Kasalla Livestreamkonzert mit Kind auf dem Sofa - ein normales unnormales Konzert

Objekt

Titel

Kasalla Livestreamkonzert mit Kind auf dem Sofa - ein normales unnormales Konzert

Beschreibung

Die kölsche Band Kasalla hat nach 6 Wochen Lockdown ein Livestream unplugged Konzert in der Groovebar in Köln gespielt. Das Ganze war unendgeldlich über Facebook oder Youtube zu sehen. Endlich wieder Musik von einer Lieblingsband! Und doch war alles irgendwie anders. Die 5 Musiker sitzen auf der Bühne in Abstand auf Barhockern. Einer hat eine Maske um den Hals, die hat er wohl vergessen auszuziehen. Kleine Zeichen für ein nicht ganz normales Konzert. Der Applaus ist sehr gering, da nur die Techniker im Raum sind.
Man sieht den Jungs die Freude an, dass sie endlich wieder Musik machen können, gemeinsam und doch merkt man besonders in den schnellen Songs die Einschränkungen. Basti Campmann, der Frontsänger, hat sichtlich schwierig keinen Sitzen zu bleiben. Er wippt und Tanz im Sitzen. Wer ihn kennt, merkt, wie sehr es ihm fehlt seine Energie zu zeigen und sich auf der Bühne zubewegen. Es ist eben doch nicht alles normal und wie früher.
Am Ende des Konzerts ein Abspann und auf der Bühne sieht man ohne Ton, wie jeder der 5 eine Maske von irgendwo auf der Bühne herzaubert und sie anzieht. Auch die sich sonst so vertrauten Bandmitglieder müssen Abstand waren.
Und zu Hause? Ich sitze mit meinem 10 jährigem Sohn auf dem Sofa. Er darf heute länger auf bleiben, mit Mama Kasalla schauen. Vorfreude und Begeisterung. Während des Konzerts die Frage: "Mama wieso klatschst du nicht mit?" und Aussagen, wie "Muss komisch sein, eigentlich Klatschen viel mehr zu Hause, aber die bekommen das einfach nicht mit." Wieso klatsche ich nicht? Ich weiß es nicht. Ich geniesse die Musik und aber von unbeschwerter Zeit sind sowohl Kasalla als auch wir hier zu Hause weit entfernt. Und jeder Song ist weise ausgewählt und kann als Botschaft auf gefasst werden. Textzeilen, die anders gedacht waren und doch irgendwie auch auf jetzt passen, rufen in Kombination mit den ungewohnten sitzenden Jungs und den teils doch irgendwie ernsten Mienen auch immer wieder Corona ins Gedächnis: "Doch dinge Platz he an d'r Thek
Dä bliev för immer leer" (Kasalla: Alle Jläser huh) wobei man das "för immer" nicht hofft oder Songs wie "Immer noch do" ("Jo, Jo, Jo; Mer sinn immer noch do, do, do; Weil ma su schnell nit kapott jeht; Und weil die Sonn immer widder op jeht") Und dann der Abschiedssong der einen Funken Hoffnung verbreitet und in mir hervorruft: "JA, es wird vorbei gehen und JA wir schaffen das! Irgendwie... Irgendwann" (Abschlusssong: "Mer sinn uns widder").
Ein Gefühl von Freude, Erinnerung und auch Trauer, Wehmut und Sorge. Ein Bad der Gefühle auf der Couch mit ganz dezenten Tränen der Freude und der Sorge in den Augen und doch hält man als Mutter die Fahne hoch und verbreitet gute Stimmung wie immer für das Kind. Mütter zeigen keine Sorgen!

Datum

2.5.2020

Räumlicher Geltungsbereich

53578 Windhagen

Urheber

Ajlis86

Rechteinhaber

Ja

Rechte

CC BY-SA

This item was submitted on 3. Mai 2020 by [anonymous user] using the form “Leben in der Corona-Krise” on the site “Das Coronarchiv”: https://coronarchiv.geschichte.uni-hamburg.de/projector/s/coronarchiv

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