Lächeln

Objekt

Titel

Lächeln

Beschreibung

Lächeln

Ich erinnere mich genau an dem Moment in meinem Leben, als ich wahrnahm, wie sehr ein Lächeln das Leben schöner machen kann. Fast immer kommt es zurück, öffnet meistens Türen, fast genauso oft Herzen – ein Gleitmittel der Kommunikation.

Zu Beginn der Ausgangssperre letzte Woche dachte ich: Wenigstens das Lächeln kann uns niemand nehmen. Be gebührender Entfernung droht keine Gefahr, Mimik kann zwar anstecken, aber nicht viral. Bei zur Feldforschung durchgeführten Spaziergängen hat sich diese meine Vermutung bestätigt. Häufig habe ich Erleichterung gespürt als Reaktion auf mein Lächeln, und entsprechend entspannt kam die mimische Antwort.
In den letzten Tagen stelle ich eine Änderung fest. Zunächst mieden viele Menschen den Augenkontakt. Vielleicht, um die Virenstreuer Mund und Nase abzuwenden. Das fand ich befremdlich. Doch der Kontakt schien den Menschen zu fehlen. Langsam näherten sich die Blicke wieder an.
Mundschutz zu tragen ist ja bei uns wenig verbreitet. Die körpereigene Variante besteht offensichtlich darin, die Lippen fest zusammenzupressen. Dabei ertappe ich mich auch ab und an. Wie schön, dass die Menschen langsam entdecken, dass man auch mit geschlossenen Lippen (bocca chiusa) lächeln kann. Man summt also ein Lächeln. Die Augen kann man auch zu Hilfe nehmen. Gut, dass der Mensch anpassungsfähig ist. Auch Lächeln will gelernt sein in der Krise.


Dieser Text entstand Ende März 2020, als ich eine Veränderung der Menschen beim Spazierengehen in der Umgebung von Erlangen / Sieglitzhof bemerkte.

Urheber

ed

Rechteinhaber

Ja

Rechte

CC BY-SA

Datum

März 2020

This item was submitted on 5. Mai 2020 by [anonymous user] using the form “Leben in der Corona-Krise” on the site “Das Coronarchiv”: https://coronarchiv.geschichte.uni-hamburg.de/projector/s/coronarchiv

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