Umgang mit sozial benachteiligten Kita-Kindern

Objekt

Titel

Umgang mit sozial benachteiligten Kita-Kindern

Beschreibung

Ab dem 2. Juni 2020 durfte mein Sohn zum ersten Mal seit Mitte März wieder regelmäßig in die Kita gehen, da er zwei berufstätige Eltern hat. Kinder, die nur ein berufstätiges Elternteil haben, dürfen nur jede zweite Woche kommen. Doch es war in der Politik (bspw. in der Kolumne unseres Bürgermeisters, aber auch auf Bundes- und Landesebene) immer betont worden, dass insbesondere Kinder aus sozial schwachen Familien oder diejenigen, die es aus anderen Gründen dringend nötig haben, in Absprache mit dem Jugendamt zurück in die Kita gebracht werden müssen. Doch was in unserer Kita passierte, war das krasse Gegenteil. Die Kita-Leitung hat wohl aus Überforderung alle Eltern, deren Kinder nur alle zwei Wochen kommen dürfen, angerufen und ihnen geraten, ihre Kinder doch bis zu den Sommerferien zuhause zu lassen, da sie zu wenig Personal in der Kita hätten. Es stimmt zwar, dass einige Erzieherinnen aus Altersgründen nicht arbeiteten, aber tatsächlich waren in der Gruppe meines Sohnes maximal 8 Kinder bei einer Erzieherin; da hätten ganz problemlos noch ein paar sozial benachteiligte Kinder betreut werden können. Eine Freundin aus dem Iran war auch betroffen. Ihr Sohn spricht schlecht, da er zweisprachig aufwächst und die Kita dringend braucht, um besser Deutsch zu lernen. Aber auch sie wurde von der Kita-Leitung gebeten, ihren Sohn doch zuhause zu betreuen, da sie ja nicht arbeiten gehe. In der Praxis, der Umsetzung der Maßnahmen vor Ort ist von dem politischen Wille, sozial benachteiligte Kinder besonders zu fördern, also leider nicht mehr viel zu spüren. Meine Freundin hat ihren Sohn glücklicherweise dann doch noch in die Kita geschickt, auch gegen den Willen der Kita-Leitung.

Datum

24. Juni 2020

Räumlicher Geltungsbereich

Staufenberg, Hessen

Urheber

fidelia

Rechteinhaber

Ja

Rechte

CC BY-SA 4.0

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