht angehen!", sagte Gustav.
"Das weiss ich auch nicht", gab Drechsler zurück.
"Es war dunkel. Er konnte mich gar nicht sehen. Es war dunkel!", sagte Gustav.
"Eben", ergänzte Drechsler.
"Er war niemals in der Nähe. Das ist erstunken und erlogen."
"Und warum sollte Tim lügen?"
"Er will mich tot sehen, weil er dann erben wird", meinte Gustav.
"Wieso erben? Haben Sie denn so viel?", fragte Drechsler etwas kritisch.
Gustav schwieg einen Moment.
"Sie müssen mir alles sagen. Sonst kann ich nicht erfolgreich arbeiten", meinte Egon Drechsler.
"Gut....Kurz nachdem Martin gestorben war, starb auch mein Onkel Richard und ich erbte ...sein Haus, denn er war kinderlos. Das Haus hat einen Wert von ungefähr 600.000 Euro. Und als ich Herzbeschwerden hatte, hatte ich noch eine Lebensversicherung abgeschlossen", erzählte Gustav.
"Eine Lebensversicherung?", fragte Heiner nach.
"Ich war ja krank. Ich hab zwei Herzoperationen gehabt. Ich hatte zwar mit meinen Kindern Konflikte ohne Ende gehabt...aber als Vater, der die Kinder trotz allem, was passiert ist, doch liebt, wollte ich, dass sie nicht 'mit nichts' dastehen, falls ich sterben sollte", erklärte Gustav.
Der Anwalt Egon Drechsler blickte Gustav etwas skeptisch an und runzelte die Stirn.
"Ich habe zwar keine eigenen Kinder. Aber ich versuche das zu verstehen. Gibt es noch etwas, das Sie mir nicht erzählt haben?", fragte er.
"Das war est mal alles", antwortete Gustav.
"Gut. Dann komme ich auf den Punkt. Der Gerichtstermin ist am Donnerstag, den 5.5.2022 um 10 Uhr im Gerichtssaal... Ich werde mein Bestes versuchen, sie aus dem Gefängnis zu holen und von der Todesstrafe zu bewahren", sagte Drechsler.
"Wie sind denn die Chancen?", fragte Gustav.
Der Anwalt Egon Drechsler blickte ihn ernst an.
"Ungefähr 50 Prozent."
"Mehr nicht?", fragte Gustav.
"Vielleicht 60 Prozent. Mehr auch nicht. Da ist ja auch die Gegenseite mit den Anschuldigungen und Beweisen. Wir müssen abwarten, was der Richter und die Geschworenen sagen. Mehr kann ich im Augenbblick nicht tun. Da treffen wir uns. Wenn Sie in der Zeit Neuigkeiten haben, schicken Sie das per Mail. Mehr kann ich nicht tun", sagte Drechsler.
"Ich bedanke mich."
Dann ging er. Gustav blieb nachdenklich zurück. Er setzte sich an diesem Tag unruhig an den Schreibtisch und schrieb weiter seine Gedanken, Gefühle und Argumente zu seiner Verteidigung auf und schrieb auch in seinem Tagebuch.

Auch in den nächsten Tagen war Gustav von Unruhe, Spannung und Angst vor der Vollstreckung des Todesurteils erfüllt. Obwohl es ein bisschen Hoffnung gab, dass der Anwalt Drechsler ihn aus seiner misslichen Lage befreien würde. Und Gustav hoffte, dass der Anwalt Drechsler es schaffen wird, ihn zu befreien.

In den ganzen nächsten Tagen besuchten ihn nur einmal der Gefängnisdirektor Herr Schrader und der Arzt Dr. Seiler, der ihm kurz untersuchte und andere, stärkere Tabletten zur Beruhigung gab. Und ab und zu konnte er mal mit dem Gefängniswärter Herr Trede reden. Ansonsten besuchte ihn niemand. Mit dem Anwalt Drechsler telefonierte er ab und zu und sie besprachen die ganze Situation und bereiteten sich auf die Gerichtsverhandung am 5. Mai vor. Auch schrieb er - weil er befürchtete, den Prozess zu verlieren und hingerichtet zu werden -sein Testament. Dort setzte er den alkoholkranken und arbeitslosen Jürgen Senkel, den einzigsten Freund, den er noch hatte und zu dem er nur wenig Kontakt hatte (von dem er im Gefängnis nichts erzählt hatte), zum Alleinerben ein und enterbte somit seinen Sohn Tim und die Tochter Gerda - aus Rache für das, was sie ihm angetan hatten. Dieses Testament schickte er seinem Anwalt, der das an den Notar weiterreichen würde...


Nach zweieinhalb Wochen war dann die Gerichtsverhandlung. Gustav wurde schon frühmorgens von mehreren Männern, die ihm Handschellen angelegt hatten, zuerst aus der Gefängniszelle und dann aus dem gesamten Gefängniskomplex nach draussen geführt. Und sie brachten ihn zu einem weissen Transportern, der von einigen Männern bewacht wurde. Nachdem mehrere Männer ihn in Handschellen in den Transporter gebracht, dort auf einen der hintersten Sitze gesetzt hatten und alle eingestiegen waren, fuhren sie ihn dann zu dem Gerichtsgebäude in der Lauerstrasse. Dann holten ihn mehrere Männer aus dem weissen Transporter und führten ihn in Handschellen - vorbei an diversen sensationsgierigen Reportern, die mit Fotokameras Fotos von Gustav schossen und vorbei an schaulustigen Leuten, die ihn entweder tot oder lebend sehen wollten - ins Gerichtsgebäude. Dann wurde Gustav in den Gerichtssaal gebracht. Wenig später setzte Gustav sich dort neben seinen Anwalt Egon Drechsler an einen Tisch. Inzwischen kam eine Menge Publikum in den Gerichtssal. (Wer all diese Leute waren, wusste Gustav nicht.) Und Gustavs Sohn Tim kam mit seinem Anwalt und auch seine Tochter Gerda mit ihrer Anwältin in den Gerichtssaal. Und ein Gerichtszeichner, der Gustav zeichnen wollte, war ebenfalls anwesend. Auch die Geschworenen und der Richter betraten den Gerichtssaal und nahmen auf ihren Plätzen Platz. Es vergingen noch etwa zehn Minuten. Dann begann die Verhandlung. Der Richter Josef Fiedler, der auf einem Podest sass, öffnete seine Gerichtsakte von Gustav, die vor ihm lag und begann seine Rede": Herr Gustav Wehrmann, geboren am 30. 3. 1974, wohnhaft in Berlin-Neukölln in der Gausstrasse 18, werden angeklagt am 11. November 2021 Ihren Sohn Martin Wehrmann ermordet zu haben, indem Sie ihn von der Autobahnbrücke C 3 an der Güntherstrasse stiessen. Sie, Herr Wehrmann Senior könnten sich des Totschlags nach Paragraph 212 Abs 1 StGB schuldig gemacht haben. Was haben Sie dazu zu sagen, Herr Wehrmann?"
"Ich war das nicht. Das war ein Unfall", sagte Gustav.
"Aber, da gab es ja Zeugen, die das gesehen haben, wie Sie mit mit ihrem Sohn gestritten hatten, wie Sie sich geprügelt hatten und wie sie ihn kaltblütig von dem Geländer gestossen hatten", sagte der Richter Fiedler.
Dann ergriff Egon Drechsler das Wort.
"Einspruch. Es war dunkel. Sie konnten gar nicht genau sehen, wie der Unfall passiert war. Es war stockdunkel", warf Egon Drechsler ein.
"So? Jetzt wollen wir den Zeugen Herrn Norbert Friedrichsen befragen, der alles beobachtet hatte. Herr Friedrichsen, bitte erzählen Sie, was Sie beobachtet haben", forderte der Richter Fiedler ihn auf.
"Also...ich ging spazieren und wollte sogar auf die Brücke gehen. Dann sah ich, wie zwei Männer auf der Brücke Streit hatten. Sie schlugen sich, dann prügelten sie sich. Dann sah ich wie Gustav seinen Sohn Martin mehrmals schlug. Er war wehrlos, torkelte. Und dann schubste Gustav Wehrmann ihn von der Brücke. Ich sehe diese Bilder vor mir. Ich kann es nicht vergessen. Es war schrecklich", sagte Friedrichsen.
"Sie haben es gehört, Herr Wehrmann", sagte der Richter.
"So wie das aussieht, ist das keine fahrlässige Tötung mehr. Sondern er wollte es! Für mich ist das Mord. Wut aus nichtigen Anlass. Ein niedriger Beweggrund", meinte Tims Anwalt.
"Einspruch. Es war dunkel. Man konnte nichts erkennen aus größerer Entfernung", warf Drechsler erneut ein.
"Doch", sagte Friedrichsen.
Der Anwalt Egon Drechsler stellte dann Friedrichsen mehrere Fragen": Wenn Sie das angeblich genau gesehen haben, müssten sie ziemlich in der Nähe von Gustav und Martin auf der Brücke gestanden haben. Wo standen Sie denn genau, Herr Friedrichsen? Wie gross war die Entfernung zwischen Ihnen und Gustav und Martin?"
"Ich stand ziemlich am Ende der Brücke, als ich Schreie hörte. Als ich die Bŕücke gerade verlassen hatte, drehte ich mich um und blickte auf die Brücke. Und dann sah ich sie...Ich sah das alles aus ungefähr zehn Meter Entfernung", erzählte Friedrichsen.
"Wo auf der Autobahnbrücke genau prügelten sich Gustav Wehmamm mit seinem Sohn Martin Wehrmann? Und wo stiess Gustav seinen Sohn von der Autobahnbrücke?", hakte der Richter Friedler nach.
"Das passierte alles in der Mitte der Brücke", antwortete der Zeuge Herr Friedrichsen.
"Falsch. Wenn er das angeblich so genau gesehen hat, müsste er auf der Autobahnbrücke gestanden haben. Denn sie ist lang. Zehn Meter Entfernung kann nicht sein. Wenn Sie alles gesehen hatten, als Sie die Brücke verlassen hatten, muss die Entfernung grösser gewesen sein. So ungefähr zwanzig Meter Entfernung", antwortete Drechsler.
"Das ist in der Tat komisch", meinte der Richter.
"Also. Ich weiss nicht so genau", sagte Friedrichsen. Er wirkte auf einmal etwas unsicher.
"Aber Herr Friedrichsen. Dann haben Sie also gar nicht genau gesehen, wie Gustav ihn runtergestossen hatte. Ist das richtig? Denn bei zwanzig Meter Entfernung ist das schwieriger, etwas in der Dunkelheit zu erkennen", fragte Herr Drechsler.
"Doch. Das sah ich genau. Er hat ihn runtergestossen", sagte Friedrichsen.
"Aber wie können Sie das, wenn Sie so weit weg waren?", fragte Egon Drechsler.
"Ich war vielleicht am Ende der Brücke", sagte Friedrichsen.
"Vorhin sagten Sie, dass Sie die Brücke verlassen hatten", sagte der Richter.
"Es war der Schock. Einen Mord anzusehen ist ...nicht einfach. Vielleicht habe ich das durcheinander gebracht", stammelte Friedrichsen.
"Das kann natürlich sein. Aber Sie bleiben bei der Aussage, dass er es getan hat?", fragte der Richter.
"Ja."
"Einspruch. Das beweist gar nichts. Vielleicht hat er, als es auf der Brücke so dunkel war, einen Raben gesehen. Jedenfalls nicht, wie Gustav Wehrmann seinen Sohn runtergestossen hatte. Das scheint mir weit hergeholt zu sein. Ein Produkt der Fantasie", sagte Egon Drechsler zur Verteidigung.
Herr Egon Drechsler flüsterte seinem Mandaten Gustav leise zu": Das ist gut für Sie, Herr Wehrmann. Herr Friedrichsens Zeugenaussage wackelt."
"Ja", sagte Gustav nur.
"So...dann gibt es noch eine andere Zeugenaussage...und zwar von Herrn Tim Wehrmann, der Sohn des Beklagten Wehrmann Senior... Herr Tim Wehrmann. Was haben Sie gesehen an diesem schicksalhaften Abend?", fragte der Richter Fiedler.
"Also...ich habe schon in der Wohnung einen Streit zwischen meinem Vater und meinen Sohn Martin beobachtet. Da ging es um Drogen. Und um die CDs und merkwürdigen Bücher von der Band Blue Black Vip. Das sind Death-Metal- und Gothicmusiker, mit denen ich seit einigen Jahren befreundet bin. Mein Vater hatte was gegen sie. Denn irgendwie fand er sie komisch. Klar- wir hatten mal alberne Sachen gemacht, waren auch einige Male in schwarz gekleidet auf den Friedhof gegangen in Grunewald und hatten da mit dem Handy einige Selfievideos gedreht. Für Tik Tok oder Youtube. Um sie später dort hochzuladen...Eigene Musikvideos. Das war unser Ding. Wir hoffte viele Klicks zu kriegen. "Fame" war uns ein bisschen wichtig. Wir waren damals etwas naiv - heute sehe ich das etwas anders. Meine Freunde, gebe ich zu, waren da zum damaligen Zeitpunkt etwas "strange". Aber ich nahm das alles, was wir so machten, nicht so ernst. Es war für mich ein Witz. Mir ging es jedenfalls nur um die Musikvideos. Gerda, meine Schwester, sah es so ähnlich. Die machte da sowieso nicht mit, dass heisst sie ging nicht mit auf Friedhöfe und nahm auch keine Drogen oder so....Bei den Musikvideos, die wir machten, hatte sie da auch mal mitgemacht. Das war 's auch schon. Mein älterer Bruder Martin nahm das alles ernster. Das war schon etwas anderes. Der fand die Death-Metal-Musiker, mit denen wir zu tun hatten und was die da so machten besonders toll. Und er nahm dann auch einige härtere Drogen. Wir kannten da fünf Death-Metal-Musiker, die wir im Intenet kennengelernt hatten, mit denen wir abhingen. Sie waren ungefähr in unserem Alter. Ein bisschen Älter. So ungefähr 20 und 21 Jahre alt. Drei von ihnen waren ziemlich normal, dass heisst sie waren nur etwas in schwarz gekleidet und soffen mal ein Bier oder kifften mal. Mehr war nicht.
Zwei von ihnen aber - das waren Ingo Kramer und Ulf Schubert, sie waren schon krasser drauf. Sie hatten sich auch mit Spiritismus beschäftigt. Dämonenkram und so weiter.. Damit wollte ich nichts zu tun haben! Ulf und Ingo gingen dann auch schon mal öfters auf Friedhöfe zum Beispiel auf den Friedhof im Grunewald und machten da so einigen Kram. Diese hatten dann auch mal die Bücher im schwarz, CDs und Amulette zu uns nach Hause gebracht. Einen Teil davon nahmen sie wieder mit, einen Teil liessen sie bei uns zu Hause zurück. Was ein Fehler war. Mit kam damals das Ganze merkwürdig vor. Auch Gerda und die anderen drei Death-Metal-Musiker, die normaler waren und sich nicht mit Spiritismus und so weiter beschäftigen, fanden Ingo und Ulf allmählich immer seltsamer. Selbst die sagten sich ": Ein paar mal ein bisschen Schabernack treiben und Videos drehen ist okay - auch mal auf dem Friedhof - da wo der Fussweg war und niemand gestört wurde. Aber das, was Ingo und Ulf machten, darauf hatten wir alle keinen Bock mehr. Sie übertrieben es! Wir alle wollten mit dem ganzen Spiritismus und sonstigen Kram, der und allmählich unheimlich vorkam, nichts mehr zu tun haben." Es veränderte mich. Und auch andere in meinem Umfeld. Ich spürte zeitweise so eine Aura - es wurde kühl, veränderte mich zeitweise....ich kann es nicht beschreiben. Wir nahmen davon Abstand. Dann kam mal der Pastor Begemann bei uns in der Wohnung zu Besuch. Gerda und ich erzählten ihm schließlich von Ingo und Ulf und dass sie sich mit Spiritismus beschäftigten. Er warnte uns davor, wie gefährlich das sei! Und so beschlossen wir den Kontakt zu Ingo und Ulf abzubrechen. Einen Teil der Bücher, Amulette, CDs, die sie bei uns liegengelassen hatten, nahmen sie wieder mit. Einige Sachen wie zum Beispiel zwei Amulette, ein Buch, eine CD liessen sie bei uns liegen. Irgendwann schmissen wir ein Teil davon in den Müll. Den anderen Rest verbrannten wir. Mit Drogen hatte ich nicht gedealt. Da war ein Kumpel von uns, der hatte da zwei oder dreimal so ein Zeugs für uns gekauft - ich war mal dabei gewesen. Das war 's. Martin hat ab und zu was gekauft - aber ohne mich. Ich machte da nicht mehr mit. Und Gerda auch nicht. Wit wollten damit nichts mehr zu tun haben. Das Martin weiter machte, war für uns alle ein Problem. Vielleicht hätte da eine Therapie geholfen - wer weiss? Mein Vater verstand das alles irgendwie nicht. Er konnte damit nicht mehr ungehen. Seine Nerven lagen blank in der Coronakrise. Das war seit diese Sachen - die Bücher, die Amulette, die CDs, ...von Ulf und Ingo bei uns rumlagen. So fiel mir auf. Der Martin war da heftiger drauf, weil er ja den Kontakt noch zu Ulf und Ingo hatte. Er wurde - so schien es mir von seinem Verhalten her - seltsamer. Irgendwie anders. Auch Vater veränderte sich, wurde aggressiver. Zumindest eine Zeit war er so - bis der Pastor meinem Vater und auch uns da half mit Gebeten und so weiter...dann wurde es zeitweise besser...Mein Vater hatte in der Coronakrise viele Probleme gehabt. Auch mit Alkohol. Und er hatte seine Aufträge als Fotograf in der Coronakrise verloren. Er erwartete eine Erbschaft von seinem kranken Onkel Richard. Er war da ganz ungeduldig. Denn dann hätte er alle Sorgen los. Dann hätte er nur noch Sorgen mit Martin gehabt."
"Da ist interessant. Sprich weiter", sagte der Richter Fiedler.
"Und er mochte es nicht, wenn sein Sohn Martin so rumgamnelt. Und wie er ihn oft anschrie. Denn er war sauer, dass er mit Ulf und Ingo weiterhin verkehrte, die schlimme Sachen trieben. Das war nicht normal in seinen Augen. Teufelskram. Aber nicht nur Martin war nicht normal. Auch Vater veränderte sich immer mehr und war nicht mehr normal", erzählte Tim.
"Höre ich richtig? Er war nicht mehr normal?", fragte der Richter.
"Früher war mein Vater normaler. Ich meine bevor Ulf und Ingo bei uns während der Coronakrise 2020 bei uns aufgetaucht sind - allerdings wegen Corona nur kurz und heimlich - und irgendwelche schwarzen Bücher und Amulette mitgebracht hatten. Dann verlor er in der Coronakrise sämtliche Aufträge und wurde depressiv. Er kümmerte sich auch um uns gar nicht mehr, fing an zu trinken, Martin und ich hatten dann zeitweise Drogen genommen. Auch weil wir Frust hatten. Ich nur ein bisschen, Martin schon heftiger. Dann sagten mein Vater und meine Mutter zu uns, dass es nicht okay sei, Drogen zu nehmen. Ich sah das ein und hörte auf mit den Drogen, konzentrierte mich nur noch auf meine Lehre.
Meine Schwester Gerda hatte sowieso keine Drogen genommen. Das war kein Thema für sie. Sie hatte auch nur mit den drei Death-Metalmusiker Kontakt, die etwas normaler waren. Es war aber nur oberflächlich. Ein bisschen Fun. Zu Ingo und Ulf aber nicht."
"Kommen Sie auf den Punkt, Herr Wehrmann Junior", forderte der Richter Fiedler.
"Als Vater eines Tages im Coronajahr 2021 alleine zu Hause war und mies drauf war, nahm er ein Buch, was Ulf und Ingo mal vor einiger Zeit liegengelassen hatten und las aus Neugier darin. Ich war gerade im Wohnzimmer, als er das las. Dann sagte er, dass er plötzlich was spürte. Er wurde plötzlich nervös. Vielleicht hatte er was mit den Nerven oder es war was psychisches? Oder was anderes? Seine Augen wurden plötzlich gross und etwas war in ihm gefahren. So schien es zumindest. Das konnte natürlich keiner von uns klar sagen. Wir fragten ob er wieder einen Herzanfall hatte. Es sar seltsam", berichtete Tim.
"Und dann?", fragte der Richter.
"Es war dauerte nur einige Minuten. Meine Mutter, die das auch beobachtet hatte, merkte auch, dass Vater merkwürdig drauf war. Dass etwas in ihn gefahren sei. Dass er möglicherweise krank war. Oder es war ein psychisches Problem? Das konnte man ja nicht klar sagen. Wir beschlossen dann die Bücher, die uns ja negativ beeinflussten und von denen eine negative Energie ausging, sicheheitshalber zu verbrennen oder wegzuschmeissen. Und das taten wir auch. Die CDs, Amulette , Bücher, Ketten...alles landete im Feuer im Hintergarten des Mietshauses oder in der Mülltonne. Wir dachten, es würde alles gut werden. Aber das war ein Irrtum. Jedenfalls was Martin und Vater betraf. Vater trank immer mehr, wurde wütender, aggressiver. Oft kam es mit ihm zu einem Streit wegen einer geringfügigen Sache.
"DAS IST UNSINN! DIE HABEN NUR STREIT GEMACHT - NICHT ICH VERDAMMT NOCHMAL!. Sie wollen für alles, was passiert ist mir die Schuld geben!", schrie Gustav.
"Herr Wehrmann Senoir. Bitte lassen Sie Ihren Sohn ausreden!", schrie der Richter.
"Und dann war ja die Sache noch mit Lucia. Vater verstand sich mit meiner Mutter Sabrina auch nicht mehr. Die Ehe war kurz vor der Scheidung. Und da passierte die Sache mit Lucia Lüders. Er lernte sie April 2020 kennen. Sie hatten eine heimliche Beziehung, die ungefähr ein oder eineinhalb Jahre lang dauerte. Meine Mutter fand das durch einen Zufall heraus. Und dann gab es Krach und meine Mutter wollte sich von ihm trennen. Und uns - die Kinder - wollte sie mitnehmen", erzählte Tim.
"Das wusste ich gar nicht. So nimmt der Fall doch noch eine Wendung", sagte der Richter erstaunt. Ein Raunen ging durch den Gerichtssaal. Und auch die Geschworenen redeten kurz flüsternd miteinander.
Der Anwalt Egon Drechsler drehte sich zu Gustav im und flüsterte ihm zu": Eine Affäre? Warum haben Sie mir das nicht alles erzählt? Jetzt sieht das alles nicht mehr gut für Sie aus", flüsterte Herr Drechsler zu Gustav.
"Ich wusste ja nicht...", stammelte Gustav.
"Ach, das wussten Sie nicht? Das beeinflusst den ganzen Prozess. Und ich gebe mir die ganze Zeit Mühe mit Ihnen. Verdammt!", zischte der Anwalt Drechsler Gustav zu.
"Es war doch nur ganz kurz", flüsterte Gustav.
"Ein Jahr oder eineinhalb Jahre sind in diesem Fall nicht kurz. Verdammt", sagte der Anwalt Egon Drechsler leider. Er war wütend und enttäuscht.
"So. Rede weiter", sagte der Richter Fiedler zu Tim. Und dann redete Tim weiter.
"Es war sehr hart für mich. Für uns alle. Vater sagte immer, wir sollen uns ändern. Soll er sich doch auch ändern", sagte er.
"DAS IST EiNE GEWALTIGE LÜGE! So war das alles nicht", schrie Gustav.
"Doch. So war es", sagte Tim.
"Die Affäre war nur kurz....und ausserdem hatte Sabrina eine Affäre schon früher als ich begonnen. Mit einem Mann. Mit irgendeinem Florian, einem Handwerker. Ich hab das gehört."
Schon wieder ging ein Raunen durch den Gerichtssaal.
"Das ist nie passiert! Ich hatte keine Affäre! ER hatte eine Affäre gehabt!", schrie Sabrina durch den Gerichtsaal."
"Das stimmt nicht", schrie Gustav erneut.
"Das beweisen sämtliche Fotos, die ich heimlich gemacht habe", schrie Sabrina.
"Und ich hab auch Fotos gemacht!", konterte Gustav wütend. Ob das, was Gustav oder Sabrina bezüglich der Fotos erzählten, Bluff war oder eine leere Drohung, dass wusste ausser ihnen niemand. Jeder im Gerichtssaal wusste nun, dass Gustavs Beziehung zu Sabrina zerrüttet war. Es war das reinste Affentheater im Gericht. Eine Mischung aus Drama, Horror und schwarzer Komödie.
Dann flüsterte Gustav seinem Anwalt Herrn Drechsler zu": Sabrina! Sie ist es, die die Kinder gegen mich aufhetzt! Denn ich habe nichts Schlimmes getan. Ausser, dass ich meine Familie - weil ich arbeiten musste in meiner Not- etwas vernachlässigt hatte."
"Ruhe bitte! So kommen wir nicht weiter. Jetzt redet Tim weiter!", schrie der Richter Fiedler.
Dann redete Tim weiter.
"Dann war Vater eines abends mal so richtig mies drauf. Er sass in seinem Wohnzimmer und guckte fern und da lag zufällig eine CD von meinen Death-Metal-Jungs Ingo und Ulf auf den Wohnzimmer-Tisch. Alles anderen Sachen von ihnen hatten wir schon verbrannt oder weggeschmissen. Nur diese eine CD, die auf dem Wohnzimmertisch lag, hatten wir vergessen - diese schmissen wir erst später weg. Vater legte diese CD aus Neugier in den CD-Player, dort mal reinzuhören. Als die schaurige Musik lief, lief uns ein Schauer über den Rücken. Und Vater drückte nach knapp einer Minute auf Stopp und beschloss die CD wegzuwerfen. Dann bekam Martin so einen Anruf von so einem Typen. Denn er hatte früher ihm angeblich versprochen etwas von dem Zeug zu kaufen, das er da hatte. In eine Tüte eingepackt. Martin sprach natürlich extra leise, so dass keiner mithören konnte. Doch Vater ahnte etwas nach dem Telefonat und dann hatten er und Martin einen Streit. Dann verliess Martin die Wohnung und ging zur Autobahnbrücke. Und dann folgte Vater ihm heimlich. Und auch ich - weil ich dachte, dass etwas Schlimmes passieren würde. Was mein Vater wiederum nicht wusste! Ich wollte noch Martin warnen. Doch es war zu spät. Ich holte instinktiv mein Handy ais der Tasche und filmte das Ganze. Dann hatten Vater und Martin auf der Autobahnbrücke einen heftigen Streit. Sie prügelten sich kurz darauf. Und Vater wollte ihm das Zeug wegnehmen, das er gerade von einem Typen gekauft hatte. Dann schlug er ihn mehrmals heftig. Dann fiel er gegen das Geländer. Martin schrie noch": Bitte, Vater, tue es nicht." Doch dann stiess Vater ihn runter. Ich hörte noch Martins Schrei. Ich konnte das alles mit dem Handy aufnehmen trotz der Dunkelheit. Ich konnte auch ranzoomen. Ich habe Fotos von den einzelnen Videoszenen machen lassen und habe alles eingereicht. Sie liegen in der Gerichtsakte", sagte Tim.
"DAS IST EINE GEMEINE LÜGE! DAS IST EINE GEMEINE LÜGE!", schrie Gustav.
Dann schwieg er. Denn mit dieser Aussage wusste er: Er hatte verloren. Er wurde den Prozess verlieren. Und das würde sein Todesurteil bedeuten.
"Warum haben Sie mir nicht alles gesagt? Ich war von Ihrer Unschuld überzeugt. Aber wenn Sie das wirklich getan haben...dann haben Sie auch die Todesstrafe verdient", flüsterte der Anwalt ihm zu.
Dann ging ein Raunen durch den Gerichtssaal.
"Pfui", sagte jemand.
"Er hat es getan", schrie eine Frauenstimme.
"Er soll sterben", sagte jemand anders.
"Ruhe bitte!", sagte der Richter. "Ich werde ihn jetzt befragen."
Doch Gustav fing an zu weinen.
"ICH KANN MICH NICHT ERINNERN! Ich kann mich nicht erinnern, dass ich das getan habe! Ich war es nicht!", schrie er weinend.
"Du hattest auch eine Affäre gehabt. Immer wenn Du nach Hause kamst, rochst Du nach Parfüm", erzählte Tim. Da kommt wieder Tims verleumderisches, hartherziges Wesen zum Vorschein, dachte Gustav.
"Aber Deine Mutter hatte auch eine Affäre gehabt. Das weiss ich genau. Das hatte sich später herausgestellt. Das wirst Du irgendwann erfahren!", sagte Gustav.
"Das ist eine Lüge!", schrie Sabrina.
Das ist zum Teil auch eine fürchterliche Bande. Verkommen, verdorben und verlogen. Alle wie sie da sind. Kaltherzig, verleumderisch, arrogant, hochmütig, lügnerisch, materialisisch, den Partner untreu. Alle verkommen und verdorben. Auch meine Kinder. Es muss wohl zum Teil an Corona und am Teufel und seine Dämonen liegen, dass alle hier so furchtbar sind. Ich hatte mich - bevor es mit Martin passierte - zeitweise auch leider nachteilig entwickelt - und habe mich erst im Gefängnis ein bisschen zum Guten ändern können, dachte Gustav.
"Ihr seid alle gegen mich. Ich soll sterben, weil ihr das Geld haben wollt, was ich nach Onkel Richards Tod einen Monat nach Martins Tod geerbt habe. So ist das! Sabrina stachelt die Kinder gegen mich auf! Die ganze Familie ist gegen mich! Sie hatten mich kein einzigstes Mal im Gefängnis besucht! Das ist alles nicht vortrefflich und gerecht, sondern vom Teufel. Ich weiss es, weil ich mit einem Prediger ein bisschen im Gefängnis die Bibel studiert habe. Ich habe mich da geändert! Ich will mit meiner Familie auch nichts mehr zu tun haben, wenn sie so gemein ist."
"Ich will nur mal was sagen. Du hattest Martin beseitigt, weil Du frei sein wolltest. Mit meiner Mutter verstandest Du Dich nicht, ihr standet kurz vor einer Scheidung. Ihr hattet noch nicht mal Sex zusammen. Aber Du hattest Deine Freundin Lucia gehabt - die Dich auch gerade kürzlich verlassen hatte. Mit ihr wolltest Du zusammen leben und Deine Familie verlassen. Und mit dem Geld Deines Onkels Richard wolltest Du mit ihr einen neuen Anfang machen!", schrie Tim zu seinem Vater.
"Das ist nicht wahr!", schrie Gustav.
"Du hattest das alles geplant. Heimlich!"
"Ihr habt auch Fehler! Nicht nur ich! Es war der Teufel, der mich verrückt gemacht hat! DerTeufel hat Schuld!", schrie Gustav.
"Das ist jetzt zu spät", sagte sein Anwalt Drechsler zu ihm.
"Da war der ganze Druck in der Coronakrise. Ich hatte ja keine Aufträge mehr gehabt....ich drohte pleite zu gehen und Sabrina wollte sich auch von mir trennen. Und dann hatte Martin sich verändert...Er hatte dann mit dem Ingo und Ulf zu tun, nahm Drogen, da waren diese Bücher, CDs und Amulette, die Einfluss auf uns nahmen! All das war mir zu viel. Auch, dass Martin uns - mich und meine Familue bedroht hatt- war mir zu viel. Er hatte sogar schon die Ringe meiner Frau geklaut. Sollte das so weitergehen? Ich musste doch meine Famiie schützen! Ich hatte immer versucht mit ihm zu reden und es hatte immer nichts bewirkt. Dann kam es auf der Autobahnbrücke richtig zum Streit zwischen uns. Etwas fuhr dann in mich - so sagt man ja in der alten Redensart. Ich rastete aus! Und da ist es passiert. Es war ...ganz plötzlich vorbei. Es war ein Unfall. Es war nicht mit Absicht passiert."
Eine Träne lief ihm über die Wange.
"Da haben wir es", sagte Gerda.
"Er wollte frei sein für die neue Frau", warf Tim ein.
"DER TEUFEL WAR ES! ER HAT SCHULD! Er hat mich zerstört und mir meine Familie geklaut. Nur der Pastor Begemann kam drei Wochen später, er betete mit mir, ich wurde ein anderer, normalerer Mensch, das Böse war weg. Aber es war zu spät. Ich wurde dann verurteilt! Ich hatte das früher sagen sollen...aber es fiel mir nicht ein! Diese ganzen Erlebnisse und der Schock mit Martin hatte teilweise bei mir eine Amnesie bewirkt. Ich konnte vieles nicht erinnern. Erst jetzt kann ich mich erinnern!", erklärte Gustav.
"Das ist genug. Wir, die Geschworenen und ich ziehen uns zur Beratung zurück."
Herr Drechsler sprach zu Gustav.
"Es tut mir leid. Aber die Sachte ist gelaufen. Ich kann - nachdem was jetzt passiert ist und alles herausgekommen ist, nichts mehr für Sie tun. Möge Gott mit Ihnen gnädig sein", sagte er.
Die Geschworenen berieten etwa fünf Minuten. Dann setzten sich der Richter und die Geschworenen auf ihre Plätze. Dann verkündete der Richter das Urteil": Hiermit verkündige ich das Urteil. Sie haben sich des heimtückischen Mordes nach Paragraph 211 schuldig gemacht. Wir bekannt ist, hatten Sie eine Affäre. Sie wollten für diese Beziehung frei sein. Da kam die Erbschaft von Onkel Richard gerade Recht. Und Martin nervte Sie schon lange mit seiner Drogensucht, Wutausbrüchen...und all die Probleme, die er verursacht hatte. So wie es aussieht, wollten sie ihn los werden - vielleicht auch um die restliche Familie zu schützen. Wie auch immer. Nach einem Streit und einer Schlägerei stießen sie ihn - als er in einem Moment wehrlos war - von der Autobahnbrücke. Das haben zwei Zeugen gesehen", sagte der Richter.
"DAS IST NICHT WAHR! ES WAR EIN UNFALL!", schrie Gustav.
"Es ist auch keine fahrlässige Tötung nach Paragraph 227 oder so. Es war ein kaltblütiger Mord. Sie hatten einen Wutausbruch aus nichtigem Anlass - was schon ein niederer Beweggrund wäre und damit ist schon ein Mordmerkmal vorhanden. Sie wollten ihn loswerden. Sie handelten mit Vorsatz", warf Gerdas Anwältin Frau Knauser ein.
"Das ist Dolus Eventualis mindestens. Und somit findet Parataph 211 hier Anwendung", meinte Tims Anwalt Herr Dr. Reese.
"Das nach meiner Einschätzung Dolus Directus!", sagte Frau Knauser.
"Das stimmt nicht! Ich bin unschuldig! Es war ein Unfall!", schrie Gustav.
"Es kommen mehrere Puzzlekteile zusammen, die zusammengefügt ein Bild ergeben. Ich spreche jetzt das Urteil. Sie sind des Mordes nach Paragraph 211 angeklagt. Und sind zum Tode durch eine Giftspritze verurteilt. Das Urteil ist rechtskräftig", sagte der Richter. Seine Stimme donnerte durch den Gerichtssaal und liess Gustav erschaudern.
Gustav war entsetzt und schockiert über die gesamte, seiner Meinung nach juristisch fehlerhaften und dilettantischen Gerichtsverhandlung. Und über das ungerechte Urteil. Wo bin ich hier? In Deutschland gibt es doch keine Todesstrafe. Also bin ich hier irgendwo im Mittelalter? Oder bin ich in London im 18. oder 19. Jahrhundert?, dachte er. Ihm kam das alles millerweille nicht real vor und es kam ihm so vor, als würde er völlig den Verstand verlieren.
"Ich habe das nicht gewollt. DER SATAN HAT SCHULD! Er hat mich ruiniert und mir meine Familie geraubt! IcH HAB MARTIN NICHT GETÖTET. ICH BIN UNSCHULDIG!", schrie Gustav. Dann wurde er leiser und sagte": Ich gebe es auf. Dann sterbe ich eben. Ich hatte meine Familie wirklich in der Coronakrise etwas vernachlässigt und das tut mir leid...und dann muss ich eben sterben", sagte er zum Schluss. Mehrere Tränen rannen über seine Wangen.
Dann kamen mehrere Polizisten auf ihn zu, legte ihn Handschellen an und führten ihn aus dem Gerichtsgebäude nach draussen. Und dann gingen sie mit ihm - vorbei an den sensationsgierigen Leuten und Reportern zum weissen Transporter und luden ihn dort ein. Wieder fuhren sie ihn in Handschellen und streng bewacht zum Gefängnisgebäude. Als der weisse Transporter vor dem Gefängnisgebäude hielt, holten ihn wieder mehrere Männer dort raus und brachten ihn in Handschellen in das Gefängnisgebäude. Kurz darauf brachten sie ihn in seine Zelle, in der er vorher schon gewesen war, zurück. Und schlossen die Tür ab.
"Ich will nicht sterben. Der Teufel hat Schuld'", schrie Gustav.
Aber niemand schien von seinem Schreien Notiz zu nehmen. Auch nicht der Gefängniswärter Herr Trede. Gustav blieb dort - voller Angst und mit dem Nerven fertig mehrere Stunden. Mittlerweile hatte er resigniert und sämtliche Hoffnung aufgegeben der Vollstreckung der Todesstrafe - seinem Schicksal - zu entgehen. Er verweigerte sogar das Essen - seine Henkersmahlzeit, die man ihm brachte.
Etwa nach fünf Stunden - in denen Gustav oft geschrien und geweint hatte und kurz vor dem Suizid gewesen war - kamen der Gefängnsdirektor Herr Schrader, der Arzt Dr. Seiler, der Gefängniswärter Herr Trede und mehrere Männer zu Gustavs Zelle. Sie blieben vor der Gefängniszelle stehen.
"Gustav Wehrmann. Wir sind gekommen, um Sie zu holen", sagte Herr Schrader.
"Es ist soweit", sagte Herr Trede. "Möge Gott mit Ihnen gnädig sein."
"Ja. Ich bin soweit. Ich kriege jetzt die gerechte Strafe. Ich habe mich um meine Familie nicht gut gekümmert und nun ist Martin tot!", schrie Gustav.
Dann er schloss Herr Trede die Zellentür auf. Und dann gingen mehrere Männer in die Zelle, packten ihn und führten ihn aus der Zelle. Gustav leistete keinen Widerstand mehr. Er hatte resigniert. Er war schon so gut wie tot. Die Männer gingen mit Gustav, der kaum noch Kraft hatte - den Gang entlang. Sie gingen kurz darauf noch mehrere Gänge entlang. Dann führten sie ihn in einen Raum, in denen eine Bahre lag. Und daneben standen einige ärztliche Geräte, die Gustav unbekannt waren. Als er genauer hinguckte, sah er dann die Kanülen, die Spritzen, der Behälter mit dem Gift, die Kabel. Eben alle möglichen Geräte.... Und er sah die Bahre. Links und rechts waren Polster für die ausgestreckten Arme. Und am Ende der Polster waren die Gurte und Handschellen, an denen seine Arme festgeschnallt werden sollten. Und auch am Fussende waren Fesseln.
"Strecken Sie bitte ihre Arme seitlich aus wie zwei Flügel. Und legen Sie sich so auf die Bahre. Die beiden Arme auf die Polster links und rechts", sagte Dr. Seiler.
Gustav gehorchte und steckte seine Arme seitlich aus wie Flügel. Dann legte er sich wie ein Vogel mit ausgebreiteten Armen auf die Bahre. Die Beine hatte er gerade ausgestreckt, die Arme links und rechts hatte er aufs Polster gelegt. Dann schnallschnallten zwei Männer seine Arme links und rechts an. Und auch seine Beine. Dann wurde Gustav ein Beruhigungsmittel verabreicht. Wenig später wurden Punktionsstellen an den Armen links und rechts betäubt, dann wurden die Gefässe punktiert. Und dann legte Dr. Seiler blitzschnell die beiden Katheter in seinen Armen - links und rechts - an.
"Tut es sehr weh?", fragte Gustav zu letzten Mal erschöpft.
"Wenn Du Dich nicht wehrst - nein."
Er sah, dass durch eine Glasscheibe, dass mehrere Personen da waren und ihn, wie er auf der Bahre lag und die Männer um ihn herum, die seine Hinrichtung vorbereiteten - beobachteten. Da war viel Publikum. Für Gustav unbekannte Leute. Und da war seine Familie. Sie werden zusehen, wie ich hingerichtet werde, dachte er. Er sah jedoch seine Familie nicht mehr an. Er hatte mit ihr abgeschlossen. Es ist sowieso vorbei, dachte er.
Dann sah er den Prediger Rateberg neben ihn stehen.
"Prediger. Kannst Du für mich beten?", fragte Gustav.
"Ja. Ich werde für Sie beten", sagte Rateberg.
Dann betete Rateberg für Gustav und sprach": Möge Gott Dir gnädig sein."
Dann bereitete der Arzt Dr. Seiler die Giftspritze vor. Kurz darauf floss das Gift Gustavs Venen. Und alles vor ihm verschwamm....


Dann hörte Gustav plötzlich eine Stimme. "Gustav. Gustav. Bist Du wach?"
"Wer ist da?", dachte er im erschöpften Zustand.
"Du bist hier."
Dann öffnete Gustav langsam die Augen und sah in ein freundliches Gesicht. Es war des Gesicht des Predigers Holger Rateberg. In diesem Moment wusste er nicht, wo er war. Und wieso Rateberg auf einmal da war. Er kam sich vor, als sei er in einer fremden Umgebung. Und doch kam ihm einiges vertraut vor. Er blickte nach rechts und sah einen Nachtschrank, auf dem sich ein Glas Wasser, Tabletten, ein Teller mit Obst befanden. Dann sah er den Katheter im rechten Arm, den sie gelegt hatten. Dann blickte er nach links und sah ein leeres Krankenbett. Ja, jetzt wusste er, wo er war. Er war im Krankenhaus! Und er erinnerte sich nun genauer daran: Er war ja krebskrank. Und er war hier im Krankenhaus Neukölln wegen Lympdrüsen- und Magenkrebs. Die Ärzte gaben ihm nur noch einige Monate Lebenszeit. Und der Prediger war sein Freund Holger Rateberg, den er schon länger kannte und mit dem er die Bibel studiert hatte. Und von dem er auch geträumt hatte und mit ihm auch im Traum im Gefängnis die Bibel studiert hatte. Und da er bald sterben würde und sein Leben kurz vor dem Tod immer mehr wie einem Leben in einer Gefängnis-Todeszelle glich, wusste er auch warum er von der Gefängniszelle geträumt hatte. Das hatte mit seinem Leben zu tun. Ja, er war wie in einer Todeszelle. Zumindest fühlte er so.
Er erinnerte sich dann genauer an seinen Traum und verglich ihn mit seiner realen Lebensituation: Der ganze Gerichtsprozess war nur ein Traum. Nichts war real. Er hat auch seinen Sohn Martin nicht umgebracht, er wurde auch nicht von einem Gericht verurteilt, es gab in seinem Leben auch kein Gefängnis, es gab keinen Heiner, keinen Arzt Dr. Seiler, keinen Gefängniswärter Trede, keinen Gefängnisdirektor Herr Schrader und keinen Richter Friedler und keine Geschworenen. Alles war nicht real. Real war nur oder was parallel zu seinem Traum war: Dass er seinen 21-jährigen Sohn Martin wirklich in der Coronakrise verloren hatte: An einer Überdosis Drogen. Man hatte ihn am am 18.4.2020 tot hinter einer Parkbabk gefunden. Und darüber kam er nicht hinweg. Dazu kommt noch seine Krebskrankheit: Lympfdrüsen und Magenkrebs. Real war auch, das das Verhältnis zu seiner Tochter Gerda sehr schwierig war. Real war, dass sein 19-jähriger Sohn Tim sich zeitweise in der Coronakrise wirklich mit einigen Punks abgab, zeitweise einige leichte Drogen nahm (er hatte inzwischen zum Glück damit aufgehört) und dass er einmal einen Punker namens Roland Seitz mit nach Hause brachte, der sich mit Spiritismus befasst hatte und dann so ein komisches Buch bei ihnen zu Hause liegenliess. Da ihm und seiner Familie das Buch komisch vorkam und der Punker, dem das Buch gehörte, das er liegen gelassen hatte, sich seltsamerweise nicht meldete und das Buch abholte, schmissen sie es irgendwann im November 2020 weg. Dazu riet uns der Pastor Struck der Freikirche, als wir ihm von dem Buch erzählten. Da war eigentlich alles. Denn ansonsten hielten wir uns vor Spiritismus fern. Und als Martin starb, fühlte Gustav sich für seinen Tod verantwortlich und hatte heftige Schuldgefühle. Hätte ich mich mehr um ihn gekümmert, dann wäre das nicht passiert, sagte er sich oft. Das Ganze war ein Schock! Am Schluss war daran die ganze Familie kaputtgegangen!

Dann sagte der Prediger Holger Rateberg zu Gustav": Du hast schlecht geträumt? Weisst Du, wo Du bist?"
"Ja. Im Krankenhaus", antwortete Gustav.
"Du hast ja gestöhnt, als hättest Du Schmerzen. Du hast wohl sehr schlecht geträumt", meinte Rateberg.
"Ja. Es war ein grausiger Traum. Ich träumte, ich wäre im Gerichtsssal , meine ganze Familie klagte mich an, ich wurde angeklagt meinen Sohn Martin heimtückisch von der Autobahnbrücke gestossen zu haben. Sowas würde ich nie tun! Ich wurde am Ende des Traumes mit der Giftspritze hingerichtet."
"Das ist alles zum Glück. nur ein Traum", sagte Rateberg.
"Aber...warum habe ich den Traum? Der muss ja vielleicht eine Bedeutung haben", erwiderte Gustav.
"Du hast Schuldgefühle wegen Deinem Sohn Martin. Sicher....Du hättest mehr für ihn tun können. Während Tim noch die Kurve gekriegt hat und keine Drogen mehr nahm, hatte Martin, das Problemkind der Familie, nicht mehr geschafft von den Drogen loszukommen", sagte Rateberg.
"Leider nein."
"Wie ist das Verhältnis zu Sabrina, zu Deinem Sohn Tim und zu Deiner Tochter Gerda?", fragte Rateberg.
"Immer noch schwierig. Keiner von ihnen hatte mich hier im Krankenhaus nach meiner Krebsoperation besucht", erzählte Gustav.
"Das ist sehr Schade", antwortete Rateberg.
"Das ist heutzutage oft so. Weg mit den Alten. Weg mit den Kranken. Alles was unbequem ist oder anders ist, muss weg", erklärte Gustav.
"Woran liegt es, dass die Kinder Dich nicht besuchen?", fragte Rateberg.
"Ich hatte mich um meine Kinder früher immer gekümmert...aber dann kam Frühjahr 2020 die Coronakrise. Da hatte ich im Lockdown Mitte März 2020 als Fotograf alle meine Aufträge verloren und ich musste besonders viel arbeiten - zum Beispiel neue Aufträge suchen, um finanziell über die Runden zu kommen! Da hatte ich dann nicht mehr viel Zeit für meine Kinder gehabt. Und dann hatte Martin ein Drogenproblem gehabt. Er traf sich dann auch mit den falschen Leuten. Auch im Lockdown. Und dann fanden wir ihn eines Tages tot m Park hinter einer Parkbank. Am 18. April 2020. Das war ein Schock! Ich gab mir die Schuld am Tod meines Sohnes Martin."
"Aber denk daran - Du hast ihn nicht wie im Traum umgebracht. Es sind die Schuldgefühle, die Dich quälen. Du hast Dein Bestes getan! Und das obwohl Du krank bist. Mehr verlangt auch keiner. Oder sollte man nicht verlangen. Dass Deine Frau Sabrina Dich Ende 2020 verlassen hatte und die Kinder mitgenommen hatte, ist schlimm. Auch, dass sie Dich nicht mehr besuchen kommt."
"Ich glaube....Corona und der Satan haben meine Familie geraubt. Ich glaube fest dran", sagte Gustav.
"Seid nüchtern und wachet; denn euer Widersacher, der Teufel, gehet umher wie ein brüllender Löwe und suchet, welchen er verschlinge. So steht es in 1. Petrus, 5: 8", sagte Rateberg.
"Schlimme Zeiten", sagte Gustav.
"Glaubst Du, dass Deine Familie demnächst Dich besuchen kommt?", fragte Rateberg
"Ja...wenn es um Geld und Erbschaft geht. Sie werden mich besuchen kommen. Aber sie kommen nicht wegen mir, sondern wegen Erbschaft. Sie wollen sicher wissen, wie das Testament ist."
"Und willst Du Deine Kinder Gerda und Tim etwas vererben? Und vielleicht auch Deiner verflossenen Exfrau Sabrina?"
Gustav überlegte kurz, bevor er antwortete.
"Mein Onkel Richard väterlicherseits, der ja kinderlos war, war leider Mitte 2021 verstorben. Er hatte mlch, weil ich mich so gut mit ihm verstand, als Alleinerben eingesetzt. Ich hatte das Haus geerbt und Aktien. Das Haus ist bei einem Verkauf mindestens 600.000 oder 700.000 Euro Wert, die Aktien sind ungefähr 70.000 Euro wert. Meine Kinder, die ja inzwischen schon Jugendliche sind, sollen beide zu gleichen Teilen erben."
"Und das machst Du, obwohl Deine Kinder Dich nicht besuchen?" , fragte Rateberg verblüfft.
"Ja. Ich sage mir: Ich hab mein Bestes getan.Und vielleicht werden sie zu mir künftig netter sein und mich mehr besuchen."
"Das hoffe ich. Wenn Du Deinen Kindern etwas vererbst...Dann wird der Teufel nächstes Mal Geld als Mittel einsetzen, um die Familie zu zerstören", sagte Rateberg.
"Ich hoffe nicht. Ich hoffe, dass meine Kinder künftig netter zu mir sind", antwortete Gustav.
"Ich muss leider los. Ich hab noch einen Termin. Ich komme in ein paar Tagen wieder vorbei", sagte Rateberg.
"Dann bis zum nächsten Mal."
Dann ging Rateberg.

Gustav war mehrere Stunden alleine in seinem Zimmer, starrte die Decke an und dachte nach. Dann kam plötzlich Tim in sein Zimmer. Er hatte einen Blumenstrauß in der Hand.
"Hallo Vater. Wie geht's Dir?", sagte er.
"Es geht mir den Unständen entsprechend. Ich bin ja schwer krank und habe nicht mehr lange zu leben. Es kann jeden Augenblick zu Ende gehen. Denn Krebs ist eine heimtückische Krankheit", erklärte Gustav.
"Sag es nicht, Vater. Sag es nicht. Du wirst wieder gesund werden", sagte Tim.
Er wischte sich die Augen. Für Gustav sah es so ais, als ob er sich eine Träne von seinem Auge abgewischt hatte. Vermutlich war das nur eine Show. Er sah, dass Tim immer noch seinen Blumenstrauß (das waren sicher Billig- Blumen aus dem Supermarkt) in der Hand hatte.
"Auf meinem Nachttisch ist eine Vase. Da kannst Du die Blumen reinstellen", sagte Gustav.
"Okay", sagte er. Dann ging er mit dem Blumenstrauß zum Nachtschrank und stellte ihn in die Vase.
"In dem Nachtschrank findest 20 Euro. Die kannst Du haben."
"Vielen Dank!", antwortete Tim.
Dann öffnete er die Schublade und nahm sich die 20 Euro, die da lagen.
Da fing Tim an mit seinen Reuebekundungen.
"Tut mit leid, dass ich Dich nicht ein einziges Mal besucht habe."
"Ist schon gut, Junge. Nicht so schlimm. Ihr habt alle zu tun. Ihr wollt Euch auch mal so ein bisschen vergnügen. In Deinem Alter hat man ja auch Frauen im Kopf. Ich war ja auch mal jung, verstehst Du ...da weiss ich wovon ich rede", sagte Gustav.
"Ja, Vater."
Gustav fiel auf, dass Tim bedrückt wirkte.
"Was ist denn los, mein Junge?", fragte Gustav.
"Ich hab da so eine junge Frau kennengelernt. Ich hatte mich auch mal ....naja etwas geküsst. Und dann fragte ich sie, ob sie mit mir gehen will. Das war auf dem Dom, als sie gerade Süssigkeiten gekauft hatte. Sie reagierte auf meine ernste Frage überhaupt nicht. Sie lutschte nur ihren Lolly und guckte mich nur seltsam an. Und dann sagte sie mir, dass mich zwar nett findet, aber zu unreif irgendwie, dass sie sich gar nicht fest binden wollte, sie wollte erst einmal Erfahrungen sammeln und sich nicht gleich binden. Schon gar nicht so einen wie mich", sagte sie.
"Ja. Dann ist sie nicht die Richtige. Vielleicht ist da eine in der Freikirche eine tolle Frau für Dich. Ich besuche die Freikirche regelmässig seit einem halben Jahr... Früher war ich nicht so ein Kirchengänger."
"Ich weiss, worauf Du hinaus willst. Du meinst, ich soll mir lieber eine andere suchen."
"Genau. Aber eine, die gleich mehrere Männer haben will, wird wohl kaum trau sein."
"VATER, WER HAT GESAGT, DASS SIE VERSCHIEDENE MÄNNER HABEN WIRD?", schrie Tim ärgerlich
"Aber das hört man doch so raus", sagte sein Vater Gustav.
"Du denkst, dass sie gleich zu verdorben ist", meinte Tim.
"Das habe ich nicht gèsagt", antwortete Gustav.
"Aber angedeutet "
"Ich denke, dass ihr, was das Thema Beziehung angeht, völlig desorientiert seid und nicht wisst, wo links und rechts ist. Man kann nicht nur nach dem Herz und inneren Drang gehen. Man muss auch nach dem Kopf gehen. Das ist in der Liebe und Partnerschaft -Ehe. so. Man braucht Grundsätze..."
"Vater, wir wechseln das Thema."
"Ja."
Dann schwiegen sie eine Weile. Dann sagte Vater": Es ist gut, dass Du da bist. Denn ich werde bald sterben. Und habe inzwischen mein Testament gemacht. Schon bevor ich ins Krankenhaus kam Das liegt beim Notar", sagte Gustav.
"Sag das nicht. Du wirst wieder gesund werden", entgegnete Tim.
"Meine Tochter ist leider nicht gekommen. Aber das ist heutzutage so üblich. In dieser Welt werden die Alten nicht mehr besucht. Oft ist das so. Jeder denkt nur noch ans Geld. Oder ans egoistische Vergnügen", erklärte Gustav.
"Sie denkt sicher doch oft an Dich."
"Das tut sie nicht. Aber egal. Sie muss wissen, was sie tut. Ich habe meine Pflicht getan. Ich habe ein Testament beim Notar hinterlegt. Wie Du weist, habe ich von meinen Onkel Richard sein Haus mit einer Grösse von fast 1000 Quadratmeter Grundstück geerbt. Das Haus ist mit Grundstück ungefähr 600.000 oder 700.000 Euro wert. Dazu kommen noch Aktien im Wert von ungefähr 70.000 Euro. Ich habe beschlossen - obwohl mein Verhältnis zu Euch nicht immer einfach war - Euch als Erben ein zusetzen. Jeder wird die Hälfte meines gesamten Vermögens erben. Das wollt ich nur mal mitteilen", sagte sein Vater Gustav.
"Danke, Vater, dass Du an mich denkst", antwortete Tim.
"Ich hätte ein besserer Vater für Dich und Gerda sein sollen. Aber was soll 's. Wechseln wir das Thema....Ich hatte einen schlimmen Traum gehabt..."
"Welchen Traum?"
"Ich hatte geträumt, dass ich von Euch angeklagt werde, zum Tode verurteilt werde und am Ende hingerichtet werde. Auch, weil ich im Traum den Tod von Martin verschuldet hatte."
Sein Vater Gustav erzählte ihm in Kurzform, was er geträumt gatte und woran er sich noch erinnern konnte.
"Das ist ein schrecklicher Traum", sagte Tim.
"Ja. Das stimmt. Ich habe Martin zwar nicht wie im Traum umgebracht... Ich hätte mich aber um ihn mehr kümmern sollen. Ich hätte mich um Euch mehr kümmern sollen."
"Vater, Du brauchst Dich nicht schuldig zu fühlen", sagte Tim.
"Rede nicht weiter...ich hätte mich mehr um Euch kümmern sollen...aber ich will das wieder gutmachen. Ihr kriegt beide mein Vermögen. Zu gleichen Teilen. Und ich hoffe, ihr werdet damit glücklich", sagte Vater Gustav. "War ich denn so ein schlechter Vater?"
"Vater, Du warst ein guter Vater", antwortete Tim
"Und Du ein guter Sohn", sagte Vater Gustav schnell. Obwohl das eher nicht der Realität entsprach.
Dann umarmte Tim seinen Vater. Vater hatte Tränen in den Augen. Sie redeten noch eine Weile. Nach etwa einer halben Stunde ging er aus dem Krankenhaus und verliess das Krankenhaus.


Am 5.6.2022 starb plötzlich Gustav Wehrmann an Krebs. Rateberg erfuhr davon erst einen Tag später. Gustav hatte seine beiden Kinder Gerda und Tim als Alleinerben eingesetzt. Sie sollten zu gleichen Teilen sein Vermögen erben.

Etwa fünf Tage später, am Freitag, den 10.6.2022 um 10 Uhr fand in der Kapelle 3 des Friedhofs Grunewald Gustav Wehrmanns Beerdigung statt. Nur ein paar Menschen waren da. Sein Sohn Tim, seine Tochter Gerda, eine Tante aus München, zu der Gustav wenig Kontakt hatte. Eine Cousine und ein Cousin mittleren Alters aus Stuttgart, zu denen Gustav auch nicht viel Kontakt hatte. Und Holger Rateberg selbst. Zwei Freunde. Und einige, andere Leute, die Rateberg unbekannt waren. Als der blumenbeschmückte Sarg auf der Bühne war, hielt der Pastor Michael Seitz vor dem kleinen Publikum eine Rede. Danach kamen vier Sargträger auf die Bühne und trugen den Sarg mit Gustavs Leichnam aus der Kapelle nach draussen zu der Stelle, an der Gustavs Grab ausgehoben worden war und in der der Sarg mit Seilen heruntergelassen werden würde. Die Trauergemeinde folgte dem Sarg und den Sargträgern. Dann kamen sie an der Stelle an, an der das Grab ausgehoben worden war. Dann hielt der Pastor eine Rede und betete für Gustav und für die Trauergemeinde. Dann wurde der Sarg mit Seilen in die Grube heruntergelassen.
"Kannten Sie Gustav gut?", fragte Rateberg einen Trauergast.
"Ich bin der Cousin. Ich kannte aber Gustav nicht sehr gut", sagte er.
"Das ist schade", sagte Rateberg.
"Ich kenne noch nicht mal seine Kinder. Ich hatte sie vor zehn Jahren das letzte Mal gesehen. Die sehen gut aus."
"Haben Sie selbst Kinder?", fragte Rateberg.
"Nein. Das hatte sich bei mir nicht ergeben. Ich hatte als Immobilienmakler immer viel gearbeitet. Und die richtige Frau hatte ich leider nicht gefunden in den letzten 30 Jahren. Und jetzt bin ich 50 Jahre alt und fühle mich zu alt dafür", erzählte der Cousin.
"Es sind aber nicht viele Personen auf der Beerdigung", sagte Rateberg.
"Ja. Schade."
"Tja. Oft kommt erst bei der Beerdigung die ganze Familie zusammen. Ansonsten hat man nicht viel Kontakt miteinander. Und auch nichts zu sagen. Oder die Familie ist wegen Erbschaft zerstritten. Und jetzt ist Gustav unter der Erde. Und dann kommt die Familie und streitet sich um das Geld. So ist das meistens."
"Das stimmt."

Der Prediger Rateberg hatte recht. Nach der Beerdigung gingen die Streitigkeiten zwischen Tim und Gerda und ihrer Mutter Sabrina um Vater Gustavs Erbschaft los. Zuerst bekam Sabrina einen Schock, weil sie enterbt worden war. Das hatte zur Folge, dass sich mit ihren Kindern aufgrund von Erbschaftsstreitigkeiten keinen Kontakt mehr hatte. Es dauerte nicht lange, bis sie depressiv wurde und sich das Leben nahm. Dann ging das meiste Geld ging an Anwaltskosten drauf. Tim verspekulierte sich später mit Aktien und verlor fast sein gesamtes Vermögen. Auch fing er an wieder Drogen zu nehmen. Und irgendwann brach er auf der Tanzfläche im Club zusammen und kam ins Irrenhaus. Gerda kaufte sich einen Sportwagen. Als sie mit ihm eine Berliner Stadt-Tour machte, fuhr der Freund am Steuer zu schnell und machte einen schweren Unfall. Er war sofort tot. Und sie war schwer verletzt und war seitden im Rollstuhl gefesselt. All das Geld, was sie hatte, wurde schon bald verpulvert. Sie blieb nachher alleine im Rollstuhl in ihrer kleinen Wohnung. Ja, der Teufel hatte Gustav nicht nut die Familie geraubt, sondern auch vollständig zerstört. Was Gustav, seiner Frau und seinen Kindern widerfahren war, hätte er (Gustav) - wenn er noch leben würde - bestimmt nicht gewollt, dachte der Prediger Rateberg. So kann es sein, wenn man zu sehr am Geld hängt. Auch solche menschlichen Schwächen nutzt der Teufel aus.


ENDE
Datum
2023-12-23
Räumlicher Geltungsbereich
Hamburg und Berlin
Urheber
Berthold von Kamptz
Rechte
CC BY-SA 4.0
Sprache
de
Nutzungsrechte
Nutzung bis 23.12.2033 / 02:53 bestätigt