Tagebuch: Corona - Freitag, der 13. in Berlin

Objekt

Titel
Tagebuch: Corona - Freitag, der 13. in Berlin
Beschreibung

CORONA - Freitag der 13. 11.2020 (und Samstag, der 14.) in Berlin.

Es war an einem Freitag, den 13. November 2020 in der Coronakrise und im 2. Lockdown (Lockdown Light). Ich hatte an diesem Tag noch einiges zu erledigen im Hamburg. Ich musste mich mit eine Telefongesellschaft auseinandersetzen, die knapp 100 Euro für einen Router haben wollte, den ich nach Kündigung und Anbieterwechsel vor 3 Monaten längst an Ihre Adresse geschickt hatte. Erst nach 3 Monaten kamen sie an und behaupteten, dass ich den Router für meinen vergangenen Telefon-Anschluss immer noch nicht abgeschickt hätte. Obwohl ich das (mein Vater war Zeuge bei der Absendung) vor 3 Monaten längst getan hatte! Doch nach 3 Monaten hatte ich den Beleg nicht mehr aufbewahrt. Und auch sie konnten den Erhalt des Routers auch nicht nachweisen oder wollten es nicht. Und eine Nachforschung des Sendeverlaufs war nach drei Monaten nicht mehr möglich, was vermutlich auch im Sinne der Telefongesellschaft war, die sich alles andere als seriös verhielt. Hauptsache ich sollte zahlen! Das würde zum Streit kommen und eventuell zum Anwalt kommen, aber ich hatte ja eine Rechtschutzversicherung. Auch sah ich, dass ich viele andere Rechnungen zu bezahlen hatte, die sich immer mehr auftürmten. Die konnte ich kaum bezahlen. Dann funktionierte die Heizung in meinem Reihenhaus in Hummelsbüttel nicht richtig und ich musste mit einem Heizlüfter im Kinderzimmer nachheizen. Dann war ich immer noch auf Jobsuche im Internet. Leider erhielt ich Absagen und was noch schlimmer war, dass ich oft keine Antwort erhielt. (Ich lernte vor kurzem einen Mann kennen, der als Projektleiter in Berlin - Friedrichshain arbeitete und Interesse an meinen Filmen hätte. Der versprach viel, hatte auch viele Kontakte. Auch zur Presse. Er machte doch keine feste Zusage. Er wollte mal sehen, wie es mit den Dreharbeiten weiterging und wie mein nächster Dreh in Berlin werden wurde. Das war besser als nichts. Aber immer noch zu wenig. Auch zu wenig Konkretes.) Deshalb musste ich mehr beruflich Gas geben. Da ich wenig Geld hatte und eine Familie zu ernähren hatte , brauchte ich Aufträge oder einen Job. Denn ich brauchte das Geld (das Geld was man zum Leben braucht). Ich musste daher nach Berlin reisen, obwohl das aufgrund der immer höher werden Infektionszahlen nicht risikolos war und ich war fest entschlossen alle Wege in Berlin nur mit Maske und Abstand zu beschreiten. Wie meine Arbeitssuche dort genau aussehen sollte und welche Umwege ich gehen musste und welche Hindernisse ich zu bewätigen hatte, war noch nicht klar. Ich wollte verschiedene Sachen ausprobieren. Mehrere Eisen im Feuer haben in der Coronakrise! Eines würde mit Sicherheit funktionieren. Daher wollte ich vieles weiterhin verfolgen: Malen. Filmen, Schreiben. Das machte vielleicht für viele (die mit Kunst nichts zu tun hatten) unrealistisch, lächerlich aussehen, aber ich wollte es versuchen ohne die Realität und Umsetzbarkeit aus den Augen zu verlieren. Ein Eisen hatte ich im Feuer, das aus meiner Sicht Erfolg versprach und das war meine Geschichte "Corona-Freitag, der 13. Ich hatte diese Geschichte gerade fast zuende geschrieben. Sie war eigentlichso gut wie fertig, nur ein kleiner Rest fehte noch und ich musste noch einiges an der Geschichte überarbeiten. Ich wollte die Orte in Berlin, in denen die Geschichte spielte, erst einmal genauer angucken wie zum Beispiel den Tiergarten, den Tiergarten. Ich wollte genau sehen, wie es am Freitag den 13.11.2020, an dem Tag an dem die Geschichte spielen sollte, aussehen würde und ich wollte die Stimmung bzw. den Flair in meiner Geschichte einfangen. Später wollte ich die Geschichte einem Verlag anbieten - falls Interesse bestünde. Das müsste ich abwarten. Dann wollte ich eine andere Sache, eine kleine unaufwändige Sache beenden, die ich noch nicht ganz befriedigend abgeschlossen hatte und mein zweites Eisen war, das ich im Hinterkopf hatte: Das waren meine Filmprojekte, die durch Corona zum Erliegen gekommen waren: Ich wollte mir auch einige Ausstellungsorte ansehen und auch einige Aufnahmen für meine Filme "Corona-Tod in der Stille" (seit April 2020) und seine kleine Fortsetzung "On the Dark Road of 17. Juni" (seit Juni 2020) machen. Und auch für den Film "Psycho - Der Schrecken des Phantom-Killers", an dem ich schon längere Zeit (seit 2019) arbeitete, aber es wegen der Coronapandemie und den Massnahmen immer wieder zu Unterbrechungen gekommen war. Das hörte sich viel an, aber ich wollte nur einige Filmaufnahmen machen und das sollte nur eine Korrektur des bisher gedrehten Materials sein. Es sollte eine leicht realisierbare Sache sein und ganz simpel und unaufwändig über die Bühne gehen. Ich packte meine Malsachen, meine beiden Handys, das Ladekabel und andere Dinge in meinen Rucksack. Dann nahm ich ihn und meine drei Leinwände mit, meine Ersatzjacke und Ersatz-T-Shirt für meinen Film-Dreharbeiten und verabschiedete mich von meiner Familie. Mein Vater warnte mich bei einem Telefonat am Handy vor der Abfahrt": Pass auf Deine Gesundheit auf. Du bist keine 20 mehr. Du kriegst sonst einen Herzinfarkt. Du kannst Dich nicht so trapazieren und Die Nächte durchmachen." Da hatte mein Vater Recht. Doch ich war positiv eingestellt. Vielleicht zu positiv. Ich hatte meine Pläne, wollte Geld verdienen. Ich musste in der Coronazeit besonders kreativ sein! Ich glaubte das irgendwie hinzukriegen. Das war manchmal meine Art, Negatives in der Coronazeit zu verdrängen. Denn Mist hatte ich in diesem Jahr genug erlebt und manch einer wäre da schon längst in meiner Situation abgedreht. Ich verabschiedete mich von meiner Familie und fuhr am Nachmittag zum Hamburg Hauptbahnhof. Ich ging ins Reise-Zentrum Hauptbahnhof und kaufte dort eine Fahrkarte für die Hin- und Zurückfahrt. Gegen 16:30 stieg ich in den Zug und fuhr los. Ich fand eine leere Vierer-Sitzreihe in der 2. Klasse. Ich verstaute meine Leinwände und Farben auf einen freien Fenstersitz in Fahrtrichtung, setzte mich auf einen freien Platz daneben und zeichnete. Als ich gerade auf dem Weg zur Toilette war, klingelte mein Handy. Es war mein Freund D. Ich stand von meinem Sitzplatz auf, nahm mein Handy in die Hand und verließ damit das Abteil und ging draussen auf dem Gang in der Nähe des WCs. Dort nahm ich an meinem Handy den Anruf entgegen. "Hallo. Wie geht es denn. Ich bin im Zug nach Berlin," sagte ich. "Ach ja? Tatsächlich? Ich würde aber unterwegs aufpassen. Das ist alles nicht so einfach wegen Corona. Bringt das denn wenigstens was beruflich?", fragte D. "Aber natürlich. Ich vermute, dass ich Aufträge oder ein Job bekomme. Oder ein Bild verkaufen werde. Vielleicht bekomme ich eine Onlineausstellung? Ich bin nahe dran. Ich habe sogar meine Malsachen mitgenommen. Ich werde an meinen Film drehen und meinen Corona-Roman korrigieren. Und dann zurückfahren. Ich habe viel zu tun", erklärte ich ihm. Ich hatte im Nachhinein Zweifel, ob ich das damals auch wirklich innerlich so positiv sah oder es mir nur einredete oder es einfach nur so sagte. D. war bei unserem Handytelefonat kritisch. "Aber das mit dem Jobangebot ist ja nicht sicher. Ich würde doch nur nach Berlin fahren, wenn das wirklich sicher ist", sagte D. "Aber was soll ich machen? Ich muss doch Geld vedienen. Meine Familie ernähren. Das würde jeder vernünftige Vater tun! Ich muss alles annehmen, was ich kriegen kann. Dass ist alles leider in der Coronazeit schwierig", sagte ich. "Das musst Du wissen. Ich wäre nur gereist, wenn ich was Sicheres hätte. Was auch Geld bringt. So wie jetzt ist vieles unklar. Aber das musst Du wissen", sagte D. Wir redeten noch eine Weile. Dann verschiedete wir uns und dann beendeten wir das Telefongespräch. Dann schrieb ich in der Bahn weiter. Gegen ca. 18 Uhr kam der Zug in Berlin Hauptbahnhof an. Ich stieg aus dem Zug aus, verließ den Bahnsteig, fuhr die Rolltreppe runter und sah im Berliner Hauptbahnhof zuerst den Weihnachtsschmuck überall. Überall brannten grelle, bunte Lichter von Lichterketten. Es waren zwar mehr Leute im Hauptbahnhof als im Frühjahrs-Lockdown. Aber es war trotzdem nicht so voll wie früher in der Zeit vor Corona. Man merkte immer wieder: Corona hatte vieles verändert! Aber trotzdem war ich an diesem Abend gut gelaunt und positiv eingestellt. Denn ich hatte einiges vor. Ich würde schon Geld verdienen und "es würde sich schon alles zurechtlaufen", dachte ich. Meine Mutter, die damals Brust-Krebs mit 17 befallen Lympknoten hatte und dies (nachdem die Ärzte ihr damals 1988 nur ein halbes Lebensjahr gaben) 11 Jahre überlebt, sagte oft "das wird sich schon irgendwie zurechtlaufen" - bevor sie leider 1999 doch starb. Ich hatte mir ihre Sprüche gemerkt. Ich ging zu einem Reisebedarfsladen im Hauptbahnhof und kaufte eine Zeitung. Und las Nachrichten - hauptsächlich über das Thema Corona. Ich las, dass Glühwein in Berlin ab einer bestimmten Uhrzeit bald verboten werden würde vor Weihnachten und dass die Infektionszahlen immer mehr in die Höhe stiegen. Wie soll es denn weitergehen verdammt noch mal? Es werden immer mehr Corona-Fälle", dachte ich und meine Stimmung wurde etwas gedämpfter. Dann dachte ich, dass es besser wäre die Nachrichten gar nicht mehr zu lesen, dass man einfach etwas alkoholisches trinkt und einfach denkt die Welt wäre in Ordnung - anstatt in tiefe Depressionen zu versinken. Und wie war es doch früher in der Vor-Coronazeit schön! Da hatte man Freiheit, konnte sich mit Freunden treffen, schön im Restaurant sitzen, man konnte feiern, man konnte auch eine Frau daten, vieles war einfacher und freier. Da hatte man auch Aufträge, die meisten hatten Arbeit. Aber nun? Nun konnte man noch nicht einmal pinkeln, es gab keine Konzerte, es gab's kein Theater, keine Ausstellungsbesuche. Mein Vater sagte vor der Reise noch "Die Leute halten nicht mehr durch. Das muss man sich mal vorstellen. Seit der Coronapandemie ist ja nichts. Gar nichts. Alles zu. Auch Restaurants. Keine Konzerte. Kein Kino nichts. Junge Leute können sich noch nicht mal richtig treffen und kennenlernen, da ja auch Discos geschlossen haben", so erinnerte ich mich an die Worte meines Vaters vor meiner Reise nach Berlin. Da hatte er Recht! Aber ich vergaß die Gedanken. Ich wollte einfach fröhlich sein. "Trink, sei fröhlich, der Rest vergessen, mit Vollpower geht es an die Arbeit und ein bisschen Urlaub nebenbei. Ich werde mich mit Maske zu dem Brandeburger Tor schleichen, es wird alles in Ordnung sein, step by step und dann werde ich an meinen Projekten arbeiten und alles wird gut werden", sagte ich mir. Und beruhigte mich auf diese Weise! Mit grösster Willensanstregung, viel Arbeit und Geduld würde ich das schon schaffen, sagte ich mir. Ohne diese positiven Einstellung an diesen Tagen hätte ich nichts produzieren können! Ich hing noch eine kleine Weile meinen Gedanken nach. Dann ging ich zum Ausgang Washingtonplatz und verließ den Hauptbahnhof. Dann ging ich in Richtung Reichstag: Schnurstracks überquerte ich den Washingston-Platz-Strasse, den Washingston-Platz, die Gustav-Heinemann-Brücke ,Ludwig-Erhard-Ufer, Spreebogenpark, überquerte die Otto-von-Bismarck-Allee, ging U-Bahn Bundestag entlang vorbei am Paul-Löbe-Haus, überquerte die Paul-Löbe-Allee, passierte den Platz der Republik und ging zum Reichstagsgebäude. Dort machte ich einige Fotos. Auch an der Scheidemannstraße (an der Seite, an dem sich der Reichstag befand). Ich sah, dass der Souvenirshop und das Restaurant, die sich auf der anderen Strassenseite der Scheidemannstraße befanden, geschlossen hatten. Ich ging über die Scheidenmannstrasse und ging dann den Simsonweg entlang - bis zur Ebertstrasse. Und dann war ich Brandenburger Tor (Platz des 18. März.) Dort war es wie ausgestorben. Dort machte ich einige Fotos. Und drehte einige Videos für meine Filme. Ich hatte den Anfang geschafft! Dann ging ich in den Tiergarten und guckte mir die Umgebung an. Das Laub an den Bäumen war gelb geworden und fiel zum Teil runter. Und das Laub bildete auf dem Boden einen gelben Teppich. Ich stellte mir vor, wie der Juwelier in meiner Geschichte, die drei Einbrecher verfolgte, die zuvor in der Coronakrise bei ihm im Geschäft eingebrochen hatten... Ich versteckte meine drei Bilder im Laub an einem umgekippt Baumstamm. Denn die Leinwände waren zu gross, um sie irgendwo im Hauptbahnhof einzuschliessen. Dann dachte eine Weile nach. Wie ich Aufträge als Illustrator und Maler ergattern könnte. Auch über die Realisierung meiner Filmprojekte. Ich suchte zeitweise im Internet nach Aufträgen, versuchte einiges. Doch es war schwer in dem Coronalockdown light in meiner Branche etwas vernünftiges zu finden. Das würde mehr Zeit als gewöhnlich in Anspruch nehmen...Dann merkte ich, dass es inzwischen dunkel wurde. Ich machte einige Fotos und drehte etwas für meine Filme. Da ich kein Kameramann hatte, machte ich einige Videos in der Selfieperspektive, filmte meine Umgebung und dokumentierte vieles. Oft legte ich die das Handy mit der Film- Kamera auf mich gerichtet an meinem Rucksack an, den ich bei mir trug. Oder an einem Mauerstück, das mir von der Höhe ungefähr bis zum Hals reichte oder wenigstens bis zu meinem Bauch. Oder - wenn ich absolut nichts griffbereit hatte und niemand in der Nähe war - nahm ich als Stativ-Ersatz mein Portemonaie - nachdem ich das Geld rausgenommen hatte und dies in meine Hosentasche versteckt hatte - und legte es auf die Mauer oder auf einen großen Stein oder einen anderen Gegenstand. So machte ich schnell, flexibel und ohne grosse Vorbereitungen einige spontane Filmaufnahmen zum Beispiel wie ich im Film mit meinem Darsteller Hasan in seiner Rolle oder mit Ingrid beim Handy - Telefonat am Handytelefon redete. Ideal, wenn man kein Kameramann hat, dachte ich oft. Nachdem ich eine Weile an meinen Filmszenen gearbeitet hatte, war ich vorerst fertig und ich macht eine Pause. Ich telefonierte danach mit meinen Freunden am Brandenburger Tor. Ich schrieb meinen Freund D. eine Nachricht und berichtete ihm von den Dreharbeiten. Der war jedoch immer noch nicht begeistert, dass ich nach Berlin gereist war. Und von meinen Plänen hielt er nichts. Er meldete sich die nächsten Tage nicht mehr. Auch mein Vater war anfangs nicht sehr begeistert von meiner Berlin-Reise in der Coronazeit und an Jobs, die es in Berlin scheinbar gab, glaubte er nicht, da ich nichts konkretes und keine feste Zusage, keinen schriftlich bestätigten Auftrag hatte, der Geld brachte. Alles baute auf "Hoffnung" und "vielleicht ja" und Wunschträumen auf. Mehr nicht. "Ich kann ja verstehen, dass Du was in der Coronakrise versuchst. Aber das muss Doch irgendwann mal Geld bringen, denn bis jetzt ist kein Geld geflossen. Du hast Dir nur ein Bein ausgerissen für nichts", sagte mir mein Vater vor der Abfahrt. "Aber es sei doch besser etwas zu versuchen, als gar nichts zu machen", sagte mein Vater auch ein anderes Mal. Den letzten Satz konnte ich auf jeden Fall unterschreiben! Ich muss alles annehmen, was ich kriegen kann, sagte ich mir auch. "Ich hatte Dir schon gesagt. Achte auf Corona. Auf Abstand und Maske. Achte bezüglich Stress auf Deine Gesundheit. Du bist keine 20 mehr und kannst Dich nicht so strapazieren und die Nacht durchmachen. Pass auf Dich auf," sagte mein Vater auch. Ich nahm seine Warnung zu Herzen. Doch ich musste auch arbeiten. "Ich muss doch was machen," antwortete ich. "Ich hab Dich mit der Gesundheit gewarnt. Es ist Dein Leben. Ich habe Dich gewarnt," sagte mein Vater. Dann war das Gespräch über das Thema auch erst einmal vorbei. Ich musste was versuchen!, sagte ich mir. Es war vieles heutzutage ein Risiko. Was ist denn seit Corona noch normal?, dachte ich. Fast nichts. Und schwere Zeiten erfordern manchmal harte Entscheidungen. Und so wollte ich mein Ding durchziehen, das Beste aus der Situation machen, damit ich selber in den Spiegel gucken konnte und sagen konnte:" Ich habe das wenigstens versucht." Volle Kraft voraus! Doch nach einiger Zeit des Herumsuchens im Handy merkte ich, dass es mit der Jobsuche doch nicht so leicht war, wie ich gedacht hatte und meine Stimmung wurde leicht negativer. Im Mai, als ich im Berlin war, war es im Nachhinein klar, dass das mit Job nichts werden würde. Im August 2020 kam ich aus Österreich und machte eine Reise auf den Sonnendeck eines Touristenbusses und erlebte die "Künstlerdemo am Brandenburger Tor." Im September war ich auf der "Demonstration der Veranstalter" in Berlin (und war aber auch in Berlin wegen Film- Dreharbeiten.) Im Oktober hatte ich in Berlin an meinen Filmen gearbeitet und hatte dort auch einen Job gesucht...Aber ich hatte es nicht ganz richtig angefasst und deshalb wurde es nichts mit dem Geldverdienen. Da waren auch die Demos wie Schweigemarsch, die "Querdenker-Demo" etc., diverse Ablenkungen und ich liess mich davon leider etwas ablenken. Aber jetzt wollte ich mal mehr erreichen, mal Aufträge bekommen und konsequent nach Jobs in Berlin suchen! Aber ich stellte mit Ernüchterung fest, dass es nicht so einfach war. "Ich werde das morgen in Charlottenburg probieren. Da gibt es Galerien. Da gibt es sicher Ausstellungsmöglichkeiten. Und wenn das nicht klappt, dann kann man es bei den Filmaufnahmen und Malen zu belassen. Alles geht eben nicht", so waren ungefähr meine Gedanken. Ich könnte meine Bilder malen und sie später über das Internet verkaufen. Mir würde schon was einfallen! Und so gewann ich einen Rest der positiven Stimmung zurück. Ich ging dann zum Brandenburger Tor. Dort waren mehr Leute als ich dachte. Ich machte noch am Brandenburger Tor einige Filmaufnahmen und einige Fotos. Dann ging ich zur Strasse Unter den Linden. Auch diese Straße war ziemlich voll. Und das in der Lockdown-Light-Zeit! Zumindest in der Nähe des Brandenburger Tors war es so. Viele Leute schienen nicht sehr vor Coronaansteckung Angst zu haben! Denn sonst hätten sie sich anders verhalten. Das Komische war, dass das die Menschen im März - als die Ansteckungsgefahr niedriger war - mehr Angst vor Corona hatten als jetzt am Ende des Jahres 2020, wo die Infektionszahlen immer höher stiegen. Viele waren inzwischen absolut sorglos. Wahrscheinlich war der Grund, dass viele von Corona überdrüssig waren. Viele verleugneten in letzter Zeit auch die Coronagefahr. Ich glaube viele hatten es satt sich nach den Coronamassnahnen zu richten und waren einfach coronamüde. Und deshalb bezweifelte ich allmählich, ob der Lockdown Light was bringen würde - zumindest so wie er umgesetzt wurde und weil viele Leute sich damals nicht an die Coronamassnahmen hielten. Es musste dann meiner Meinung nach ein harter Lockdown sein, der dann konsequent zeitweise durchgezogen wurde. Nur zeitweise, damit die Wirtschaft nicht zu sehr den Bach runtergehen würde. Ich ging weiter die Strasse Unter den Linden hoch in Richtung Friedrichstraße. Dann setze ich mich auf eine Bank und guckte das Drehbuch durch. Kurz darauf machte ich einige Filmaufnahmen. Dann bemerkte ich, dass die Akkus meiner beiden Handys auf einem sehr niedrigen Stand war. Ich musste im Mc Donalds-Restaurant um Bahnhof Friedrichsstrasse meine Handys aufladen! Deshalb ging ich zur Friedrichsstrasse. Als ich durch die dunkle Friedrichsstrasse durchmarschierte, lief ich an den Räumungsverkaufsschilder der pleite gegangenen Schuhgeschäfte vorbei mit dem Hinweis "50 % Rabatt auf alles". Das deprimierte mich und erinnerte mich daran, dass es mir möglicherweise auch so ergehen könnte, wenn ich keine Aufträge und Jobs finden würde. Aber ich wollte mir meine Stimmung nicht vesauen. Immer positiv denken, obwohl es oft schwerfiel. Dann erreichte ich den Bahnhof Friedrichsstrasse. Das Mc Donalds Restaurant am Bahnhof direkt an der Strasse unter der Brücke hatte geschlossen. Da gab es noch nicht einmal etwas zum Mitnehmen. Ich ging daher in die Bahnhofshalle und ging zum zweiten, anderen Mc Donalds-Restaurant. Als ich diesen erreichte, hatte dieser zum Glück geöffnet. Ich ging in das Mc Donalds Restaurant hinein und bestellte am Tresen ein Hamburger Royal TS, Pommes und Cola. Ich fragte einen Mitarbeiter nach einer Auflademöglichkeit meiner beiden Handys. "OK. Kein Problem. Das kannst Du dort an der Steckdose machen. Und so verband ich ein von meinen beiden Handys mit dem Ladekabel und steckte danb das Ladekabel in die Steckdose an der Wand des Mc Donalds Restaurants und lud ich mein Handy auf. Während des Aufladens ass ich im Stehen. Dann kam ein anderer Mitarbeiter zu mir. Der war nicht so freundlich.. "Du musst raus. Nur etwas bestellen und raus. Esse draussen Dein Essen. Draussen an der Säule gibt es eine öffentliche Steckdose. Da kannst Du Dein Handy aufladen", sagte er. "Ok. Werde ich machen.", erwiderte ich. Ich riss mein Ladekabel mit dem angeschlossenen Handy aus der Steckdose, griff meine Essenstüten, meinen Rucksack und die Tüte mit den Malsachen und ging nach draussen. Dann steckte ich das Ladekabel mit dem Handy an eine der Steckdosen an der Säule draussen in der Bahnhofhalle. Nachdem ich mein erstes Handy etwas aufgeladen hatte, steckte ich mein zweites Handy an das Ladekabel und lud es auf. Während mein zweites Handy auflud, setzte ich mich (weil ich müde wurde) auf den Fussboden und ass ich mein Essen. Dann fuhren mehrere Polizeiwagen draussen in die Nähe des Eingangs. Dann sah ich dort zwei Polizisten. Als ich näher hinguckte, sah ich eine Polizistin, die ihr Haar zu einem Pferdeschwanz gebunden hatte und einen Polizisten. Beide trugen Masken. Sie sahen sich kurz in der Bahnhofshalle um und dann liefen sie die Treppe nach unten zu dem unteren U-Bahnsteig. Dann liefen andere Polizisten in die Bahnhofshalle und sie rannten ebenfalls die Treppe runter. Ich wurde unruhig. Was war los? Obwohl ich generell nicht den Freitag den 13. als Unglücktag sah (dann würde jedem Menschen ein Dachziegel auf den Kopf fallen, was ja nicht der Realtät entsprach) dachte ich ein bisschen unterschwellig (auch weil ich müde war): Könnte durch einen dummen Zufall doch am Freitag, den 13. ein Unglück geschehen? Denn an einem Freitag den 13. hatte meine Lebensgefährtin Maria am 13.1.2009 in der Domenikanischen Republik eine Fehlgeburt. Nach rationaler Überlegung wusste ich aber: Das war dummer Zufall - mehr nicht. Ich zog sofort mein Ladekabel mit dem zweiten Handy aus der Steckdose, nahm meinen Rucksack und die Tüte mit den Malsachen und ging damit in die Bahnhofshalle. Ich wollte gerade in Richting des Ausgangs gehen, der gegenüber des Eingangs lag, als ich an der Treppe innehielt. Ich wunderte mich, dass die Polizisten nicht nach oben gelaufen waren. Schliesslich siegte mir die Neugier und ich ging vorsichtig die Treppe hinunter. In der Mitte der Treppe blickte ich auf den Bahnsteig. Dort standen einige Leute und warteten auf die Bahn. Ich ging dann weiter nach unten bis zum Bahnsteig. Aber die Polizisten waren nicht zu sehen. Ich wollte gerade wieder nach oben gehen, als die Polizisten plötzlich vom hinteren Bereich der Treppe auf den Bahnsteig liefen. Zweil Polizisten hielten links und rechts einen ca. 40- jährigen Mann an den Armen fest und zerrten ihn die Treppe rauf. Andere Polizisten folgten ihnen nach oben. Dann waren sie weg. Ich war verblüfft und lief kurze Zeit später auch nach oben. In der Bahnhofhalle sah ich mich um. Sie waren weg. Dann lief ich zum Ausgang. Dort draussen sah ich überall Müll auf dem Boden liegen. Auch der Mülleiner dort quoll vor Müll über. Was war hier geschehen? Ich lief wieder in die Bahnhofhalle hinein und ging dann nach links zum anderen Ausgang (der auch der Eingang war), durch den ich die Halle vorhin gegangen war. Dort wo die Strasse war. Ich lief auf den Ausgang zu, als ich einen Mann sah, der scheinbar zusammengebrochen war. Ich wollte gerade helfen. Doch die Ärzte, die dort waren, kümmerten sich schon um ihn und setzte den Mann vorsichtig auf einen Stuhl. "Können Sie reden? Hallo", sagte der Arzt zu ihm. Er antwortete nicht. Draussen stand ein Krankenwagen. Mit Blaulicht, der die Umgebung draussen in ein blau tauchte. Das Blaulicht strahlte sogar durch die Fenster in die Bahnhofshalle. Und es standen einige Polizisten und Polizeiautos am Eingang. Ich ging schnell an dem kranken Mann vorbei. Ich konnte ja doch nichts tun. Ein anderer Arzt guckte mich als ich schnell vorbeiging böse an, als wollte er sagen "verschwinde hier". Ich wollte auch nicht stören. Ich rannte durch den Ausgang nach draussen. Dann lief ich die Friedrichstrasse bis zu der Strasse Unter den Linden hoch. Und dann zum Brandenburger Tor. Dann sah ich am Brandenburger Tor, wie sich eine ganze Reihe Polizisten in ihren Uniformen in mehreren Reihen direkt vor dem Brandeburger Tor für ein Foto aufstellte, das ein professioneller Fotograf mit seiner propfessionellen Ausrüstung machte. Die untere Polizisten-Reihe kniete, die obere Reihe bückte sich etwas über der knienden Reihe und die oberen standen über den beiden Reihen. Wie bei einem Klassenfoto. Als der Fotograf alle auf die Kamera hatte, machte er mehrere Fotos. Sie sahen aus wie Helden, wie sie in ihren Reihen posierten. Dann führten einige Polizisten demostrativ mit ihren Motorrädern am Brandenburger Tor auf dem Pariser Platz rum. Ich lief an ihen vorbei durch das Brandenburger Tor und erreichte wenig später den Weg, der in den Tiergarten führte. Dort wo die Strasse des 17. Juni begann. Dort drehte ich für meine Filme - unaufwändig- fast alles ab. Da es etwas kälter war, trug ich beide Jacken übereinander. Meine Lederjacke, die ich immer trug und dann meine Ersatzjacke. Ich musste mir für einige Szenen im Film ein anderes Hemd anziehen, da ich feststellte, dass ich in meinem alten Hemd ein grosses Loch hatte. Da es sehr kalt war, wollte ich mir das ersparen und verdeckte mit der einen Lederjacke mein altes Hemd. Die andere Ersatz-Film-Jacke, die ich anhatte, zog ich wieder aus. Ich konnte auch mit dem Rollkragen eines Pullovers diesen Makel beseitigen. Ich hatte viele Szenen abgedreht, als es zu einer Panne kam: Eines von meinen beiden Handys stürzte ab. Ich versuchte mit dem zweiten Handy weiterzufilmen, doch da war wieder kaum Kapazität auf dem Handy -Akku. Dann mussten die Dreharbeiten erst einmal abgebrochen werden. Dann ging ich über den Simsonweg, dann am Reichtag vorbei in Richtung Hauptbahnhof. Es war ungefähr 3 h morgens am 14.11.2020, als ich den Hauptbahnhof erreichte und ich war sehr müde. Dort setzte ich mich in der Bahnhofshalle auf eine Bank in der Nähe einer Bäckerei, der meistens immer offen hatte. Ich trug inzwischen - weil es kalt war - zwei Jacken übereinander: Meine Lederjacke und darüber meine warme Ersatzjacke. So wurde mir wärmer. Ich hielt meinen Rucksack zuerst fest umklammert. Und dann benutzte ich wenig später den Rucksack als Kopfkissen. Dann schlief ich wenig später auf der Bank ein. Besser gesagt, es war fast mehr ein Dösen. Ich schlief oder döste ungefähr zwei Stunden. Dann wurde ich durch Stimmen geweckt. Als ich aufwachte, war es 5:30 Uhr. Einige Kunden kauften beim Bäcker etwas zu Essen entweder ein Brötchen oder oder ein Kaffee. Auch ich stellte mich - als ich wacher wurde - an der kleinen Schlange von Menschen vor der Bäckerei an und als ich drankam, bestellte ich Salat mit leckerer Sosse und dazu einen Kaffee. Kurz darauf ass ich den Salat auf der Bank und trank meinen Kaffee. Da ich doppelte Jacke anhatte, fror ich nur wenig. Ich war froh, dass ich diese Nacht rumgekriegt hatte und ich war fit. Zwar habe ich beruflich nicht viel erreicht. Aber die Dreharbeiten waren gut verlaufen. Ich hatte alles, was ich filmen wollte, im Kasten. Und ich hatte wenig später auch einige Zeichnungen mit einigen Texten gemacht. Diese wollte ich in Zukunft verkaufen. Oder als Ideen für neue Ölbilder benutzen. Plötzlich wurde ich massiv von einer Bettlerin angebettelt. Ich stand etwas erschreckt auf und gab ihr wenigstens 50 Cent. Als ich abgelenkt war, wurde mein Platz auf der Sitzbank besetzt. Ein anderer Bettler setzte sich auf meinen freien Platz. Ich verliess dann den Hauptbahnhof und ging nach draussen. Die Wolken rissen auf und es wurde hell. Ich ging über die Washingtonplatz, dann Gustav-Heinemann-Brücke, ging vom Spreebogenpark bis zum Platz der Republik und dem Reichstagsgebäude. Um ca. 6:30 Uhr war ich am Brandenburger Tor. Dort war es wie ausgestorben. Alles leer. Keine Menschen, nichts. Ich ging zum Tiergarten und ging eine Weile dort spazieren. Ich betrachtete die gelben Laubbäume und das gelbe Laub, dass schon von den Bäumen auf den Boden gefallen war und wie Goldtaler aussahen. Ich hätte gerne viele Fotos und Videos von den Landschaftszenerien gemacht. Doch meine Handys waren nicht aufgeladen und so konnte ich keine Fotos machen. Ich prägte mir die Landschaften ein und sammelte Inspirationen. Ich ging bis zum Venusbassin, zum Steppengarten, Beethoven-Haydn-Mozart-Denkmal. Dann sah ich mir die Tierplastike an :Zwei Bisons, Zwei Hirsche, Zwei Elche, ein Stier, ein Bär. In der gelben Herbstlandschaftt sahen sie mächtiger aus aks sie waren und stachen teilweise bedrohlich aus dem Gelb heraus. Das hing jedoch mit meiner Gesamtstimmung in der Coronazeit zusammen, die oft wechselhaft war. Denn sonst sähen sie in meinen Augen sicher friedlicher aus. Ich ging dann kurze Zeit später wieder zum Brandenburger Tor zurück. Kurze Zeit später ging ich zum Pariser Platz, dann zur Strasse Unter den Linden. Und von der Straße Unter den Linden zur Friedrichsstrasse. Und von dort aus zurm Bahnhof Friedrichsstrasse. Dort bestellte ich mir bei Mc Donalds im Bahnhof Essen. Auch lud ich wenig später eines meiner Handys in der öffentlichen Steckdose draussen an der Säule vor dem Mc Donalds Restaurant auf. Als ich von der Bahnhofspolizei weggejagt wurde, lud ich im anderen Teil des Bahnhofs an einer anderen Steckdose heimlich mein Handy auf. Und als es mir nicht möglich war, weil ein Bahnhofpolizist sich über mein Aufladen an der öffentlichen Steckdose beschwerte, ging ich wenig zur anderen Seite des Bahnhofs - dort wo Mc Donalds war - zurück und lud mein Handy etwas auf. Denn ohne meine beiden Handys kam ich mit meiner Filmerei nicht weiter. Nach einer Weile ging ich die obere Treppe hoch zu einem Bahnsteig. Ich löste eine Tageskarte. Dann fuhr ich mit der Bahn zum Bahnhof Charlottenburg. Ich stieg dann aus der Bahn, verliess den Bahnhof und lief an den Bettlern, die am Ausgang waren, vorbei und spazierte Stuttgarter Platz entlang. Charlottenburg hat durch Corona eine anderes Flair bekommen. Es waren viel weniger Menschen auf der Strasse, obwohl einige keine Maske aufhatten und so taten, als sei vieles normal. Ich ging dann zur Rönnestrasse. Dort waren immer weniger Menschen. Dann war ich Holtzendorffstrasse, bog links ab in die Joachim-Friedrichs-Strasse. Später kam ich - vermutlich - auf die Paulsboger Strasse. Und dann war ich auf der Strasse Kurfürstendamm. Dort entdeckte ich einen Taxistand. Ich lief über die Strasse und erreichte den Taxistand. Dort standen mehrere Taxis. Ich lief zu einem Taxi, in dem ein Mann sass und sagte ihm, er solle mich zu den Villenviertel fahren. Doch er sprach eine andere Sprache und konnte mein Deutsch nicht so gut verstehen. Vielleicht dachte er, dass ich es wohl nicht so ernst meinte und wollte mich nicht hinfahren. Es hätte auch nichts weiter genützt ihm zu erklären, dass ich Videos machen wollte und Insprationen für meine Geschichten sammeln wollte und ihm Skizzen zu zeigen. Er verstand einfach nichts. Dann ging ich zu einen anderen Taxi. Doch dieser hatte vermutlich eine andere Tour. Kurz darauf traf ich auf eine Taxifahrerin, die wusste, was ich wollte. "Ich suche das Villenviertel. Können Sie mich hinfahren?", fragte ich sie. Wir sprachen kurz einige Sätze miteinander. Ich erzählte ihr beiläufig, dass ich Inspirationen für meine Geschichten und Bilder suchte. Sie verstand mich und wusste, was ich wollte. "Ich fahre Sie zu dem Villenkolonie Westend. Das ist eine Ortslage des Berliner Ortsteils Westend im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Dort finden Sie bestimmt Insprationen für ihre Bilder und Geschichten. Ich nehme nur 20 Euro", sagte die Taxifahrerin. "Es gibt dort viele grossen Villen und Häuser. Aber der Boden ist manchmal morastig. Einige Grundstücke sind ziemlich unter Wasser. Aber ansonsten sehr schön. Da wohnten viele Persönlichkeiten", erzählte die Taxifahrerin. Ich stieg dann in ihr Taxi ein und sie fuhr zuerst durch die Strasse Eichkatzweg, dann die Jaffestrasse runter. Nicht weit weg war der Drachenberg. Nach einiger Zeit des Herumfahrens verlor ich die Orientierung. Vermutlich war ich Akazienallee. "Was haben Sie künstlerisch vor?" "Ich werde Filme machen, schreiben. Ich brauche Inspirationen", sagte ich. "Hier finden Sie genug Inspirationen. Das ist sicher", erwiderte sie. "Wieviel Geld wollen Sie haben? Sie haben mich länger gefahren als erwartet", sagte ich. "Ich nehme nur 20 Euro. Ist schon gut. Ich mach die Uhr aus. Ich kann sie noch bis zum Hauptbahnhof zurücknehmen ohne Geld. Ich sowieso dorthin. Ist schon in Ordnung", sagte sie. Ich bedankte mich. Dann machte sie die Uhr aus. Wir fuhren dann eine Weile herum und wir unterhelten uns, als ihr Handy plöttlich klingelte. Sie ging ans Handy und jemang bekam ein Tourauftrag. "Tut mir leid. Ich kann sie nicht mehr kostenlos zurückfahren. Ich muss Sie leider absetzen. Das verstehen Sie doch? Da hinten ist ein Bahnhof. Sie lief mich an der Bahnstation raus, dessen Name mir entfiel. Ich lief eine Weile die für mich unbekannte Strasse entlang. Es dauerte einige Zeit, als ich den Bahnhif Berlin Messe Nord erreichte. Ich stieg dort in eine Bahn nach Grunewald. Und nach einiger Zeit erreichte ich Grunewald.
Als die Bahn dort einrollte, stieg ich aus. Dann sah ich weiter weg vom Bahnsteig aus eine Gruppe von Leute, die an der Strasse am Bahnhof sassen. Schemenhaft. Und ich hörte plötzlich Musik. Und Lichter - vermutlich Laternenlichter. Es sah aus wie eine grosse Party. Ich traute meinen Augen nicht. Partys waren in der Coronakrise verboten. Wie konnte das sein, dass mitten am Bahnhof eine Party stattfand? War das - weil ich lange Zeit keine Party erlebt hatte oder ich etwas übermüdet war- eine Fatamorgana? Ich machte einige Videos. Denn wenn ich das nicht filmte, war es auch nicht geschehen - so sagte ich mir (ich hatte den Spruch im TV in einem Film mal gehört). Ich verliess den Bahnsteig und ging die Treppe runter. Dann ging ich durch den U-Bahntunnel zur seltsamen Versammlung, die mir etwas seltsam vorkam. Dort sah ich links und rechts ein geisterhaft erläuchtetes Restaurants. So kam mir daa zumindest vor. Diese Resraurants waren scheinbar geöffnet, denn Licht brannte überall drinnen. Wie ich kurz darauf erfuhr, durfte man sich nicht ins Restaurant setzen, sondern durfte sich nur zum Mitnehmen Essen bestellen. Dann gab es im Restaurant vom Bahnhof aus gesehen links eine Imbissbude, bei der Currywurst, Pommes und Bier verkauft wurde. Gegenüber der Strasse vor dem anderen Restaurant auf der rechten Seite wurde auf mehreren Holztischen Suppe, Glühwein und Alkohol verkauft. Auch leckeren Apfelcider. Überall standen auf dem Tischen Kerzen und Kunstlichter, die zur romantischen Atmosphäre beitrugen. Links und rechts am Straßenrand saßen viele junge Leute. An Maske und Abstand hielten viele sich wenig. Es glich fast schon einer kleinen Party und mich wunderte, dass die Polizei nicht kam und die Party auflöste. Die beiden Verkäufer am Würstchenstand auf der linken Seite achteten doch - zumindest am Stand - auf Abstand und Maske. Und auch die Suppenverkäufer an den Holztischen auf der anderen, rechten Strassenseite auch. Was die Leute weiter weg machten, interessierte sie weniger. Hauptsache verkaufen und Party. Ich bestellte mir an der Currywurststand eine geschnittene Currywurst, Pommes und eine Cola. Und ein Berliner Kindl. Ich bezahlte, nahm das Essen und suchte mir einen Baumstumpf zum Sitzen. Doch alle Baumstumpf-Sitzplätze waren besetzt. So musste ich zeitweise im Stehen essen. Dann wurde ein Baumstumpf frei, als jemamd aufstand und wegging. Niemand schien mich zu bemerken. Ich trank zuerst mein Berliner Kindl und dann meine Cola aus und ass mein Essen auf. Dann schrieb ich an meine Freunde, was ich alles beruflich erreicht hatte. Eigentlich beruflich nichts. Aber ich hatte jedoch tolle Videoaufnahmen, Fotos und einige Zeichnungen gemacht. Und Anregungen für meine Geschichten, die ich Scheiben werde, gesammelt. Aber kein Auftrag ergattert, der mir Geld brachte. Alles baute auf "Vielleicht", "Träumen", "Hoffnung " auf und sagte mir "das kann ja was in Zukunft bringen". Selbst wenn ich kostenlose Ausstellung machte im Internet redete ich mir ein, dass das alles für meine Kunst Werbung sei und was bringen würde. "Immer Werbung machen, aber kein Geld", so sagte man fast jedem unbekannten Künstler in der Coronazeit. Das schien schon ein Privileg zu sein, dass man überhaupt arbeiten durfte. Dann lief ich weiter die Strasse runter durch einen Tunnel und erreichte ein Restaurant, das geschossen war und das direkt am Waldrand lag. Auch das Restaurant war geschlosen. Eine Menschentraube bildete sich an der Kasse, denn viele Menschen bestellten sich Essen zum Mitnehmen. Ich lief auf den Schmetterlingsplatz und sah mir den wunderschönen Sonnenuntergang an, der die Waldgegend, all die gelben Bäume in ein dunkles Rot oder Orange tauchte. Ich machte dort einige Fotos. Auch an der Eichkampstrasse. Dann am Schildhornweg , am neuen Schildhornweg und am Dauerwaldweg. Dort ging ich auch einige Zeit spazieren. Ich sah im Dauerwaldweg viele interessante Häuser. Ich war ungefähr am Weg Hornisgrund, als ich unkehren wollte. Dann ging ich die Strecke zurück zum Bahnhof Grunewald. Ich ging durch einen Tunnel und erreichte die Fasanenstrasse auf der anderen Seite des Bahnhoifs. Dann ging ich weiter zur Bettinastasse. Ich ging einige Strassen weiter, als ich eine hellerleuchtete Villa bemerkte, die ganz im Stil der 20 er Jahre eingerichtet war. Dort verliessen einige elegant gekleidete Leute die Villa durch ein grosses Gartentor. Da schien wohl eine Party stattzufinden! Aber in der Coronazeit? Weil ich neugierig war, ging ich zum hellerleuchteten Eingang. Auch ich wurde in grellem Licht angerstrahlt. Ich fragte ein junges Ehepaar, das gerade die Villa verliess. Der Mann trug einen eleganten Anzug und einen Zylinder und die blonde Frau mit den langen Haaren trug ein weisses, langes Kleid, das fast wie ein Hochzeitskleid aussah. Auch trug sie eine Kette und andere Assesouires. Sie sah fast aus wie ein Engel und erinnerte mich an meine Ex "Steffi (die in meinem Film "Pastor Ralph Letzte Beichte" mitspielte), die die Stefanie in meinem Film spielte. Sehr wahrscheinlich sind sie neu vermählt, dachte ich. Ich wagte nicht näher nachzufragen. "Findet hier eine Party statt in der Coronazeit?", fragte ich. "Party nicht. Du kannst das Haus besichtigen. Aber nur mit Abstand", sagte die junge Frau. "Danke. Ich werde mir das mal angucken", antwortete ich. Dann ging ich weiter zur Villa. Mir war das ein wenig unangenehm, da ich keine passende Kleidung anhatte. Ich ging in die Villa rein. Aber als ich den Tresen mit der Kasse erreichte, wurde ich einfach reingelassen ohne etwas zu bezahlen. "Sie können reingehen. Kostenlos. Aber Getränke, Sekt gibt es nur zu kaufen", sagte der hagere Mann mit der Glatze an der Kasse. Sein junger Kollege im Anzug, der nicht weit weg von ihm war, nickte mir ebenfalls zu. "Danke. Vielen Dank", sagte ich und ging in die weiträumige Villa, in der nur wenige Besucher waren. Vielleicht waren es 10 Personen. Als ich die Räume betrat, kam ich aus den Staunen nicht mehr heraus. Die ganze Villa war im Art-Deco-Stil der zwanziger Jahre gestaltet. Im riesigen Flurbereich schien es hunderte von Blumensträusse in gigantischen, bunten, mit ornamentenbeladenen Vasen zu sehen, die dem Zeitgeist entsprachen. Teilweise sah ich auch altägyptisch gestaltete Vasen. Dann betrat ich die anderen Räume, die prachtvoll eingerichtet waren. Einer luxieriöser und prachtvoller als der andere. Ganz im Stil der 20er Jahre. Die Möbel waren meist aus purem Edenholz. Entweder Nussbaum, Ebenholz, Palisanderholz, Eiche, Mahagoni, Birke und anderen teueren, tropischen Hölzern, die meistens glänzten. Auch sah ich Tische, Stühle, Kommoden und Schränke, die glänzten. Vieles war daher auch aus Metall. Es gab auch das typische Teeservice, die Obstschalen mit Obst, die typisch waren in den Zwanzigern. Und dann sah ich immer wieder Blumen. Die typischen Kissen. Blumen und nochmal Blumen. Schwarz-Weiss-Fotos und ein Schachbrett mit Schachfiguren.Auch gab es eine Tischuhr. Der Fussboden war aus Marmor, der halb bedeckt wurde mit einem Teppich mit Zick-Zack-Ornamenten. Als ich den Raum, der vermutlich das Esszimmer war, verliess, betrat ich den anderen Raum. Die Kombination aus Metal, Marmor und Elfenbein fielen mir ins Auge. Eine Phantastische Kombination, die von einem guten Geschmack zeugte! Dann ging ich weiter ins Wohnzimmer. Dort hing ein riesen Spiegel. Fast hätte ich mich erschreckt, als ich dort mein eigenes Spiegelbild sah. Ich schaute mich im Wohnzimer um. Das Zusammenspiel der braunen Sessel, mit den hellen Kissen, hellen Vorhängen, den hohen Fenstern und den dunklen Schränken mit den Kerzenleuchtern beeindruckte mich sehr. Und das Schlafzimmer hatte nicht nur rote Wände und Bettzeug, sondern wurde durch rotes Licht angestrahlt, das das intensive Rot und die Unheimliche Wirkung noch verstärkte. Das war sehr phantasievoll! Ich fühlte mich dort pudelwohl, fühlte mich in die zwanziger Jahre hineinversetzt, ich konnte etwas träumen und es war für mich eine Wohltat so etwas Schönes zu sehen - gerade in der Coronakrise, wo ich viel Mist erlebte, wo doch vieles nicht mehr ging und wo vieles hässlich war. Mich ärgerte nur, dass ich nicht passend zjum Anlass der Ausstellung gekleidet war. Ich blieb noch eine Weile in der Villa und sah mir all die übrigen Räume und all das Schöne an. Dann ging ich an den wenigen Gästen vorbei durch verschiedenen Räumlichkeiten in Richtung Ausgang. Ich verabschiedete mich von dem freundlichen Mann am Tresen und seinen netten Kollegen und verliess die Villa. Und ging wieder durch die dunklen Wegen mit all den Villen (zuletzt über die Douglasstrasse und Auerbachstrasse) zum Bahnhof Grunewald. Dort fuhr ich mit der Bahn bis zur Friedrichsstrasse. Und von dort aus ging ich bis zur Strasse Unter den Linden und dann weiter bis zum Brandenburger Tor. Ich ging dann weiter zum dunklen Tierpark und fand die Stelle, in der ich die Leinwände unter dem Laub versteckt hatte. Ich grub die Leinwände aus und ging damit und meinen anderen Sachen wieder zum Brandenburger Tor. Ich wollte zum Abschluss endlich malen! Dort auf dem Pariser Platz setzte mich auf eine Bank, packte ich meine Malsachen aus - auch meine Ministaffelei und fing wenig später an Ölbilder auf den drei Leinwänden zu malen. Wenig später erschienen, als ich beim Malen war, mehrere Polizeiwagen und Polizisten auf Motorrädern auf dem Pariser Platz. Und ich machte mit dem Malen Pause und guckte, was passierte. Polizisten sperrten das Gebiet um das Hotel Adlon ab. Schaulustige sammelten sich plötzlich rund um das Hotel Adlon. Ich fragte eine Frau, was los war. Dann erfuhr ich von ihr, dass Prinz Charles in Hotel Adlon einchecken würde. Wenig später sah ich zwar wie jemand den roten Teppich ausrollte und ein grauhaariger Mann in das Hotel lief. Aber Prinz Charles sah ich nicht genau. Das lag auch an meiner Sehschwäche und ich hatte nur eine Kontaktlinse aus kostengründen im rechten Auge (die andere verlor ich schon vor langer Zeit - aber es war nicht schlimm, da ich auf dem linke Auge sowieso fehlsichtig war und weniger sehen konnte). Ich vermutete, dass das ein anderer Mann war, der in das Hotel gelaufen war. Ich sah nur die Limosine von Prinz Charles genau. Aber die Nachrichten und die Leute bestätigten später, dass der grauhaarige Mann Prinz Charles war, der ins Hotel Adlon gegangen war. Ich hatte wohl nicht richtig hingeguckt! Ich wusste das nicht genau. Prinz Charles war ja schon über 70 Jahre alt (72 Jahre alt) und ich konnte ihn leicht verwechseln. Dann blickte ich zufällig auf die Handy-Uhr. Und ich merkte, dass mein Zug nach Hamburg gleich kommen würde. Ich musste dringend zum Hauptbahnhof mit meinen Leinwänden, Rucksack und Malsachen laufen! Und so packte ich meine Sachen bltzschnell zusammen und lief mit den Sachen voller Kraft trotz meiner Neuralgie-Rückenschmerzen in Windeseile am Reichstagsgebäude vorbei in Richting Hauptbahnhof. In letzter Sekunde erreichte ich in Berlin Hauptbahnhof auf der unteren Bahnsteigebene den Zug. Ich stieg dort ein, setzte meine Coronaschutz-Maske auf und setzte mich auf einen freien Platz der freien Vierer-Sitzgruppe des fast leeren Abteils. Und fing dort an dem Tisch an zu zeichnen. Wenig später fuhr der Zug los in Richtung Hamburg-Hauptbahnhof. Doch wenig später - nach ungefähr 15 Minuten - wurde durchgesagt, dass es einen Gleisunfall gab und der Zug zurückfahren musste. Was das ein Ärger! Dann fuhr der Zug nach Berlin zurück.Und so fuhr die Bahn auf Umwege nach Hamburg und ich kam irgendwann verspätet in der Nacht in Hamburg an.
Datum
2020-11-14
Räumlicher Geltungsbereich
Berlin und Hamburg
Urheber
Berthold von Kamptz
Rechte
CC BY-SA 4.0
Sprache
de
Nutzungsrechte
Nutzung bis 28.12.2033 / 00:37 bestätigt